Junge Leute pilgern nicht? Von wegen!

Von: Sonja Essers
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Für Anna Pütz und Lars Telschow gehört das Pilgern nach Kevelaer fest dazu. Seit vielen Jahren sind die beiden schon dabei. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. In der letzten Woche der Sommerferien ist es wieder soweit: Dann machen sich 127 Indestädter auf den Weg nach Kevelaer. Unter ihnen sind auch Anna Pütz und Lars Telschow. Die beiden jungen Erwachsenen sind in diesem Jahr bereits zum 14. Mal mit von der Partie und nicht die einzigen jungen Menschen, die den 103 Kilometer langen Weg zurücklegen.

Nachwuchssorgen hat die Eschweiler Kevelaer-Bruderschaft nicht. Ganz im Gegenteil: Pilgern scheint bei jungen Menschen beliebter denn je zu sein.

An ihre erste Pilgerreise nach Kevelaer erinnert sich Anna Pütz noch ganz genau. Damals war die Indestädterin acht Jahre alt. Für ihre Eltern gehörte das Pilgern zu diesem Zeitpunkt bereits seit etlichen Jahren dazu. „Als ich gesehen habe, wie meine Eltern gepackt haben, habe ich mich dazu entschlossen mitzugehen“, sagt Anna und fügt hinzu: „Das kam eigentlich ganz spontan.“ Ein Ziel setzte sie sich trotzdem: „Ich wollte die Strecke ganz mitgehen und nicht zwischendurch in den Bus steigen, so wie manche Kinder das schon mal gerne machen.“ Und das hat die heutige Medizinstudentin auch geschafft.

Mit 15 war dann allerdings erst einmal für zwei Jahre Schluss mit Pilgern. Warum? „Ich hatte zu dieser Zeit einfach keinen Bock. Wenn ich zu meinen Freunden gesagt hätte, dass ich pilgern gehe, dann hätten die mich bestimmt gefragt, ob ich bekloppt wäre“, sagt die 23-Jährige und lacht. Seitdem diese Phase überwunden ist, freut sich die Medizinstudentin jedoch Jahr für Jahr auf die Woche der besonderen Art.

Doch was fasziniert die beiden daran so sehr und was macht die Wallfahrt bei Jugendlichen so beliebt? Es sei die besondere Atmosphäre, die während dieser Zeit herrsche. „Man sieht die Leute nur einmal im Jahr, ist dann aber eine Woche lang 24 Stunden am Tag mit ihnen zusammen. Das hat schon etwas Eigentümliches“, meint Lars Telschow und Anna Pütz ergänzt: „Genau. Es ist wie auf einer Klassenfahrt. Da wächst man auch sehr zusammen.“

Dass ihre Mitpilger dabei sowohl Grundschüler als auch Rentner sind, stört die beiden keineswegs. „Da sind schon Leute bei, mit denen man eigentlich nie etwas zu tun haben würde. Aber das ist ja auch interessant. Vor allem wenn wir dienstags ankommen, dann sieht man gestandene Männer, die auf einmal Wasserfälle weinen“, meint Lars Telschow.

Der 24-jährige Medizinstudent hat mit elf Jahren zum ersten Mal an der Wallfahrt teilgenommen. „Das war bereits Thema seit der Kinderkommunion, aber irgendwie hatte es davor nie gepasst.“ Begeistert davon steckte er auch seine Eltern und seine Schwester mit dem Pilgerfieber an, die mittlerweile auch regelmäßig dabei sind.

Je nachdem, welchen beruflichen Werdegang man einschlägt, kann man allerdings nicht mehr an der Wallfahrt teilnehmen. Das weiß auch Franz-Josef Dittrich, Präfekt der Bruderschaft. Gingen im vergangenen Jahr noch 35 Kinder und Jugendliche mit, so sind es in diesem Jahr „nur“ noch 26. Der Grund: „Wenn man noch zur Schule geht, dann ist das kein Problem, in der Ausbildung wird das schon schwerer. Aber so ist nun mal der Lauf der Dinge.“

Dittrich hat jedoch die Erfahrung gemacht, dass die jungen Erwachsenen nach ihrer Ausbildung meist wieder zurückkehren. „Die, die nicht mitgehen können, sind trotzdem dabei. Entweder, weil sie an uns und wir an sie denken oder weil sie uns an einem Tag einen Besuch abstatten“, meint Dittrich.

Und warum ist die Wallfahrt, seiner Meinung nach beim Nachwuchs so beliebt? „Ich habe den Eindruck, dass die Jugendlichen und Kinder sich in dieser Woche sehr ernstgenommen fühlen. Schließlich gehen alle die gleichen Kilometer und während wir in den Pilgermessen sitzen, übernehmen die Jugendlichen meistens noch Aufgaben, zum Beispiel als Messdiener.“ Diese Meinung teilt auch Lars Telschow. „Alle die mitgehen, stehen einfach auf der gleichen Stufe.“

Und wie sieht es mit der Zukunft der Bruderschaft aus? „Für die nächsten Jahre mache ich mir keine Sorgen, aber man muss sich auch bemühen, denn von nichts, kommt auch nichts“, meint Dittrich. Dafür, dass neuer Nachwuchs in die Bruderschaft kommt, sorgen Anna Pütz und Lars Telschow. Die beiden haben vor zwei Jahren die Leitung der Kevelaer-Jugend übernommen. „Sie machen das in einer hervorragenden, stillen und bestimmten Art. Da kann gar nichts schief gehen“, meint Dittrich und freut sich gemeinsam mit den jungen Erwachsenen auf die bevorstehende Wallfahrt.

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