Eschweiler - Jugendverkehrsschule: Zwei Hausmeister, ein Lehrauftrag

Jugendverkehrsschule: Zwei Hausmeister, ein Lehrauftrag

Von: Andreas Gabbert
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Sie haben auf dem Gelände der
Sie haben auf dem Gelände der Jugendverkehrsschule das Sagen: die beiden Hausmeister Gregor Kerst (links) und Hans-Hubert Kaltenbach. Foto: Andreas Gabbert

Eschweiler. Der Container Klassenzimmer versprüht noch den Charme der 70er-Jahre. Es riecht ein wenig muffig, auf den abgewetzten Stühlen haben Generationen von Schülern, die Straßenverkehrsregeln gelernt.

Die Fahrradhelme liegen auf dem Tisch, die Leibchen hängen auf den Stühlen. Die Schüler werden hier mit den Nummern auf ihren Leibchen angesprochen. Die Nr. 19 hat beides gleich angelassen und hört zu, was die beiden Männer mit den grauen Haaren zu sagen haben.

Gregor Kerst und Hans-Hubert Kaltenbach sind die Hausmeister der Jugendverkehrsschule. Doch an diesem Morgen sind nicht ihre handwerklichen Fähigkeiten gefragt, sondern pädagogisches Geschick. Sie bereiten die Schüler des vierten Schuljahres der Grundschule Bohl auf die Radfahr-Prüfung vor. „Wir sind eigentlich nur die Hausmeister. Aber in Absprache halten wir hier auch den Unterricht ab. Die Verantwortung tragen aber die Lehrer”, sagt Kerst.

Momentan dreht sich alles um das Linksabbiegen. Eine nummerierte Skizze illustriert die einzelnen Punkte des Vorgangs. „Was macht ihr bei der Nummer 7?” Die Hände gehen in die Höhe. „Im hohen Bogen abbiegen”, antwortet einer der Schüler und Kerst korrigiert: „Im großen Bogen heißt das.” Er zeigt auf die Zahlen an der Tafel und die Kinder wiederholen im Chor: „Umsehen, Handzeichen geben, auf den Gegenverkehr achten?”

Dann geht es nach draußen. Kerst hält ein Mikrofon in der Hand und gibt Anweisungen. Kaltenbach stellt derweil die Hütchen auf. Kerst erklärt die Übung, nimmt sich ein Fahrrad und macht es erstmal vor. Dann wird die Klasse in zwei Gruppen aufgeteilt.Die einen haben sichtlich Spaß an der Übung, anderen fällt es offensichtlich schwer, manche Kinder wirken auf den kleinen Fahrrädern noch etwas unsicher und geraten beim Abbiegen in Straucheln. Doch von Runde zu Runde klappt es besser - der Verkehr rollt.

Lob und Kritik gibt es von Kerst und Kaldenbach gleichermaßen. Nur ein Schüler tanzt aus der Reihe und macht was er will. Aber nicht lange, dann zeigt ihm Kaltenbach, wo es lang geht. „Die sind aber streng”, haben Schüler auch schon über die Hausmeister gesagt. Damit haben die Beiden kein Problem, „Gegenseitiger Respekt muss eben sein”, sagt Kaltenbach.

Lehrerin Brigitte Litzka war schon so oft mit einer Klasse auf dem Trainingsgelände der Jugendverkehrsschule, dass sie sich an die genaue Zahl gar nicht mehr erinnern kann. „Wir kommen jedes Jahr mit dem vierten Schuljahr her, um die Schüler auf die Radfahrprüfung vorzubereiten.” Wenn es nach ihr ginge, könnten solchen Veranstaltungen öfter stattfinden. „Aber unsere Zeit und die Kapazitäten reichen nicht.”

Für sie ist die Jugendverkehrsschule „eine echte Errungenschaft”, da die Kinder dort gefahrlos üben können. In der kommenden Woche geht es dann zum ersten Mal mit dem Rad auf die Straße. Mit einem Polizisten und mehreren Eltern, werden sie in einem Wohngebiet üben. Die Prüfung ist am 29. März. Dabei müssen die Kinder ihr Wissen zunächst in der Theorie beweisen und anschließend in der Praxis das Gelernte demonstrieren.

Kerst arbeitet seit Ende 2008 für die Jugendverkehrsschule. Der 58-Jährige suchte damals nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben eine neue Aufgabe. Sein Vorgänger Werner Koglin hatte ihn angesprochen und auf den Geschmack gebracht, so dass sich Kerst bei der Stadtverwaltung bewarb. „Ich musste mich ordentlich bewerben, als ginge es um die Stelle des Beigeordneten”, erinnert er sich. Im darauf folgenden Frühjahr stieß Kaltenbach dazu. „Seitdem betreiben wir hier eine Vetternwirtschaft”, sagt Kerst und lacht dabei. Das ist durchaus wörtlich zu verstehen, schließlich sind die Beiden verwandt.

Zu ihren Aufgaben gehört auch den Fuhrpark in Ordnung zu halten, sowie auf dem Gelände und an den Gebäuden nach dem Rechten zu sehen. Was die beiden Hausmeister ärgert ist der Vandalismus. Das Jugendliche im Sommer schon mal auf dem Gelände grillen sehen sie recht locker. Auch wenn der Platz als Spielplatz genutzt wird, lässt sie das kalt. „Das hier Kinder spielen ist egal, das sollen sie ruhig machen. Aber sowas geht nicht”, sagt Kerst und zeigt auf ein schwarzes Hakenkreuz unter der Decke des Vorbaus zur Werkstatt. Anfang des Jahres wurde auch eine der Verkehrsampeln beschädigt. An der Jugendverkehrsschule ist alles gut gesichert, schwere Riegel vor den Türen und Gitter vor den Fenstern. „Wenn die nicht wären, wüsste ich nicht, wie es sonst hier aussähe”, sagt Kerst.

Spaß macht den Hausmeistern vor allem die Arbeit mit den Kindern. „Es ist toll, wenn man sieht, mit welcher Begeisterung aber auch welchem Ernst sie dabei sind”, schwärmt Kerst. „Lesen und Schreiben ist zwar wichtig, aber es nutzt alles nichts, wenn die Kinder im Straßenverkehr verletzt werden”, stellt Kaltenbach heraus.

Interessierte Kindergärten und Schulen können sich unter Telefon 0170/1848048 bei der Jugendverkehrsschule melden und einen Termin für ein Training ausmachen.
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