Juden in Eschweiler:: Im Internet bleibt Geschichte lebendig

Von: ran
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Bereits 2008 und erneut im Dez
Bereits 2008 und erneut im Dezember 2011 wurden in Eschweiler Stolpersteine verlegt, die an Opfer der Nazi-Diktatur erinnern. Die Internetseite www.eschweiler-juden.de dokumentiert die Schicksale der Opfer. Foto: Harry Reimer

Eschweiler. Sie sollen erinnern, mahnen, zum Nachdenken anregen und das Vergessen verhindern: In zahlreichen deutschen Städten weisen inzwischen „Stolpersteine” auf Opfer des Nationalsozialismus hin.

Auch in Eschweiler wurden bisher 28 dieser kleinen Mahnmale, die das größte, von Künstler Gunter Demnig initiierte, dezentrale Kunstwerk der Welt darstellen, im Straßenpflaster vor den letzten frei gewählten Wohnungen von vom Naziterror Verfolgten und Ermordeten verlegt. Darüber hinaus erforschen im gesamten Bundesgebiet zahlreiche Personen in Arbeitskreisen, Vereinen oder Schulklassen die Lebensgeschichten dieser Menschen.

In der Indestadt tut dies die im Jahr 2008 ins Leben gerufene städtische Arbeitsgemeinschaft „Stolpersteine gegen das Vergessen”. Innerhalb der „Recherchegruppe” begaben sich vor allem Pfarrer Wolfgang Theiler und Helmuth Kaleß auf Spurensuche. Nachdem letztgenannter im Frühjahr 2009 verstarb, übernahm Friedhelm Ebbecke-Bückendorf dessen Aufgaben. „Dies war für mich auch eine Möglichkeit, Danke zu sagen für alles, was Helmuth Kaleß nicht nur in diesem Gremium bewegt und geleistet hat”, begründet der Journalist, für den vor allem vordringlich war, die Eschweiler Stolpersteine im Internet zu verankern, sein Engagement.

„Juden in aller Welt forschen im Internet oft unter dem Suchwort ´Stolpersteine´ nach ihren Vorfahren. Im Bezug auf aus Eschweiler stammende Juden soll diese Suche nicht ins Leere laufen”, so Friedhelm Ebbecke-Bückendorf.

Die Ergebnisse seiner Nachforschungen sind nun auf der Internetseite www.eschweiler-juden.de einzusehen. „Diese ist mit dem wichtigen Hinweis versehen, dass Stolpersteine nicht nur an jüdische Opfer der Nazis erinnern, sondern auch an die Schicksale von Sinti und Roma, Kommunisten, Sozialdemokraten, Christen, Homosexuellen und Widerstandskämpfern. In Eschweiler wurden bisher allerdings nur Gedenksteine für jüdische Opfer verlegt”, schränkt der ehemalige Redakteur ein.

Auf der Website, für deren Design Peter Toporowski verantwortlich zeichnet, werden nicht nur die 28 Personen vorgestellt, für die bereits Stolpersteine verlegt wurden, auch die Biographien fünf weiterer Menschen, deren Stolpersteine noch verlegt werden, sind dort einzusehen.

„Es handelt sich um ein datenbankorientiertes System, das ausgebaut werden kann”, betont der Verwaltungsmitarbeiter, der auch in Zukunft als Technischer Administrator fungieren wird. „Die Daten, die auf den Steinen eingraviert sind, reichen nicht aus, um die Menschen und deren Schicksale, die sich dahinter verbergen, zu verstehen”, erklärt Friedhelm Ebbecke-Bückendorf seine Motivation. Wolfgang Theiler ergänzt: „Friedhelm Ebbecke-Bückendorf hat nicht nur die Namen, sondern die Persönlichkeit der Menschen vor Augen. Denn diesen müssen wir gerecht werden.”

Teilbereiche der Internetseite sollen in den kommenden Monaten noch deutlich wachsen: Wer die Rubrik „Personen” anklickt, findet eine Datenbank, in der die Lebensdaten aller Juden aufgeführt werden sollen, die etwa seit dem Jahr 1800 in Eschweiler und den heute zur Indestadt gehörenden Orten gelebt haben. „Es werden voraussichtlich 600 Datensätze, von denen bis zum Start der Seite bereits 30 eingearbeitet wurden”, so Friedhelm Ebbecke-Bückendorf.

Darüber hinaus soll das Kapitel „Geschichten”, in dem der Autor in Aufsätzen die Schicksale einiger Menschen und Familien aus Eschweiler beschreibt, ebenfalls noch wesentlich ausgebaut werden.

„Ohne die Unterstützung zahlreicher Helfer wäre das bisherige Ergebnis der Forschungen nicht zustande gekommen. Ich bin unter anderem Wolfgang Theiler, dem Arbeitskreis Familienforschung des Eschweiler Geschichtsvereins unter Leitung von Claudia Niederhäuser sowie der Stadt Eschweiler, die mir die Auswertung alter Urkunden und Akten ermöglicht, zu Dank verpflichtet”, unterstreicht Friedhelm Ebbecke-Bückendorf.

Weitere Informationen sind bei Wolfgang Theiler unter Telefon 65265 oder Friedhelm Ebbecke-Bückendorf unter Telefon 504568 zu erhalten.
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