Kabarett: Die Falte kann auch eine gute Freundin sein

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Mit Tasche und Seniorenbravo unter dem Arm betritt „Oma Anna“ die Bühne und weiß viele Geschichten über das Alter und den Umgang damit in der Gesellschaft zu erzählen: Monika Blankenberg. Foto: Katja Bach

Eschweiler. „Ich habe den Eindruck, ich komme aus einer längst vergangenen Zeit, nur ausgestorben bin ich noch nicht.“ Mit diesen Worten eröffnete Monika Blankenberg ihre Vorstellung am Mittwochabend im Talbahnhof. Im recht kleinen Kreis kam sie schnell zur Sache und berichtete von der Zeit und den Dingen, die mit dem Älterwerden einhergehen.

„Der Alterungsprozess ist gemein, er schleicht sich von hinten an“, und über kurz oder lang betreffe er jeden, weiß die dynamische Kölnerin. Auch sie kann sich diesem Phänomen nicht entziehen, und so ist es nicht verwunderlich, dass ihr Auftritt sehr lebensnah ist. Thematisch vielfältig, bunt und voller Gesellschaftskritik näherte sie sich mit ihrem Programm „Die Zeit ist reif – ich auch“ dem Thema Zeit. Dabei stehen vor allem die Entwicklung und der Begriff der Jugend im Mittelpunkt.

So sprach Blankenberg zum Beispiel sehr lebhaft und ironisch von den neuesten Schönheitsidealen, die Faltencreme mit 30 und die Konfektionsgröße XXS verlangen. Ein Vergleich mit der eigenen Jugend in den 70ern mit der der Kinder heute verdeutlichte, was sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat und in welcher Geschwindigkeit. Und so lustig und humorvoll Blankenberg auch darüber berichtete, so ernst ist die Kritik, die durchscheint. Sind der Jugend-, Schönheits- und Fitnesswahn noch gesund? Sollten wir nicht zu unserem Alter stehen dürfen, ohne uns für erste Falten schämen zu müssen? Und sollte es zwischen „zu jung“ und „zu alt“ nicht wenigstens einen Tag geben, an dem man genau das richtige Alter hat?

Für die Kabarettistin ist die Sache klar: „Heute werden bewusst Minderwertigkeitsgefühle produziert und das macht die Menschen krank.“ Deshalb ist es für sie wichtig, dass das Publikum ihre Kritik erkennt und versteht, dass jeder einzelne zu der Gesellschaft gehört, die solche „Unmöglichkeiten“ befördert. Allerdings soll der Ernst den Spaß nicht verdecken, denn für Monika Blankenberg ist das Wichtigste, „dass die Leute nach der Vorstellung rausgehen und sagen, dass sie Spaß hatten.“

Und das erreicht sie vor allem durch ihre Performance, die besonders durch ausgeprägte Mimik und Gestik besticht. Gemeinsam mit Ironie und wortgewandten Witzen zwischen humorvollen Erzählungen aus dem Alltag sorgte dies für eine amüsierte Stimmung im Publikum. In der zweiten Halbzeit wurde das Programm musikalischer. Das Lied „Meine Freundin, die Falte“ brachte das Publikum zum Lachen und ein besonderes Highlight war die Bühnenfigur Oma Anna, die dem ein oder anderen bereits aus einem früheren Programm bekannt war.

Mit Mantel, Tasche und Gehstock verwandelte sich Monika Blankenberg in die alte Dame, nicht ohne vorher darauf hinzuweisen, dass die Verwandlung gleichzeitig auch der Abschluss des Programms sei, „weil es immer schwieriger wird, wieder aus der Rolle herauszukommen.“

Und tatsächlich verkörperte Blankenberg Oma Anna in Perfektion. Stimme, Dialekt und Erscheinung hatten mit der dynamischen Kabarettistin von zuvor nichts mehr zu tun. Im Stil einer alten Dame um die 80 erzählte sie von ihren Leiden und ihren besonderen Erlebnissen. Eines davon eine Nacht im ICE, mit dem man sie auf ein Abstellgleis gefahren hatte. Auf den ersten Blick eine lustige Geschichte, die einen bitteren Beigeschmack erhielt, als Monika Blankenberg aufklärt, dass diese Geschichte in der Realität passiert ist. Und vor solch einer Situation kann sich niemand schützen.

Blankenbergs Programm ist unterhaltsam und regt dennoch zum Nachdenken an. Für die Kabarettistin steht am Ende lediglich die fatalistische Tatsache: „Den Wettlauf gegen die Zeit kann niemand gewinnen – und das ist auch gut so!“

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