Jungen oder Mädchen? Ist doch ganz egal!

Von: Benjamin Jansen
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Früh übt sich: Unter Anleitu
Früh übt sich: Unter Anleitung von Azubi Pascal Gronau lötet Sara Kreutz beim Girls Day im RWE-Ausbildungszentrum Weisweiler eine sogenannte Blinki-Schaltung mit zwei LEDs. Foto: Benjamin Jansen

Eschweiler. Eine Schutzbrille, ein Lötkolben und eine Blinki-Schaltung - mehr braucht es nicht, um Sara Kreutz für den Elektronikerberuf zu begeistern. Mit konzentriertem Blick und ruhigem Händchen lötet die Elfjährige ihren Bausatz zusammen, am Ende blinken die roten und grünen LED-Lämpchen im Wechsel auf. Sara strahlt.

„Gut gemacht”, lobt Azubi Pascal Gronau die Schülerin, die im Rahmen des Girls Day einen Arbeitstag im RWE-Ausbildungszentrum Weisweiler verbracht hat.

„Wir versuchen junge Mädchen früh mit Technik in Verbindung zu bringen”, sagt Jürgen Frings, Teamleiter für Elektroberufe, der am Donnerstag insgesamt 73 Schülerinnen aus der Region begrüßte. „Nur so können wir weiblichen Nachwuchs für die Zukunft gewinnen.”

Im Kraftwerk Weisweiler arbeitet derzeit nur eine Handvoll Frauen als Schlosser oder Schweißer, hinzu kommen ein paar Elektronikerinnen im Tagebau Inden. „Die Zahl der weiblichen Mitarbeiter ist auf jeden Fall ausbaufähig”, bestätigt Frings. „Zumal die Frauen alles machen können, was angeblich nur in den Arbeitsbereich der Männer fällt. Sie müssen sich nur trauen und das nötige Interesse mitbringen.”

Diesen Eindruck erwecken auch Michelle Bröse und ihre Mitschüler von der Gesamtschule Eschweiler. Nachdem sie die Schläuche angeklemmt und den Tastschalter betätigt haben, fährt ein Zylinder aus - ein schönes Beispiel für physikalische Kraftübertragung. „Das war spannend”, sagt die Fünftklässlerin, „weil wir so etwas vorher noch nie gesehen oder gemacht haben.”

Das war auch die Grundidee, als der Girls Day vor zehn Jahren ins Leben gerufen wurde: Mädchen vor Augen zu führen, dass es interessante, frauenuntypische Berufe gibt - fernab von sämtlichen Rollenklischees Umgekehrt hatten auch die Jungen in diesem Jahr zum ersten Mal die Möglichkeit, in vermeintliche Frauenberufe reinzuschnuppern.

Florist, Erzieher oder Pfleger fallen in diese Kategorie. Allesamt Berufsbilder, die Leon Gottlob nicht gereizt haben. Stattdessen hat sich der Elfjährige - als ausgewiesene „Leseratte” - dazu entschlossen, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen: Er hospitierte in der Buchhandlung Librodrom.

Inventur machen, Bücher einscannen, Kunden bedienen - das gehörte ebenso zu seinen Aufgaben wie Geschenke einpacken. Ein Schleifenprofi ist der Fünftklässler zwar nicht geworden, „in einer Buchhandlung zu arbeiten, ist trotzdem super.”

Ob er sich auch vorstellen kann, in Zukunft in einer Buchhandlung zu arbeiten? „Unter Umständen”, sagt Leon mit einem verschmitzen Grinsen. Fest steht auf jeden Fall: Bei der Berufswahl hat er nun eine Option mehr - so wie Sara und viele andere Schüler, die am Girls und Boys Day teilgenommen haben.
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