Eschweiler - „Jugendverbandsarbeit“: Fördertopf ist voll, kaum einer greift zu

„Jugendverbandsarbeit“: Fördertopf ist voll, kaum einer greift zu

Von: Patrick Nowicki
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Weil das Antragsverfahren so kompliziert ist, wurde erst ein Teil der 35.000 Euro von Vereinen und Verbänden abgerufen. Foto: dpa/Andrea Warnecke

Eschweiler. Stellen Sie sich vor, es steht Geld für Vereine und Verbände zur Verfügung, aber niemand ruft es ab? Bei den „Fördermaßnahmen Jugendverbandsarbeit gemäß Richtlinien“ ist dies aktuell der Fall. 35.000 Euro beträgt die Summe, die in diesem Jahr zur Verfügung steht, aber nur ein Teil wurde bisher abgerufen.

Der Hintergrund: Das Antragsverfahren ist relativ kompliziert. Im Jugendhilfeausschuss war man sich darum einig, die Förderrichtlinien zu überarbeiten. Dass dieser Punkt im Jugendhilfeausschuss debattiert wurde, ist einem Antrag des Awo-Kreisverbands Aachen-Land zu verdanken. Dieser will sozialschwachen und benachteiligten Familien Möglichkeiten eröffnen, an Freizeit- und Ferienangeboten teilzunehmen.

„Sie trauen sich nicht, Freundschaften zu anderen Familien zu schließen“, heißt es in dem Antrag. Das Projekt steht unter dem pädagogischen Ziel, dass sich Familien stärker einbringen, Barrieren überwinden und die Kinder lernen, Freizeit sinnvoll zu gestalten. Angeleitet werden sie von hauptamtlichen Awo-Mitarbeitern, aber auch von Ehrenamtlern.

Diese Kriterien genügen, um die Anforderungen an eine Förderung zu erfüllen. 3960 Euro beträgt die Antragssumme. Dass dies auch gut angelegtes Geld ist, daran ließen sowohl die Verwaltung als auch die Ausschussmitglieder keine Zweifel. Allerdings hatte man bisherige Anträge in diesem Jahr lediglich mit 50 Prozent bezuschusst, worauf unter anderem der Vorsitzende des Stadtjugendrings, Heinz-Peter Wiesen, hinwies. Dass die Arbeiterwohlfahrt nun die volle Summe erhalte, könne er keinem der Jugendverbände in Eschweiler erklären. „Deswegen schlagen zwei Herzen in meiner Brust“, meinte Wiesen.

Allerdings wurden in diesem Jahr erst drei Anträge gestellt, der Fördertopf ist also noch gefüllt. Sozialdezernent und Kämmerer Stefan Kaever machte deutlich, dass die Fördersumme verfallen würde, sollte das Geld nicht abgerufen werden. Der Kompromiss im Ausschuss war dann schnell gefunden. Nachträglich erhalten alle Antragssteller die volle Fördersumme, was jedoch nicht das grundsätzliche Problem löst. „Die Richtlinien sind unter anderen Voraussetzungen verfasst worden“, sagte Kaever. Man werde sie aus diesem Grund überarbeiten. Wann dies der Fall sein wird, steht noch nicht fest. Spätestens im nächsten Jahr soll allerdings ein Vorschlag auf dem Tisch liegen.

Der Stadtjugendring-Vorsitzende Heinz-Peter Wiesen machte zuvor deutlich, dass die Jugendarbeit zunehmend schwerer werde. Als Beispiel nannte er die Pfadfinder, wo er lange aktiv war: „Hatten wir früher 60 Wölflinge, sind es heute vielleicht noch 20.“ Auch Betreuer zu finden, gestalte sich immer schwieriger. „Man muss bedenken, dass dies meistens Eltern sind, die nicht nur für ihre Kinder, sondern auch für sich selbst Beiträge zahlen müssen“, schilderte er im Ausschuss und bezog sich damit auf die vom Ferien- und Freizeitwerk Röhe angebotenen Ferienspiele.

Dazu seien die Kosten für alle Vereine und Verbände gestiegen. Bei Kaever trifft er mit diesen Argumenten auf offene Ohren. „Es kann nicht sein, dass sich jemand ehrenamtlich für Kinder und Jugendliche einsetzt und dann auch noch dafür viel Geld in die Hand nehmen muss“, meint er. Mit dem Stadtjugendring werde man nun über die neuen Grundlagen für eine Förderung sprechen.

Laut aktuellen Richtlinien muss der Jugendhilfeausschuss erst ab einer zuschussfähigen Summe in Höhe von 500 Euro entscheiden. Dies geschieht auf Vorschlag eines Gremiums, das sich aus einem Vertreter der Jugendamtes, der Vorsitzenden des Jugendhilfeausschusses und dem Vorsitzenden des Stadtjugendrings zusammensetzt. Dieses Gremium hat sich laut Verwaltungsvorlage „mehrheitlich“ für den Zuschuss an die Arbeiterwohlfahrt ausgesprochen. Der Ausschuss schloss sich jetzt an.

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