„Jugend rockt“: Schnörkellose Musik mit reichlich Dezibel

Von: Paul Santosi
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Frontfrau Jenny Dai und ihre Band „Ass loud ass possible“ heizen dem Publikum mächtig ein. Foto: Santosi
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Sie komponieren bereits selbst, spielen aber auch Cover-Songs: Die „Street Kids“ zeigen ein Programm aus Pop-Rock.

Eschweiler. „Jugend rockt“ hieß es am Samstagnachmittag erneut im Rahmen des Eschweiler Music Festivals (EMF). Und wie sie rockt, diese Jugend. Das bewiesen drei Nachwuchsbands aus Stadt und Region. Die Eisbrecher-Position zu Beginn auf dem Marktplatz hatte „Ass loud ass possible“.

Die Band war bereits im vergangenen Jahr zu Gast beim EMF. Das Quintett um Frontfrau und Sängerin Jenny Dai tut sich zwar schwer mit der Einordnung irgendwo zwischen Hardrock und Metal, interpretiert ihre Auffassung von Rock aber im Prinzip genauso, wie sie sein soll, nämlich schnörkellos, direkt und mit reichlich Dezibel.

Das Marktplatz-Ambiente ließ jedoch am Samstagmittag nur eine bestimmte Lautstärke zum Schutz der Anwohner zu.

Wer die energiegeladene Musik von „Ass loud ass possible“ hört, mag ahnen, wofür gitarrengetriebener Rock vor dem Zeitalter von Metal-Kategorisierungswahn und Sound-Kompression gestanden hat, nämlich vor allem für das Aufbegehren des Nachwuchses gegen die durchschnittlich etwas miefige Lebenskultur der Elterngeneration.

Das brachten Jan, Dennis, Christian, Jenny und Carsten in 30 Minuten im klassischen Set mit Gesang, zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug recht authentisch und mit viel Spielfreude ansehnlich auf die Bühne.

Das Publikum in Wallung gebracht

„Taläntfrei“ ist der Name einer Band aus Stolberg, die bereits am Freitagabend im Rahmen der Kneipenrallye im Schneckes das Publikum in Wallung brachte.

Anders als ihre Bühnenvorgänger setzen die Herren von Taläntfrei seit nunmehr zehn Jahren Bandgeschichte auf die Wirkung ihrer Muttersprache. Nach eigenen Angaben leicht mitgenommen von den Anstrengungen des Vorabends, zeigten sie aber erneut ihr Bestes bei „Jugend rockt“. Das Ganze knackig, knallig und kompakt, wie man das aus dem Genre Deutschrock von den großen Vorbildern nun mal kennt. Songs wie „Du bist das, wofür man lebt“, „Rock‘n‘Roll“ oder „Nimm Dein Leben in die Hand“ sind ernst gemeinte und verständliche Aufforderungen zur guten Laune.

Mitten in der Show nahm Sänger und Keyboarder Manu sein Strap-on-Keyboard zur Hand und erinnerte kurz an den unsäglichen Thomas Anders von „Modern Talking“, der damit in den Achtzigern seine mangelnde Musikalität zu kaschieren trachtete. Der Vergleich war aber alles andere als ernst gemeint. Gottseidank haben Taläntfrei trotz des irreführenden Bandnamens mehr musikalische Kraft im kleinen Finger als sich Bohlen und Anders vermutlich je erträumt haben dürften.

Eigene Kompositionen

Hohe Sympathiewerte haben sich schließlich die „Street Kids“ bei ihrem Kurzprogramm eingehandelt. Zwischen 14 und 19 Jahre sind die sechs Jungen und eine junge Frau erst alt. Dennoch covern sie nicht nur bekannte Stars, sondern komponieren und arrangieren bereits selbst, haben eine CD aufgenommen und brachten es ganz weit nach vorne bei einem Bandwettbewerb des WDR.

Sie waren ein echter Hingucker mit ihrem lockeren Pop-Rock, der schon alles vorwegnimmt, was die etablierten Stars so zeigen. Darunter Teamgeist und ein gutes Gespür für Bühnenbewegung und Publikumsaufmerksamkeit.

Schon zu Beginn, bei Robbie Williams Megahit „Let me entertain You“, zeigte die Band, wie erstaunlich geschlossen und rhythmisch präzise selbst junge Musiker sein können, die ihre großen Erfahrungswerte ja noch sammeln. Gut, dass das EMF mit „Jugend rockt“ ihnen dafür eine weitere Chance eröffnete.

Street-Kids-Songs wie „Party Time“ oder „Say Goodbye“ haben radiotaugliches Hit-Potential. Mal schauen, was aus Hendrik, Erik, Paul, Florian, Gino, Lukas und Luisa noch alles wird.

Als Erkenntnissumme von „Jugend rockt“ am Samstagnachmittag könnte vielleicht unterm Strich stehen: Das Einzige, was an der Jugend nicht in Ordnung ist, ist, dass man nicht mehr dazu gehört.

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