Eschweiler-Weisweiler - Jubiläum für Bianca Schmitz in der Kita „Auf dem Driesch“

Jubiläum für Bianca Schmitz in der Kita „Auf dem Driesch“

Von: Patrick Nowicki
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Dort fühlt sie sich wohl: Die Kinder und die BKJ-Kita in Weisweiler sind Bianca Schmitz ans Herz gewachsen. Zum Jahreswechsel nimmt sie Abschied – nach 25 Jahren. Foto: Nowicki

Eschweiler-Weisweiler. Können Kinder im Alter von vier Jahren Shakespeare auf die Bühne bringen? Ja, das können sie. Die Aufführung des „Mitternachtstraums“ war nicht nur der Höhepunkt des Jubiläums der BKJ-Einrichtung „Auf dem Driesch“, sondern auch für Bianca Schmitz.

Die Leiterin der Kita wechselt nach 25 Jahren ihre Stelle. Das Kuriose: Der neue Kindergarten, den sie leitet, ist noch gar nicht gebaut.

Sie haben vor 25 Jahren die Kita „Auf dem Driesch“ in Weisweiler als Erzieherin mit eröffnet. Was hat sich in den Jahren geändert?

Schmitz: Zunächst ist im Herbst 2014 eine Gruppe hinzugekommen, schließlich haben wir als zweigruppige Tageseinrichtung 1991 angefangen. Wir haben damals auch schon Mittagessen angeboten für die Kinder. Allerdings waren noch keine Zweijährigen dabei wie heute. Das ist natürlich eine große Umstellung, sowohl räumlich und personell, als auch im Arbeitsalltag und in der Pädagogik.

Änderung der Pädagogik – was bedeutet das konkret?

Schmitz: Kinder unter drei Jahren spielen und lernen ganz anders als ältere Kinder. Wichtig ist auch, dass Zweijährige ein anderes Bindungsverhalten haben. So ist die Arbeit mit den Eltern intensiver geworden. Es muss eine Vertrauensbasis zwischen Erziehern und Eltern geschaffen werden, worüber man sich früher weniger Gedanken gemacht hat.

Die Eingewöhnungsphase heute ist darum auch heute von besonderer Bedeutung . Wir haben mit der Öffnung für Zweijährige schnell unsere pädagogische Ausrichtung angepasst, um Eltern und Kindern den Übergang zu erleichtern. Dies geschieht einmal in der Eingewöhnung, die für Kinder und Eltern nach der Aufnahme verbindlich ist. So lernen sich Kinder und Einrichtung, aber vor allem auch Erzieher und Eltern kennen.

Wenn die Kleinen dann in die Gruppe kommen, dann sind die ältesten fast sechs Jahre alt. Wie klappt das?

Schmitz: Die Großen freuen sich darauf, wenn die Kleinen kommen. Sie übernehmen Patenschaften für die Neuankömmlinge und suchen sich ihre Schützlinge selbst aus. So entstehen manchmal sogar Freundschaften, die bis in die Schulzeit hinein halten. Um den Bedürfnissen der unterschiedlichen Altersgruppen gerecht zu werden, haben wir gruppenübergreifende Angebote geschaffen.

Die Neuankömmlinge bekommen besondere Fürsorge der Erzieher beim Bindungsaufbau, die älteren Kinder werden auf die Schule vorbereitet, damit die mittleren Kinder nicht auf der Strecke bleiben, haben wir die teiloffene Arbeit eingeführt, die sich positiv ausgewirkt hat, indem wir gruppenübergreifend mit Jahrgängen arbeiten.

Fühlt man sich als Erzieherin ausreichend ausgebildet und vorbereitet, um mit Zweijährigen zu arbeiten?

Schmitz: Ich empfinde die Ausbildung früher besser als heute. Sie war vielschichtiger und auf größere Entwicklungsspannen angelegt. Inzwischen zielt die Ausbildung verstärkt auf Beobachten und individuelle Förderung, was auch erforderlich ist. Mir fehlt aber der Erwerb des erforderlichen Handwerks, um Dinge auch praktisch umzusetzen. Dagegen gibt die Fachberatung heute wertvolle Unterstützung. Diese gab es früher noch nicht.

Hat sich die Arbeit in der Kita mit dem Zuzug von Flüchtlingen verändert?

