Eschweiler - Junge Balletttänzerin besteht eine besondere Prüfung

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Junge Balletttänzerin besteht eine besondere Prüfung

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Franziskas Liebe zum Ballett ist in jeder ihrer Bewegungen erkennbar. Schon in jungen Jahren macht sie auf sich aufmerksam. Foto: Julia Meuser

Eschweiler. Eine Balletttänzerin steht auf der Bühne. Obwohl ihr Körper vom Kopf bis hin zu den Zehenspitzen gespannt ist, sehen ihre Bewegungen leicht und elegant aus. Alles sieht so einfach aus – ist es aber ganz sicher nicht. Jahrelange Arbeit ist nötig, um so tanzen zu können.

Doch auf viele Mädchen und Frauen übt dieser Tanz auch in der heutigen Zeit noch eine immense Faszination aus. Kerstin Bartz, seit 2003 Leiterin und Gründerin der Ballettschule (seit vorigem Jahr an der Dürener Straße), trainiert in 17 Klassen rund 100 Schülerinnen jedes Alters im klassischen Tanz.

Sogar 70-Jährige, die im hohen Alter noch ihre Liebe zum Tanz entdecken, besuchen die Schule, worüber sich Kerstin Bartz ganz besonders freut. Eine, die noch ganz am Anfang steht, aber auf Grund ihres Talents und ihrer Disziplin schon zu den Großen gehört, ist Franziska Schüller, 14 Jahre alt und Schülerin der Bischöflichen Liebfrauenschule.

Seit zweieinhalb Jahren tanzt sie Ballett, wobei sie erst relativ spät angefangen hat, erzählt sie. Ihre jüngere Schwester Anna (12) wollte die Tanzschule wegen einer Freundin besuchen und kurzerhand beschloss Franziska: „Ich guck mir das mal an.“

Kerstin Bartz war anfangs gar nicht sicher, ob sie Franziska in diese Klasse aufnehmen könnte, wurde aber schnell eines Besseren belehrt. Zwar hatte Franziska noch nie Ballett getanzt, jedoch zeigte sie ein großes Talent zur Bewegung. Sie sei relativ schnell Feuer und Flamme gewesen und der Spagat mit rechts habe eh schon immer funktioniert, sagt sie und lacht.

Traditionsreiche Ausbildung

Doch damit nicht genug: Anfang dieses Jahres besuchte sie sogar die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Mannheim am Tag der Offenen Tür und absolvierte dort auch gleich die Aufnahmeprüfung. Diese Hochschule ist einer der traditionsreichsten Ausbildungsstätten, geleitet von Professor Birgit Keil, ehemalige und internationale Ballerina des Stuttgarter Balletts.

Ehemalige Absolventen tanzen heute in bedeutenden Kompanien im In- und Ausland. Einige derzeitige Schüler haben auf der Bühne vorgetanzt, erinnert sich Franziska, danach habe eine der Lehrerinnen etwas über die Schule erzählt. Danach seien dann sie dran gewesen, wobei Franziska offenbar begeisterte. Man sehe, dass ihr das Tanzen Spaß mache, sie habe einen guten Ausdruck und großes Potenzial, erinnert sich Franziska an die Worte der Lehrer.

Sie sei eine von nur fünf gewesen, die weiter kamen. 60 Mädchen tanzten an dem Tag vor, einige kamen sogar aus Frankreich und Südkorea. Eine Qualifikation ist jedoch auch die allgemeine Hochschulreife, weshalb die Schülerin der achten Klasse noch Zeit hat. Zeit, um zu überlegen, ob sie diesen Weg wirklich einschlagen will.

Ein Jahr werde sie nun noch weiter in der Eschweiler Ballettschule unterrichtet werden, erklärt Kerstin Bartz, und dann wird weiter geschaut, ob nach der neunten Klasse eventuell ein Schulwechsel ansteht und zu welcher Hochschule es die Nachwuchsballerina ziehen könnte. Doch schon jetzt lebt Franziska für den Tanz. Montags bis freitags hat sie täglich Training, zwischen zweieinhalb und drei Stunden, sowohl Unterricht in der Gruppe, als auch Einzelunterricht.

