Jugendliche: Immer weniger rückfällige Straftäter

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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v. l.: Justizminister Thomas Kutschaty, Silvia Frings, Stefan Kämmerling und Beigeordneter Stefan Kaever. Foto: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. „Sehr beeindruckt“ zeigte sich der Justizminister des Landes, „wie ernst in Eschweiler die Jugendgerichtshilfe genommen wird“. Minister Thomas Kutschaty (SPD) war am Donnerstag zu Besuch in Eschweiler. In einem Arbeitsgespräch im Rathaus informierte er sich über über Methoden, Ziele und Probleme der Jugendgerichtshilfe in der Stadt.

Eingeladen hatte ihn der Eschweiler Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling (SPD). Wenn Jugendliche gegen Gesetze verstoßen und vor Gericht gestellt werden, werden nicht nur Staatsanwälte und Richter tätig, sondern auch das Jugendamt. Die Jugendgerichtshilfe hat in erster Linie den Täter im Blick: Wie können diese jungen Leute dazu gebracht werden, künftig keine Straftaten zu begehen?

Wie steht es überhaupt um die Kriminalität von Jugendlichen (14 bis 17 Jahre alt) und Heranwachsenden – also Leute, die bei der Tat 18 bis 20 Jahre alt waren? Diese Kriminalität gehe seit Jahren zurück, freut sich der Justizminister. Im Jahr 2010 habe es im ganzen Land NRW 14.107 Straftaten von dieser Tätergruppe gegeben. Im Jahr 2015 waren es nur noch 7525. Das sei ein Rückgang von mehr als 46 Prozent.

Von 193 runter auf 123 Verfahren

Für Eschweiler gilt das Gleiche: Weniger Straftaten von Jugendlichen. Die Zahlen hat Silvia Frings parat. Sie ist im Eschweiler Rathaus für die Jugendgerichtshilfe zuständig: 2010 gab es am Amtsgericht Eschweiler für die Städte Stolberg und Eschweiler zusammen 193 Verfahren in Jugendschöffensachen – also bei Straftaten, bei denen Freiheitsstrafe droht.

Im Jahr 2015 waren es nur noch 123 Verfahren. Besonders erfreulich sei, dass es keine Verhandlungen zu Kapitalstraftaten - Mord, Totschlag oder Sexualdelikte - in Eschweiler gab. Die häufigsten Vergehen waren Sachbeschädigung und Beförderungserschleichung – also das Schwarzfahren.

Den Grund für die positive Entwicklung sieht Minister Kutschaty ebenso wie die Fachleute vor Ort nicht nur in der gut funktionierenden Jugendgerichtshilfe. Eine große Rolle spielt die bessere Integration. Kutschaty nennt hier als Beispiel das Landesprogramm „Kein Abschluss ohne Anschluss“. Wer mit 16 oder 17 Jahren eine Lehrstelle bekommt, kommt seltener auf dumme Gedanken. Auch Ganztagsbetreuung an Schulen und die Integration in Vereinen seien hilfreich.

Bei dem Arbeitsgespräch zeigte sich der Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling beeindruckt von dem engen Zusammenspiel von Justiz und Stadtverwaltung. Dieses sei geprägt von gegenseitiger Wertschätzung.

Gefängnisbesuche schrecken ab

Die Jugendgerichtshilfe hat einen ganzen Köcher von Möglichkeiten, die darauf hinzielen, jugendliche Straftäter zu resozialisieren und künftigen Straftaten vorzubeugen. „Nicht die Strafe steht im Vordergrund“, sagt Silvia Frings. Deshalb gibt es Hilfestellung bei Erziehungsdefiziten – auch die Eltern werden einbezogen. Wenn das Gericht Sozialstunden verhängt, schaut die Jugendgerichtshilfe nach passenden Einsatzstellen.

Sehr hilfreich ist auch ein Besuch im Gefängnis. Das nennt sich „Sozialer Trainingskurs – Ausfahrt Knast“. Zwei Wochen lang dauert ein solcher Kurs, zu dem auch Gespräche mit Inhaftierten gehören. Gedacht ist er für Jugendliche und Heranwachsende, die bereits mehrfach aufgefallen sind und kurz vor ihrem ersten Arrest stehen.

Erwähnt wurde auch die Situation der 82 minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge, die in Eschweiler aufgenommen wurden und die nun zu integrieren sind. Es sei beeindruckend, wie reibungslos das in Eschweiler laufe. Auf die Kriminalitätsstatistik haben diese Jugendlichen keinerlei Auswirkungen.

Allerdings gebe es auch Verbesserungswünsche von Seiten der Stadt. Zum einen wird der häufige Wechsel des Personals im Amtsgericht beklagt. Das Jugendamt müsse sich immer wieder auf neue Leute einstellen. Auch die Belastung sowohl des Amtsgerichts als auch der Jugendgerichte durch die große Zahl der Strafverfahren gegen Schwarzfahrer sei ein Problem, da diese Verfahren sehr aufwendig sind.

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