Schmitz: Wir haben schon immer Kinder aus anderen Ländern und Kulturen in unseren Gruppen. Die Integration war immer Bestandteil der Arbeit in den Kitas. Was sich nun geändert hat, ist der Umgang mit traumatisierten Kindern und Familien. Dies ist eine große Herausforderung. Wir werden fortgebildet, es stehen Dolmetscher zur Verfügung. Es besteht ein Netzwerk, sich gegenseitig zu helfen. Für uns Erzieher besteht die größte Aufgabe darin, mit den Geschichten umgehen zu können, die die Betroffenen erzählen. Und den Kindern und Eltern das Gefühl zu geben, von Herzen angenommen zu werden.

Bieten Sie also Supervisionen an?

Schmitz: Bei unserem Träger, den Betreuungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche der Stadt Eschweiler (BKJ), gehören Fortbildungen und Supervisionen zum Arbeitsalltag dazu. Diese Angebote werden auch genutzt.

Wie äußern sich die Traumata der Kinder?

Schmitz: Die Kinder und Eltern haben tief verwurzelte Ängste und Nöte, weil sie Dinge erlebt haben, die man sich nicht in den schlimmsten Alpträumen vorstellen kann. Dies führt manchmal dazu, dass die Kinder schwer Bindungen eingehen können und dass die Eltern und Kinder schwer loslassen können. Durch das Wissen sind Reaktionen und Verhalten ohne scheinbaren Anlass auch zu verstehen.

Nach 25 Jahren steht bei Ihnen ein Wechsel an: Sie übernehmen die Leitung der noch zu bauenden Kindertagesstätte am Grünen Weg. Was hat zur Entscheidung geführt?

Schmitz: Dies war eine ganz bewusste Entscheidung. Ich empfinde es als wunderbare Herausforderung und Aufgabe, Familien zu begleiten, die es nicht leicht haben. Dies gilt nicht nur für Flüchtlingsfamilien. Ich habe in Einrichtungen in Eschweiler-Ost und in der Jahnstraße gearbeitet. Das ist für mich wie ein Nachhausekommen.

Die Gruppen bestehen schon, das Gebäude besteht aber noch nicht. Wie habe ich mir das vorzustellen?

Schmitz: Seit Sommer leite ich die drei bereits bestehenden Gruppen, die mit jeweils 20 Kindern vollbesetzt sind und natürlich auch schon von Personal betreut werden. Derzeit reise ich viel umher, weil die Gruppen in Bewegungsräumen dreier Einrichtungen untergebracht sind, was dort bedeutet, dass die Kinder für Turnangebote auf andere Räume ausweichen müssen. Deswegen bin ich dankbar, dass wir so liebevoll aufgenommen wurden.

Von welchen Kitas sprechen wir?

Schmitz: Von den Einrichtungen in der Johanna-Neuman-Straße, der Jahnstraße und am Hastenrather Weg. Noch habe ich auch die Leitung in Weisweiler und übergebe sie aber zum Jahreswechsel an meine Nachfolgerin Claudia Müller. Also beschäftige ich mich im Moment auch viel mit Kofferpacken. Im neuen Jahr beziehe ich dann zunächst ein Büro im Rathaus, bis die Kita am Grünen Weg fertig ist. Es wird spannend.

Das Jubiläum zum 25-jährigen Bestehen der Kita in Weisweiler haben Sie noch als Leitung vorbereitet und organisiert. Welche Begebenheiten werden Ihnen besonders in Erinnerung bleiben?

Schmitz: Wir haben ja das Shakespeare-Jahr, auf das wir uns bezogen haben.

Ungewöhnlich für einen Kindergarten…

Schmitz: Ja, ungewöhnlich, aber es ist auch wichtig zu betonen, dass kleine Kinder durchaus in der Lage sind mit Kultur, Bildung und Literatur umzugehen. Es wird so früh die Freude an diesen Dingen geweckt. Auch wenn man meint, dass Shakespeare vielleicht schwere Kost ist. Aber den „Sommernachtstraum“ gibt es schon in zahlreichen Bilderbüchern für jede Altersstufe. Die Geschichte spricht Kinder an – mit Kobolden, Elfen und Verzauberungen. Auch die Gefühle, die Kinder haben, findet man dort wieder.

So entstand die Idee, ein Theaterstück daraus zu entwickeln?