Meistens kommt sie nach der Schule nur kurz nach Hause, um zu essen und geht dann sofort zur Ballettschule. Für die Schule lernt sie am Wochenende oder manchmal auch zwischen den Trainingseinheiten. „Sie ist sehr gut organisiert – sonst geht das auch nicht“, lobt Kerstin Bartz. Doch wie viel Zeit bleibt der Schülerin des Gymnasiums neben all dem Training noch für ihre Freizeit? Darauf angesprochen, erzählt sie vom Querflötenunterricht, den sie einmal die Woche zusätzlich besucht. Sonntags trifft sie sich dann meist mit Freundinnen zum Spielen. „Wir sind nicht so die Coolen, wir spielen noch“, gesteht sie lachend.

Unterrichtet wird sie im Ballett auf Basis der Borrmann-Methodik und dem Waganowa-Lehrplan, nach dem Bühnentänzerinnen und -tänzer auf der ganzen Welt ausgebildet werden. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Ausbildung von der tänzerischen Früherziehung über das Kinderballett bis hin zum klassischen Ballett, wobei neben den tänzerischen Fähigkeiten auch Wert auf Disziplin, Pünktlichkeit und Ehrgeiz gelegt wird. Derzeit befindet sich Franziska im zweiten Lehrjahr, welches Kerstin Bartz auch gemeinsam mit ihr beenden möchte.

„Das Dach zu Bauen ist nicht das Problem, aber das Fundament muss stehen. Das ist wie in der Schule: Man muss erst die Buchstaben lernen, bevor man Wörter bilden kann“, erklärt die Dozentin. Im vorigen Sommer nahm Franziska sogar am Internationalen Borrmann-Ballettlager in Schiers, Schweiz, teil. Zehn Tage lang wurden die Teilnehmerinnen aus Deutschland und der Schweiz nicht nur im klassischen Tanz, sondern auch im Charaktertanz und der Tanzgestaltung unterrichtet. Am Ende zeigten die Schülerinnen bei einer Aufführung, was sie in dieser Zeit gelernt haben. Sie habe Heimweh gehabt, gesteht Franziska, da ihre Freundinnen in anderen Gruppen waren und dementsprechend zu anderen Zeiten trainierten, fügt jedoch zurückblickend auch hinzu: „Trotzdem bin ich froh, dass ich mitgemacht habe. Ich habe sehr viel Spaß gehabt.“

Geschichten erzählen

Das besondere am Ballett für sie ist auch die Tatsache, dass man Geschichten dabei erzählen kann. Die Aufführung der Ballettschule im Mai des vergangenen Jahres war für Franziska eine Premiere und sie übernahm gleich die Hauptrolle der Clara, als Auszüge aus dem Nussknacker geprobt wurden. Das erste Mal Bühnenluft schnuppern vor rund 200 Menschen, sich aber gleichzeitig auf die Rolle konzentrieren – alles gar nicht so einfach.

„Zuerst war es schon ein bisschen komisch, aber es hat sehr viel Spaß gemacht“, sagt sie heute. Das schönste am Ballett seien aber die Momente im Unterricht, wenn sie denke, das würde sie nie hinbekommen. „Und dann freue ich mich total, wenn ich es schließlich doch schaffe.“ Solche Momente machen stolz, da stimmt auch ihre Lehrerin zu.

Für sie sei das Ballett eine Verbindung aus kontinuierlichem Lernen – auch wenn nicht sofort eine Verbesserung zu sehen ist –, der ständigen Verbesserung der Technik, aber auch dem Gefühl für die klassische Musik und den Körper sowie Disziplin. Eine Nachwuchsballerina, der also alle Türen offen stehen.

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