Junge Hunde helfen bei der Arbeit mit behinderten Kindern

Von: Sabine Hermann
Letzte Aktualisierung:
6323505.jpg
So ein Hund kann vieles sein: verspielt, liebevoll und ziemlich interessant. Pädagoge Holger Peters bindet junge Vierbeiner in seine Arbeit mit behinderten Kindern an der Stolberger Regenbogenschule ein. Der achtjährige Brandon findet das total spannend. Foto: Sabine Hermann

Städteregion. Noch nicht einmal stubenrein und schon ein angehender Therapeut: Wem ist mit zehn Monaten schon eine solche Karriere vorgezeichnet – außer eben einigen Hunden. An der Regenbogenschule für geistig und körperlich behinderte Kinder in Stolberg waren sieben Schafspudel-Welpen bereits therapeutisch tätig.

Von der Fähigkeit ihrer Heilkunst sind an der Förderschule Lehrer und Eltern gleichermaßen überzeugt. Die Stimmung im Klassenzimmer scheint ihnen Recht zu geben. Wache Kinderaugen verfolgen das Gewusel auf dem Boden des Raumes, einige Schüler schmeißen Bällchen und diverses Spielzeug durch die Gegend.

Eine Integrationshelferin, die an der Schule die Lehrer unterstützt, hält einen Hundewelpen in einem Arm und einen behinderten Jungen im anderen. Über den Jungen sagt sie: „Er ist sonst sehr in sich gekehrt, hat oft Krämpfe und nimmt kaum wahr, was um ihn herum vor sich geht.“ Mit den Hunden ist das ganz anders. Die Frau versucht den wuseligen Welpen zu bändigen, damit er ihr nicht vom Schoß fällt. Der elfjährige Junge, der sowohl körperlich, als auch geistig schwer behindert ist, ist jetzt ganz ruhig, lässt das Tier mit seinem Blick nicht los.

Einmal wöchentlich leitet Pädagoge Holger Peters die AG für Kinder mit mehrfachen Behinderungen. Es war seine Idee, Hunde als „Arbeitskollegen“ dazuzuholen. „Sie fördern die Motivation der Schüler ungemein“, sagt er. „Die Tiere bieten den Kindern vielfältige Erfahrungen auf der Wahrnehmungsebene.“ Denn: Wie oft gibt es an einer Schule schon die Gelegenheit, einen Wurf junge Hunde beim ausgelassenen Spiel zu erleben?

Natürlich macht ein flauschiges kleines Tierchen, das einen Ball jagt oder in ein Seil beißt, noch keinen Therapiehund aus. Und doch ist er für körperlich und geistig behinderte Kinder schon mit zehn Wochen ein wunderbares Heilmittel, findet Peters. Der Mann hockt am Boden und wird von einem besagtem Flauschgesellen auf vier Pfoten ins Ohrläppchen gebissen.

Der „angeknabberte“ Peters ist Lehrer und Hundeliebhaber. Nicht immer sind es Welpen, sondern meist erwachsene, fertig ausgebildete Therapiehunde, die mit den Kindern an der Regenbodenschule arbeiten.

Elke Lachmann und Petra Leufgens sind die Hundeausbilder von „CSTdog“, dem „Centre for Service- & Therapy Dog’s Germany“. Es sind ihre Welpen, die dort ein paar kleine Pfützen auf den Boden pinkeln. Die Welpen sind natürlich weder schon Therapiehunde noch sind sie stubenrein. Aber beides sollen sie werden.

Petra Leufgens wischt und Elke Lachmann erläutert das Konzept: „Wenn Hunde zur Therapie ausgebildet werden sollen, müssen sie schon früh eine entsprechende Umgebung kennenlernen.“ Was die Tiere in ihren ersten Lebensmonaten erfahren – quirlige Kinder, sperrige Rollstühle und rappelnde Rampen –, das fänden sie später normal. Darum sei es wichtig, schon die Welpen in solche Situationen zu bringen. „Da ist viel Stress, Menschen weinen und Kinder schreien“, sagt Lachmann, „das darf die Tiere nicht irritieren und verängstigen.“

Die Welpen toben unbefangen und schlafen nach einer Stunde in diversen Armen ein. Die Kinder hingegen sind hellwach, aufgeweckt, begeistert. Durch die Hunde, sagt Pädagoge Peters, „erleben die Kinder ein besseres Körperbewusstsein und eine neue Orientierung im Raum. Vor allem schaffen die Tiere es, dass selbst die in sich zurückgezogenen Kinder sich wieder für ihre Umwelt interessieren.“

Seit 2006 arbeitet die Regenbogenschule mit dem „CSTdog“-Team von Elke Lachmann. Sie befasst sich schon seit den 90er Jahren mit der Beziehung zwischen Mensch und Hund, bildet gezielt Tiere aus, die Menschen mit Behinderungen oder Erkrankungen helfen.

Zeit und Geld für Ausbildung

„Hunde können das besonders gut, weil für sie alle Menschen zunächst gleich sind“, sagt Elke Lachmann.

Sie ist seit so vielen Jahren als Trainerin tätig und hat so viele positive Erfahrungen dabei sammeln können, dass sie diese gerne weitergeben möchte. Für „CSTdog“ hat Lachmann Geld gesammelt. Damit könnte ein Hund aus einer guten Zucht gekauft werden. Dieses Tier würde „CSTdog“ „spenden“. Will heißen: wenn sich ein wirklich liebevoller Besitzer findet, bekommt der einen Hund aus gutem Hause. Die Voraussetzung für diese Tier-Adoption ist aber eine gute Ausbildung des Hundes.

„Ich habe mir immer vorgestellt, einen Hund für ein Kinderhospiz auszubilden“, sagt Elke Lachmann. Das liegt ihr seit langer Zeit persönlich am Herzen. Darum gibt „CSTdog“ ein Tier nur ab, wenn der künftige Besitzer zu einer solchen Arbeit bereit ist und auch Zeit und Geld in die nötige Ausbildung investiert.

Lehrer Holger Peters hätte wohl Lust dazu. Aber er hat zum einen schon einen Hund und ist andererseits an der Förderschule sehr eingebunden. Aber auf Hunde als Kollegen möchte er nicht mehr verzichten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert