Jupp Hammerschmidt und Hubert vom Venn sagen „Und tschüss”

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Einmal kommen sie noch wieder, im März. Aber es ist ihr letztes gemeinsames Programm, und im Herbst des nächsten Jahres soll Schluss sein. Am Donnerstag sagten die Eifel-Kabarettisten Jupp Hammerschmidt und Hubert vom Venn im ausverkauftem Saal des Talbahnhofs schon mal „...und Tschüss”.

Eschweiler. Die gute Nachricht gleich vorweg: Bis sie zum aller-aller-allerletzten Mal „Tschüss” sagen, dauert es noch ein paar Monate. Bis in den Spätherbst des nächsten Jahres hinein werden Jupp Hammerschmidt und Hubert vom Venn, die „Zwei aus der Eifel”, mit ihrem letzten gemeinsamen Kabarettprogramm „Und tschüss” unterwegs sein, überwiegend natürlich in der Eifel und rings herum.

Auch nach Eschweiler werden sie noch einmal kommen, im März, und der Saal des Talbahnhofs wird wieder so voll sein wie am Donnerstag, das ist jetzt schon sicher. Aber dann, ja dann soll Schluss sein. Nach bisher 18 gemeinsamen Jahren ist es das Abschiedsprogramm des Eifel-Duos. Einen Totenkaffee sollte es geben, wie das für Eifeler Beerdigungen üblich ist, das ganze Dorf Heckenbroich sollte da sein, um sich von Hochwürden Hubert, seinem Pfarrer, und dem Bürgermeister Jupp, dieser roten Socke, zu verabschieden. Gibt es etwas Lustigeres als einen Eifeler Totenkaffee?

Totenkaffee? Besser als Karneval

„Für einen Totenkaffee in der Eifel lasse ich doch jede Kappensitzung in Köln sausen”, ruft Hochwürden Hubert in den Saal, und das Publikum gluckst. Auch in Eschweiler kann sich mancher an Beerdigungskaffees erinnern, die sich im Satz zusammen fassen lassen: „Nee, wat hammer jelacht!”

Es ist dieser liebevoll-ironische Blick auf die rheinische und speziell die Eifeler Gemütsstruktur, der die Faszination der Kabarettprogramme von Jupp Hammerschmidt und Hubert vom Venn ausmacht. Der trockene, wortkarge und manchmal auch derbe Humor, das Schlitzohrige, der aus jahrhundertelanger Armut der Eifel entstandene Geiz, das Misstrauen gegenüber allem Fremden und auch Neuem - die beiden Eifeler setzen es in Witz um und verrühren es mit viel Nostalgie.

Wie man Wimele pflückt (oder Wimere, je nach Eifel-Gegend) und daraus das leckere Johannisbeer-Gelee kocht, mit Cellophan über den Gläsern und auf der Gelee-Oberfläche einem extra Einmachhäutchen, das aber auch nicht verhindern kann, dass sich der Schimmel ausbreitet im Gelee, „diesem Penicillin der Eifel” - darüber kann sich Jupp Hammerschmidt minutenlang verbreiten. Bis hin zu gedanklichen Kurzschlüssen zum Wort „Einmachhäutchen”, und warum einem Eifeler in der Hochzeitsnacht jenes Wimele-Gelee in den Sinn kommt.

Beleidigungskundgebungen am Grab

Bei aller kabarettistischen Zuspitzung: In solchen Monologen über die „Eifeler Mutter” oder die typischen Eifeler Erbstreitigkeiten (ein hinreißender Auftritt von Hubert vom Venn: „Von Beleidigungskundgebungen am Grabe bitten wir Abstand zu nehmen”) erkennt auch der Nicht-Eifeler die Lebenswirklichkeit der Menschen in dieser Landschaft wieder, und in den nostalgischen Kindheitsausflügen der beiden Kabarettisten durchaus auch die eigene Kindheit. Denn das hat es ja nicht nur in der Eifel gegeben - nicht wahr? -, dass es beim Bäcker für die Kinder Himbeer-Klümpchen gab, diese Unverpackten, und beim Konsum diese zitronigen Halbmonde. Und wie die in der Fastenzeit gesammelt wurden in einem Glas, wo sie zusammen backten, bis man sie zu Ostern dann endlich heraushacken und lutschen durfte.

Natürlich schwelgen die Eifel-Kabarettisten nicht nur in der Vergangenheit, in der Mädchen rosafarbene Schlüpfer trugen und die Kaffeesahne noch Büchsenmilch hieß. Sie bringen auch Seitenhiebe auf aktuelle Politik, etwa über „Menschen mit Ignorationshintergrund, wie Bohlen, Sarrazin, Steinbach”.

Aber sehr viel intensiver widmen sich die beiden Bühnenkünstler den Erörterungen über die Qualität von Zeitungen, ob Tages- oder Kirchenzeitung, die früher, in handliche Stücke geschnitten, mit einem Brotmesser durchbohrt und auf eine Kordel gezogen, in der Toilette jedes Eifelhaushalts hing.

Und genau diese langwierigen, liebenswerten Erörterungen in ihrer Mischung von Nostalgie und drastischem Humor sind auch das, was das Publikum an den „Zweien aus der Eifel” seit so vielen Jahren schätzt, und was es nach dem Abschluss der Tournee, auch das ist sicher, sehr, sehr vermissen wird.
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