Kabarett-Duo Pause und Alich knöpft sich vor allem die Politik vor

Von: jlm
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Rainer Pause (rechts) und Norbert Alich brachten den Indestädtern ihre ganz persönlichen „Früchte des Zorns“ dar. Foto: Julia Meuser

Eschweiler. Rainer Pause und Norbert Alich, vielen besser bekannt als Fritz Litzmann und Hermann Schwaderlappen, machten den Indestädtern eine große Freude und statteten ihnen gleich zum zweiten Mal mit ihrem aktuellen Programm einen Besuch ab.

Unter dem Titel „Früchte des Zorns“ brausten sie im ausverkauften Talbahnhof am Freitagabend über die Bühne, ärgerten sich über verschiedenste Themen – besonders beliebt: die Politik – und missverstanden sich in ihrem Ärger auch das ein oder andere Mal. Es versprach – wieder einmal – ein urkomischer Abend zu werden.

Unter dem Motto „Was den Politikern alles einfällt…“ beklagten sie sich zunächst über Deutschlands Militäreinsätze. Viele würden ja sagen, die Deutschen würden sich einfach hinter ihrer Schuld verstecken. Er, Litzmann, glaube aber, „wir sind einfach zu bequem und zu feige“. 50 Jahre lang hätten deutsche Soldaten in Afrika Brunnen bauen dürfen: „Wir können doch nicht an allen Fronten Brunnen bauen, in der Hoffnung, dass einer reinfällt.“ Auch die „kinderfreundliche Militärpolitik“ wurde kritisch unter die Lupe genommen. „Demnächst fahren die Soldaten mit Wohnmobilen samt Familien an die Front“ – ein seltsames Bild, fanden nicht nur die beiden Kabarettisten. „Mit so einer Haltung kannst du doch nicht gegen eine Terrormiliz kämpfen.“

Natürlich müssten die Deutschen auch Verantwortung übernehmen, der deutsche Beitrag zum Frieden sieht in ihren Augen jedoch etwas anders aus: Deutschland sei schließlich der drittgrößte Waffenexporteur. „Wenn wir alle Waffen exportieren, die wir produzieren, dann haben wir ja keine mehr.“ Und ohne Waffen, so die logische Schlussfolgerung der Kabarettisten, könnten die Deutschen auch keine Konflikte mehr hervorrufen. Wobei es offensichtlich auch hier Probleme gibt: Das oberste Gebot sei, keine Waffen an Krisengebiete zu liefern. Doch: „Wohin denn sonst?“, fragte Litzmann die Gäste. „Wenn du 3000 Panzer nach Norwegen schickst, hast du spätestens nach drei Wochen da auch eine Krisenregion.“

Es gibt jedoch so viele Gründe, sich zu ärgern. Immer wieder gebe es Schlagzeilen, die Litzmann zum Toben bringen. Jedes Mal, wenn er dann nach Hause komme, mache er seinem Ärger lauthals Luft, das Unangenehme: „Seit letzter Woche schreit meine Frau zurück! Das habe ich nicht verdient.“ Daher sammle er nun Eier und alte Tomaten und Sellerie auf dem Balkon, die „auf eine kreative, neue Verwendung warten“. Sein jüngstes Opfer: Sepp Blatter. Er habe gewartet, bis es dunkel ist und sich vorgestellt, wie Blatter im Garten auf dem Kompost sitzt und einfach geworfen.

Aber: „Immer nur Meckern geht auch nicht“, entgegnete Hermann Schwaderlappen schließlich und gestand, Emanzipation sei ihm immer wichtig gewesen, er sei Feminist der ersten Stunde. Die Frauen hätten die Chance, sich zu revangieren, indem sie bald die Millionen nach Hause brächten. Sie sollten jedoch nicht vergessen, dass die Männer es gewesen seien, die „die Frauen damals von der Straße weggeheiratet“ hätten – und das natürlich nur wegen der inneren Werte. Als Junge höre man immer wieder den Satz: „Irgendwann musst du eine Familie ernähren!“ Die Frauen hätten es da einfacher, einfach viel entspannter. Sie hätten immer noch den Plan B: „Wenn‘s nicht klappt, heirate ich doch einen Zahnarzt.“ Hermann Schwaderlappen erinnerte die Frauen aber auch an ihre wichtigste Rolle: Mutter. „Wenn du drei Bälger im Griff hast, dann kannst du auch eine Firma leiten“, ermutigte er die anwesenden Damen.

Fleischwurst ohne Fleisch

Ein besonders wichtiges Thema, das man in all dem Ärger nicht vergessen dürfe, ist aber eine gesunde Ernährung. Die riet auch Fritz Litzmann den anwesenden Indestädtern. Er liebe zum Beispiel Fleischwurst, das Aroma sei einfach unglaublich! „Dabei ist da gar kein Fleisch drin.“ Wenn man eine echte Fleischwurst daneben legen würde, würde sie blass werden. Dasselbe Phänomen gibt es aber auch bei dem Erdbeerjoghurt. Die Erklärung ist ganz einfach: In dem Joghurt, so Fritz Litzmann, befinde sich ein Hefepilz. Der schnappe sich im Dunkeln die Holzspäne, fresse sie und scheide sie als Erdbeeraroma wieder aus. „Manchmal denke ich, ich höre das Aroma“, fantasierte der Kabarettist bereits.

Es gebe sogar verschiedene Hefepilze. Die würden sich dann selbstverständlich absprechen: „Machst du heute Kokos, dann mach‘ ich Erdbeer.“

Auch die Gummibärchen wären der Wahnsinn, so Fritz begeistert, besonders die roten. Der Grund für die Farbe: zerriebene, getrocknete Schildläuse. Der Geschmack erobere regelrecht die Gehirnzellen. Das sei aber nicht weiter schlimm: „Ich hab sowieso zu viele Gehirnzellen, die machen da oben, was sie wollen. Es wird Zeit, dass da mal einer von außen kommt und sagt: So jetzt ist Schluss.“ Durch das Glutamat würden sich die Gehirnzellen tatsächlich zurückbilden, das sei die schlechte Nachricht. „Die gute Nachricht: Du merkst es nicht. Du gehst bei McDonalds raus und fragst dich, was du hier wolltest und gehst wieder rein, weil du dich erinnerst, dass du etwas essen musst.“ Alzheimer finde er jedoch übertrieben: „Ich möchte am Ende wissen, was ich nicht mehr wissen will.“ Schließlich gab er noch zu bedenken: „Wofür braucht ein Vegetarier Gehirn? Um ein Salatblatt zu holen, brauchst du keine komplizierte Jagdstrategie.“

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