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Jürgen Kozel: Ein bewegtes Leben am und im Schwimmbecken

Von: Hubert Meisen
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Dr. Jürgen Kozel hält sich heute immer noch mit Schwimmen fit. Fast täglich zieht er seine Bahnen. Foto: Hubert Meisen
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Der Sport, vor allem auf und im Wasser, bestimmte das Leben des Dr. Jürgen Kozel: Ob als Spielertrainer (links oben) beim Wasserball, ... Foto: privat
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... „nur“ als aktiver Wasserballspieler (er war in vielen Becken dieser Welt aktiv), ...
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... als erfolgreicher Teilnehmer bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften im Schwimmen, ...
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... als fleißiger Volksschüler im Jahr 1949, ...
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... als Bundestrainer bei der Wasserball-WM in Cali, ...
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... oder als Ruderer bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften.
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Auch im Karneval – wie könnte es in Eschweiler auch anders sein – war und ist Dr. Jürgen Kozel aktiv

Eschweiler. Im vergangenen Jahr wurde in unserer Zeitung ein Interview mit Dr. Jürgen Kozel veröffentlicht. Dabei stand eine „Zeitreise“ im Mittelpunkt, die den Sportfunktionär und Wasserball-Trainer vor allem bei seinen vielen Reisen in fremde Kontinente und bei den Olympischen Spielen 1984 zeigte. In dem heutigen Beitrag geht es um seine eigenen sportlichen Erfolge und seinen Bezug zu Eschweiler.

Geboren wurde er am 28. November 1942 in Eschweiler. Nach der Rückkehr seines Vaters aus der Kriegsgefangenschaft zog die Familie nach Göppingen, wo sie acht Jahre blieb. Der Vater arbeitete dort in der eigenen Zahnarztpraxis. Jürgen Kozel besuchte in Göppingen die Volksschule. Nach der Heimkehr nach Eschweiler, wo Vater Kozel eine Zahnarztpraxis an der Moltkestraße hatte, besuchte der inzwischen Zwölfjährige das Städtische Gymnasium seiner alten und neuen Heimatstadt.

Er brauchte relativ lange bis zum Abitur im Jahr 1964, weil er nach eigenen Angaben seine inzwischen längst auf Hochtouren gekommenen sportlichen Ambitionen allzu sehr in den Vordergrund stellte. Es zeigte sich nämlich schon früh, dass er ein talentierter Brustschwimmer war. Da er zudem sehr ehrgeizig und demzufolge viel Trainingsfleiß entwickelte, stellten sich bald erste Erfolge ein. Schon mit 15 Jahren wurde er Westdeutscher Jugendmeister und zwei Jahre später Deutscher Vizejugendmeister, jeweils über 100 Meter Brust.

Mit dem Rad nach Übach

Umso bemerkenswerter waren seine Erfolge wenn man bedenkt, dass die Trainingsbedingungen alles andere als optimal waren. Zur damaligen Zeit gab es in Eschweiler nur eine Schwimmhalle, die diese Bezeichnung eigentlich nicht verdiente. Vielleicht trug sie deswegen auch den Namen „Städtische Badeanstalt“. Dieses Bad in der Kaiserstraße hatte ein Becken mit den Maßen 18 mal 8 Meter. Zum Schwimmenlernen reichte das zwar aus, aber Leistungsschwimmer konnten damit kaum etwas anfangen.

Aber der junge Jürgen Kozel ließ sich dadurch nicht entmutigen. Die Stadtverwaltung erlaubte ihm, jederzeit während der Öffnungszeiten dort zu trainieren. Oft nutzte er aber auch die Möglichkeit, sein Training in Übach-Palenberg unter deutlich besseren Bedingungen durchzuführen. Das hatte aber noch einen anderen Grund. Dort arbeitete damals Heinz-Günther Lehmann als Badverwalter. Der ist besser bekannt unter seinem Spitznamen „Hase“ Lehmann.

Er war einer der besten Schwimmer Deutschlands aller Zeiten. Er erreichte 35 Einzeltitel als Deutscher Meister. 1950 wurde er sogar Europameister über 1500 Meter Freistil. Einen besseren Trainer und Ratgeber hätte man sich für Jürgen Kozel nicht denken können. Da nahm er gern die häufige Fahrradtour nach Übach-Palenberg in Kauf. Sein Verein war der Eschweiler Schwimm-Club, der aus der Schwimmabteilung des Eschweiler TV hervorgegangen war.

Das Jahr 1964 war aus mehreren Gründen eines der wichtigsten seines Lebens. Privat waren die Höhepunkte des Jahres sein Abiturabschluss und der Beginn des Studiums in Mathematik und Sportwissenschaft sowie die Heirat mit seiner Braut Irmgard Franzen. Sportlich stellte er mit 1:12,10 Minuten seine persönliche Bestzeit über 100 Meter Brust auf, womit er den 3. Platz in der deutschen Jahresbestenliste belegte.

Auch die Teilnahme an den Ost-West-Olympiaausscheidungen mit den Athleten der DDR in Oberbruch, bei denen die Schwimmer der Bundesrepublik hoffnungslos unterlegen waren, gehörten zu den ereignisreichen Erlebnissen im Jahr 1964.

