Jugendschöffen: Nichts für zarte Gemüter!

Von: Tobias Röber
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Jugendschöffen haben große Macht und Verantwortung, wenn sie über das Strafmaß von Jugendlichen entscheiden, die dem Spielzeug gerade erst entwachsen sind. Foto: stock/imagebroker/begsteiger
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Hoffen auf ausreichend Jugendschöffen (v.l.): Norbert Hillmann (Richter, Jugendschöffengericht), Monika Ekberg (Jugendschöffin), Gabi Brettnacher (Amtsleiterin Jugendamt Eschweiler), Silvia Frings und Ludger Leister (beide Jugendgerichtshilfe). Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Monika Ekberg ist Kinderkrankenschwester. Das Wohl von Kindern und Jugendlichen liegt er also schon rein beruflich sehr am Herzen. Vor vier Jahren entschloss sie sich zu einem weiteren Schritt. Sie bewarb sich als Jugendschöffin – und wurde ausgewählt. Die nächste Amtsperiode umfasst die Jahre 2014 bis 2018, und Monika Ekberg möchte gerne weitermachen. 27 Männer und 27 Frauen werden als Jugendschöffen gesucht. Die Bewerbungsfrist läuft am 31. März ab.

„Ich habe immer viel mit Jugendlichen zu tun gehabt. Mit diesem Amt habe ich eine direkte Mitverantwortung für unsere Gesellschaft“, sagt Ekberg. Etwa ein Mal pro Monat muss sie als Jugendschöffin ran.

Und dass es eine „sehr verantwortungsvolle Aufgabe“ ist, betont auch Silvia Frings von der Jugendgerichtshilfe. Zwei Schöffen (jeweils immer eine Frau und ein Mann) begleiten einen hauptberuflichen Richter zu den Verhandlungen. Das gilt im Amtsgericht Eschweiler, das für Eschweiler und Stolberg zuständig ist, und auch für das Landgericht Aachen. In diesen beiden Gerichten können die Jugendschöffen eingesetzt werden.

Norbert Hillmann ist Richter am Amtsgericht, genau genommen im Jugendschöffengericht. Er weiß um die besondere Bedeutung dieses Ehrenamts, für das es lediglich eine geringe Entschädigung gibt. „Man hat als Jugendschöffe eine große Macht, da man den Jugendlichen zwischen Sozialstunden bis hin zu fünf, in besonderen Fällen gar bis zu zehn Jahren Freiheit entziehen kann“, sagt Hillmann.

Genau vor dieser großen Macht hätten viele potenzielle Interessenten großen Respekt, sagt Monika Ekberg, nimmt Bedenkenträgern aber gleichzeitig die Angst. Man sei im Gericht gut aufgehoben. Nach der Wahl zum Jugendschöffen gibt es eine Informationsveranstaltung, bei Verfahren werden die Schöffen, also die ehrenamtlichen Richter, vom hauptberuflichen Richter und von der Jugendgerichtshilfe unterstützt. Monika Ekberg hat damals nach ihrer Wahl zur Jugendschöffin auf eigene Faust eine Fortbildung besucht. „Das hat mich schon bestärkt“, sagt sie. Nötig ist eine solche Fortbildung jedoch nicht, um als Jugendschöffe tätig werden zu können.

Wer darf eigentlich Jugendschöffe werden? Gesucht werden Personen zwischen 25 und 69 Jahren, die ihren Wohnsitz in Eschweiler haben. Die Bewerber müssen die deutsche Sprache beherrschen und dürfen nicht vorbestraft sein. Zudem müssen sie gesund sein, also die oft langen und anstrengenden Verhandlungstage aushalten.

„Man darf nicht zart besaitet sein und man muss es auch aushalten können, wenn es mal laut wird“, betont Norbert Hillmann. Denn mitunter werden die Jugendschöffen etwa mit Fällen von Kindesentführungen oder anderweitiger Gewalt gegen Kinder konfrontiert. Monika Ekberg sieht vor allem einige Vorurteile bestätigt. Während ihrer nun rund vierjährigen Amtszeit war sie ausschließlich an Verfahren mit männlichen Angeklagten beteiligt. Mit zerrütteten Familienverhältnissen war sie ebenso bereits konfrontiert wie mit mangelnder Bildung und mit Armut.

Zehn bis zwölf Termine

Dann und wann kommt es auch vor, dass sie einen jugendlichen Angeklagten kannte. Im Zuschauerraum saßen ebenfalls schon „Bekannte“. „Das ist schon komisch“, sagt Monika Ekberg. Etwa 15 Minuten vor Beginn der jeweiligen Verhandlung sind Monika Ekberg und ihre Kollegen stets vor Ort und werden mit dem Fall vertraut gemacht. Das ist auch der Zeitpunkt, um eine eventuelle Befangenheit festzustellen. Für solche Fälle stehen dann Hilfsschöffen bereit.

Im Juni wird der Jugendhilfeausschuss über die Bewerber entscheiden. Die Verantwortlichen sind guter Dinge, ausreichend Freiwillige zu finden. Sollte das nicht der Fall sein, werden gezielt Kandidaten angesprochen.

Wer sich für das Amt entscheidet, muss die rund zehn bis zwölf Termine pro Jahr auch einhalten. Die Termine für ein Jahr gibt es immer am Ende des vorigen Jahres. Der Arbeitgeber muss die Schöffen freistellen. Stress mit dem Arbeitgeber etwa gelte auch nicht als Grund, nicht vor Gericht zu sein, erklärt Norbert Hillmann. Man muss zudem seinen Urlaub beim Richter beantragen und pünktlich vor Gericht erscheinen. Andernfalls kann man sogar persönlich belangt werden.

Weitere Informationen rund um das Amt des Jugendschöffen gibt es bei der Jugendgerichtshilfe der Stadt: Silvia Frings, Telefon 71485; Ludger Leister, Telefon 71283. Formulare zur Bewerbung gibt es auf der Internetseite der Stadt unter www.eschweiler.de.

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