Schmitz: Wir haben auch bei den vergangenen Jubiläen Bühnenstücke gezeigt. Es ging nicht darum, dass Kinder stur Texte oder Tänze auswendig lernen, sondern kreative Ideen entwickeln. Auch die Eltern sind dann eingebunden. Zum 20-jährigen Bestehen haben wir den „König der Löwen“ in der Festhalle aufgeführt, bei dem auch ehemalige Kita-Kinder mitwirkten. Dies konnten wir nicht toppen, also wollten wir etwas anderes machen. So entstand die Idee, den „Sommernachtstraum“ aufzuführen, auch wenn es etwas gedauert hat, das gesamte Team zu überzeugen, sich selbst mit Shakespeare zu beschäftigen und das Wagnis einzugehen. Bis zur Aufführung hat es dann eineinhalb Jahre gedauert.

Der Erfolg hat Ihnen recht gegeben.

Schmitz: Ja, 100 Kinder haben letztlich teilgenommen, auch Grundschulkinder, die in den von mir geleiteten Tanz-AGs mitmachen, und ehemalige Kita-Kinder. Die Choreographien und die Geschichte wurden mit den Kindern gemeinsam erarbeitet. Das war ein Riesenprojekt. Selbst manche Eltern wussten nicht, wer Shakespeare ist.

Beim Bühnenbild haben Sie sich für ein besonderes Projekt entschieden?

Schmitz: Meine Kollegin Ute Krahe hatte die Idee, die Künstlerin Angelika Taufenbach anzusprechen, die Oma eines Kitakindes ist.

Das daraus entstandene Werk wurde am vergangenen Wochenende bei den Art Open nochmal gezeigt. Wie kam es dazu?

Schmitz: Die drei Bühnenbilder in der Größe von vier mal zwei Meter mussten auf der großen Bühne wirken. Also haben wir uns entschieden, keine naiven Bilder zu zeichnen, sondern die Technik der Künstlerin Angelika Taufenbach anzuwenden. Die Leinwände bauten uns Väter von Kindern. Dadurch entstanden mit den Kindern die Bilder, die mit ihren Farben die Gefühle der Szenen untermalen. Als wir sahen, wie kreativ die Kinder zu Werke gingen, kam die Idee, sich an der Ausstellungsserie zu beteiligen. Wir waren so überwältigt, dass wir einfach zeigen wollten, wozu Vierjährige schon fähig sind.

Sie sind auch Tanzpädagogin. Wie kamen Sie auf den Gedanken, diesen Studienweg einzuschlagen?

Schmitz: Vor 26 Jahren habe ich mich beim VHS-Kurs für orientalischen Tanz angemeldet. Grund waren meine Rückenschmerzen. So ist eine Liebe entstanden, die mich durch viele arabische Länder geführt hat, wo ich Studien absolvieren konnte. Meine Ausbildung zur Pädagogin und meine Freude am Tanz habe ich dann verbunden. So ist es oft, wenn ich Wege einschlage, dann öffne ich auch neue Türen. Heute bin ich Dozentin für Tanzpädagogik und arbeite weltweit.

Wie kann man das mit der täglichen Arbeit in der Kindertagesstätte verbinden?

Schmitz: In der Kita kann man viele Lernbereiche der Kinder mit Tanz berühren. In der interkulturellen Arbeit bedeutet dies, dass man keine Sprache benötigt, um sich auszudrücken. Es ist dann spannend zu beobachten, wie die Kinder schnell spüren, dass Menschen gleich sind und es Dinge gibt, bei denen keine Sprachbarrieren bestehen. Es geht vorrangig um Gefühle. Dies mündet dann auch in eine Sprachförderung, nämlich dann, wenn man die Gefühle verbalisieren und beschreiben soll.

Könnten Sie sich vorstellen, nur noch als Dozentin tätig zu sein?

Schmitz: Ich denke nicht. Mir macht es einfach Freude, eine Art Nährboden der Kinder für ihr späteres Leben zu legen. Sie sollen selbstbewusst sein, sich trauen, ein gutes Gefühl für sich selbst zu haben. Dies sieht man auch in unserem Jubiläumsprojekt, bei dem sich Kinder auf die Bühne getraut haben. Es wäre schön, wenn alle Kinder die Chance erhielten, wie es Astrid Lindgren so schön einmal schrieb: Ich darf wild, fröhlich und frech sein!

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