Junge Poeten von der Inde erobern Maastricht

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Gruppenbild mit Maskottchen: Die Jungpoeten Christina Duarte (3. v. l.), Florian Leistner (4. v. l.), Arlend Dragusha (4. v. r.), Florian Diederichs (3. v. r) und Yvonne Scheiblich (rechts) wurden von Caroline Emondts-Seeger (links), Jacqueline Weber (2. v. l.) und Michaela Kobolay (2. v. r.) unterstützt. Nicht zu vergessen Lennart und Lucy. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. An einem Dichterwettstreit, neudeutsch „Poetry Slam”, teilzunehmen, erfordert Mut und Überwindung. Texte selbst zu verfassen, auf eine Bühne zu treten und dort das Gedicht, also persönliche Gedanken, einem kritischen Publikum oder einer Jury vorzutragen, ist nicht jedermanns Sache. Und schon gar nicht, dies in einer Fremdsprache zu tun.

Mit Yvonne Scheiblich, Christina Duarte, Florian Leistner, Arlend Dragusha und Florian Diederichs fassten sich aber nun gleich fünf Schüler der Willi-Fährmann-Schule ein Herz.

Unterstützt von ihrer ehemaligen Lehrerin Jacqueline Weber, die zu Beginn des Schuljahres 2011/2012 ein „Niederländischprojekt” an der Eschweiler Förderschule mit den Schwerpunkten „Lernen” sowie „Emotionale und Soziale Entwicklung” ins Leben rief, Schulsozialarbeiterin Caroline Emonds-Seeger und Michaela Kobolay, die momentan das Praktikumsjahr innerhalb ihres Studiums „Soziale Arbeit” an der Williy-Fährmann-Schule absolviert, machte sich das Quintett schon am Morgen auf in Richtung Maastricht, wo einige Stunden später in der „Muziekgieterij” das Finale des „Euregio-Slams” stattfand.

Darüber hinaus waren gleich zwei „Maskottchen” mit an Bord. Lennart, der kleine Sohn von Caroline Emonds-Seeger, und Schulhund Lucy trugen ihren Teil zum Erfolg bei. Denn in der „Dichterschlacht” mit jungen Poeten des Aachener Rhein-Maas-Gymnasiums, des Inda-Gymnasiums Aachen, des „Sophianum-College” Gulpen und des „Porta Mosane College” Maastricht schlugen sich die „Willy-Fährmänner” (und -frauen) hervorragend.

Für einen Platz im Enzelfinale der besten Drei reichte es zwar nicht, doch den Schulpreis eroberten die fünf Dichter, die das Publikum in deutscher, niederländischer und portugiesischer Sprache sowie mit einem Rap überzeugten, souverän. Der Lohn: Unter anderem eine weitere Fahrt in das schöne Maastricht, diesmal ganz ohne Lampenfieber vor einem Bühnenauftritt.

Im Sommer 2011 initiierte Jacqueline Weber, die inzwischen an der Heinrich-Heine-Gesamtschule in Aachen unterrichtet, das „Niederländisch-Projekt” an der Willy-Fährmann-Schule. Dabei kam ihr ihre zwischenzeitliche Tätigkeit als Sprachassistentin am Heerlener Sintermeertencollege zu Gute. Denn was lag näher, als eine Kooperation mit der Schule im Nachbarland zu schließen?

Momentan nehmen nun 16 Schüler der Willi-Fährmann-Schule am Projekt, das Jacqueline Weber inzwischen ehrenamtlich leitet, teil. „Wir treffen uns jeden Freitag. Dann gibt es eine Menge Informationen über die Niederlande. So war es für die Schüler teilweise neu, zu erfahren, dass die Niederlande quasi um die Ecke liegen und es eigentlich recht einfach ist, dorthin zu kommen”, so die Lehrerin.

„Nach den Herbstferien wird es darüber hinaus einen vierwöchigen Sprachkurs geben”, blickt sie voraus. Und eine weitere Kooperation ist zumindest ins Auge gefasst. „Es wurden erste Kontakte mit den Verantwortlichen der Praktijkschool Heerlen, einer Förderschule, geknüpft. Weitere Gespräche werden folgen.”

In den zurückliegenden Wochen standen aber die Vorbereitungen zur Teilnahme am Euregio-Slam, einer Initiative der „Talenacademie Nederland” (Sprachakademie Niederlande), im Vordergrund. Diese Stiftung, die Sprachprojekte für den Schulunterricht in den Niederlanden, Belgien und Deutschland entwickelt, rief im Zuge des Wettbewerbs Schüler der Region Rhein-Maas auf, sich zu bewerben und ihre Dichtkunst unter Beweis zu stellen.

Über mehrere Vorrunden qualifizierten sich die Nachwuchspoeten für das Finale in Maastricht. Als dann einige Schulen absprangen, erinnerte sich Linda Wings, Mitarbeiterin der Talenacademie und Organisatorin des „Euregio-Slams”, an Jacqueline Weber und ihr Niederländisch-Projekt an der Willi-Fährmann-Schule. „Wir bekamen die Gelegenheit, einzuspringen, und haben sie genutzt”, so die Pädagogin nicht ohne Stolz. „Fünf Schüler erklärten sich bereit, auf die Bühne zu gehen.”

Dann wurde an den Texten gearbeitet. Und an der Art, diese vorzutragen. Denn die „Performance” spielt bei einem Poetry-Slam eine wichtige Rolle. Doch zwischen Training und Wettkampf liegen manchmal Welten, und so klopften die Herzen der fünf indestädtischen Schüler ganz schön, als sie von Moderator Gerard Beentjes auf die Bühne gerufen wurde.

Florian Leistner fungierte als Eisbrecher, als er seinen Text in niederländischer Sprache vortrug und Applaus erntete. Christina Duarte gab in Deutsch und Portugiesisch wahrlich poetische Gedanken zum Thema Liebe preis. Yvonne Scheiblich gab auch eine Liebeserklärung ab. Nämlich an ihr großes Hobby Fußball, das sie als Torhüterin der B-Juniorinnen von Falke Bergrath aktiv betreibt.

Zum Abschluss zog dann das Rapper-Duo Florian Diederichs und Arlend Dragusha die Zuschauer und -hörer in seinen Bann. Vorträge, die die Jury mit den Profi-Slamern Maarten van den Berg, Max Greyson und Helge Goldschläger nicht kalt ließen und die mit dem Schulpreis belohnt wurden.

Zufrieden und deutlich gelassener als am Morgen konnte die Rückfahrt angetreten werden. Die nächste Tour nach Maastricht kommt bestimmt.
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