Junge US-Amerikaner in Eschweiler: „Ich gehe nicht wieder zurück“

Von: Annika Thee
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Die Stipendiaten des PPP mit ihren Gastfamilien und dem Bundestagsabgeordneten Helmut Brandt (CDU) (rechts).

Eschweiler. Sie entschieden sich für ein Auslandsjahr, als Obama noch ihr Präsident war. Von Deutschland aus mussten die Austauschschüler aus den USA miterleben, wie Donald Trump zum neuen Präsident der Vereinigten Staaten gewählt wurde.

„Sie hat die ganze Nacht geweint und ich habe überlegt, sie am nächsten Tag von der Schule freizustellen“, erzählt eine Gastmutter über die Reaktion der Stipendiatin Mika, das seit August bei ihr wohnt und nach der Wahl Donald Trumps drohte „Ich gehe nicht wieder zurück“. Eine andere Stipendiaten ist etwas weniger besorgt: „Ich kann von Deutschland aus nichts anderes machen, als zu hoffen, dass alles okay ist, wenn ich wieder nach Hause komme“, erklärt Tajanae. „Außerdem möchte ich sowieso in Deutschland Germanistik studieren, weil das in den USA viel zu teuer ist und meine Familie dort das nicht bezahlen kann“, erläutert sie ihre Situation weiter.

Seit August sind 350 Stipendiaten im Rahmen des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms (PPP) aus den Vereinigten Staaten in Deutschland. Sechs von ihnen leben in Gastfamilien in der Städteregion. Inzwischen sprechen die Gastschüler fast fließend Deutsch und haben viel über das Land und die Leute hier gelernt. Helmut Brandt ist Mitglied der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag und übernimmt seit mehr als zehn Jahren die Patenschaft für das PPP.

„Diese Patenschaft zu übernehmen, gehört für mich zu den schönsten Aufgaben als Wahlkreisabgeordneter“, erzählt er. Auch in diesem Jahr hat er sich mit den Stipendiaten und ihren Gastfamilien zum gegenseitigen Austausch getroffen. „Der Austausch zwischen jungen Leuten ist wichtig, besonders in diesen Zeiten“, spielt der Christdemokrat auf den neuen US-Präsidenten Donald Trump an. „Jeder der Stipendiaten ist ein kleiner Botschafter seines Landes und wenn er zurück in sein Heimatland fährt, ist er hoffentlich auch ein kleiner Botschafter für Deutschland“, erhofft sich Helmut Brandt.

Zwei junge Amerikaner, Dustin und Tajanae besuchen das Städtische Gymnasium in Eschweiler, die Stipendiatin Mika das Ritzefeld-Gymnasium in Stolberg. Zunächst fiel die Teilnahme am Unterricht aufgrund der fehlenden Sprachkenntnisse schwer. „Aber dann bin ich in der Schule in einen Kurs gekommen, in dem ich jeden Tag zusammen mit Flüchtlingen aus Syrien und anderen Ländern Deutsch lerne. So lerne ich jeden Tag etwas Neues über die Deutsche Sprache“, erklärt der 18-jährige Dustin stolz.

Inzwischen haben die Austauschschüler hier viele Kontakte geknüpft. „Zuvor hatte ich viel Angst, weil man sagt, dass die Deutschen eher zurückhaltend sind, aber jetzt habe ich viele Freunde und alle waren sehr nett zu mir“, erklärt Dustin. Eine Stipendiatin spielt in Eschweiler Saxophon in einer Big Band, eine andere Bratsche im Orchester der Städtischen Musikgesellschaft. An freien Wochenenden lernen die jungen Erwachsenen mit ihren Gastfamilien die Region kennen, machen Ausflüge nach Köln, zu Weihnachtsmärkten und in die Eifel. Doch nicht nur die Stipendiaten profitieren von dem Austausch.

Auch die Gastfamilien habe viel gelernt. „Am Anfang ist es schon etwas komisch, einen fremden Menschen den kompletten Einblick in sein Familienleben zu gewähren. Aber komischerweise, fühlte es sich von Beginn an überhaupt nicht fremd an“, erzählt die Gastmutter von Dustin. Eine andere Gastmutter stimmt zu „Ich kann es nur weiterempfehlen und würde die Entscheidung wieder treffen. Man öffnet sich für eine andere Kultur. Zwar ist es viel Verantwortung, die man übernimmt, aber das kann ja auch positiv sein“.

Ende Mai werden die Stipendiaten in Berlin den Deutschen Bundestag besuchen und das Regierungssystem der Bundesrepublik hautnah erleben. Dann geht es bald auch schon wieder zurück in die Heimat. „Ich werde das deutsche Essen vermissen und natürlich meine Gastfamilie“, sagt Tajanae. „Ich liebe sie wie meine eigene Familie und der Abschied wird sehr schwer fallen“, fügt sie hinzu. Bei dem Gedanken an den Abschied sind auch die Gastfamilien sichtlich betroffen. „Bevor wir uns noch mal dafür entscheiden, als Gastfamilie einen Austauschschüler aufzunehmen, müssen wir erst einmal abwarten, wie schlimm der Abschied wird“, scherzt eine Gastmutter.

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