Die 1960er Jahre waren in sportlicher Hinsicht auch die Jahre des Umbruchs für Jürgen Kozel. Das „Kacheln zählen“ (so nennen die Schwimmer das oft stupide Training im Hallenbad) hatte nicht mehr oberste Priorität, und so konzentrierte er sich verstärkt auf die Mannschaftssportart Wasserball.

Im Grunde war er in dieser Sportart noch erfolgreicher als im Schwimmen. Mit Einführung der Wasserball-Bundesliga 1969//70 war er zehn Jahre lang als Spielertrainer aktiv bei so bekannten Vereinen wie Nikar Heidelberg, Eintracht Braunschweig, SC Rote Erde Hamm und SV Iserlohn 95. Sein letztes Spiel als aktiver Wasserballer bestritt er im Jahr 1981.

Aufgrund seiner Statur und seiner athletischen Gesamtkörperstruktur wurde er während seines Studiums angesprochen, ob er sich auch Wettkämpfe als Ruderer vorstellen könne. So kam es, dass er für die RWTH Aachen bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften im Rudern an den Start ging. 1968 wurde er in der Bootsklasse Vierer mit Steuermann Deutscher Hochschulmeister.

Noch während seiner Bundesliga-Zeit wurde er 1974 auf Honorarbasis zum Bundestrainer der Wasserball-Nationalmannschaft der Männer ernannt. Sein größter Erfolg mit der Nationalmannschaft war der 6. Platz bei der Weltmeisterschaft 1975 in Cali (Kolumbien) nach dem 13. Platz im Jahre 1973. Als der Deutsche Schwimm-Verband danach die Stelle des Bundestrainers wieder hauptamtlich besetzen wollte, endete diese Tätigkeit. Kozel wollte aus verständlichen Gründen seinen Hauptberuf nicht aufgeben.

Nach dem Ende seines Studiums im Jahr 1969 arbeitete Jürgen Kozel bis zum Februar 1976 als Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Sportwissenschaft der Universität Heidelberg beziehungsweise an der Technischen Universität Braunschweig. Im Januar 1975 promovierte er zum Dr. der Naturwissenschaften an der TU Braunschweig. Das Thema seiner Doktorarbeit war natürlich auch ein sportliches: „Zum Problem des Widerstandes im Schwimmsport.“ Dabei handelte es sich um Untersuchungen über die Herabsetzung des Reibungswiderstandes und die Bedeutung des Wellenwiderstandes.

Bei der Bundeswehr

Von März 1976 bis Juni 1987 war er als Wissenschaftlicher Direktor an der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf tätig. Während dieser Zeit hatte er auch Lehraufträge an den Universitäten Münster und Bochum im Fach Trainingswissenschaft. Ab Juli 1987 wechselte er zum Bundesverteidigungsministerium, wo er als Sportreferent für den Sport in der Bundeswehr verantwortlich war.

In diese Zeit fiel die deutsche Wiedervereinigung, die mit der Schwierigkeit verbunden war, die sehr verschiedenen Strukturen, vor allem in personeller Hinsicht, zwischen der bundesdeutschen Bundeswehr und der NVA der DDR in Einklang zu bringen. Das war gewiss eine der größten beruflichen Herausforderungen, mit denen Dr. Kozel damals konfrontiert wurde.

Im August 1993 erfolgte dann seine letzte berufliche Veränderung. Bis August 2000 war er als Direktor der Trainerakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) tätig. Als Nachfolger der Hockey-„Legende“ Hugo Budinger war Dr. Jürgen Kozel der zweite von bisher vier Direktoren der Trainerakademie.

Ab September 2000 begann sein Leben als Pensionär. Es bot ihm endlich die Möglichkeit, die vorher schon zahlreichen Ehrenämter im Sport unter weniger Zeitdruck auszuüben. Insbesondere seine Ämter als Mitglied im nordrhein-westfälischen Landesausschuss Leistungssport (2001 bis 2008), als Vizepräsident (Leistungssport) des Schwimm-Verbandes NRW (2001 bis 2009) und als Vorsitzender der Leistungssportkommission des Deutschen Schwimm-Verbandes (2005 bis 2006) sind zumindest in Fachkreisen des Sports in bester Erinnerung.

Sein letztes Ehrenamt als Koordinator Wasserball im Schwimm-Verband NRW gab er im Jahr 2012 im Alter von 70 Jahren auf. Heute wohnt er nach erfülltem Leben im Zeichen des Sports zufrieden mit seiner Frau in seinem schmucken Eigenheim in Eschweiler-Dürwiß. Nahezu täglich hält er sich durch Schwimmen im Hallenbad Jahnstraße fit. Seit langer Zeit ist er leidenschaftlicher Skifahrer.

Außerdem ist er mit Begeisterung Chorsänger in der Städtischen Musikgesellschaft und liebt den Eschweiler Karneval. Bei der KG Scharwache war er sogar einmal als Elferratspräsident tätig. Trotz seiner vielen Auslandsreisen im Sport und seinen vielfältigen beruflichen Tätigkeiten in verschiedenen Teilen Deutschlands ist Dr. Jürgen Kozel ein echter „Eischwiele Jong“ geblieben.

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