Jubiläum: 60 Jahre Radarfallen und faule Ausreden

Von: Verena Müller
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Da kommt ein Raser: Adi Fournell misst seit rund 20 Jahren die Geschwindigkeit von Autofahrern in der Städteregion. Die Radarfalle feiert heute ihren 60. Geburtstag. Foto: Verena Müller

Eschweiler/Alsdorf. Sonderlich kreativ seien Raser nicht, meint Adi Fournell vom Polizei-Verkehrsdienst in der Städteregion Aachen. Jedenfalls nicht, was die Ausreden anbelangt. „Wenn man so ad hoc erwischt wird, hat man einfach nicht die Zeit, sich eine gute Ausrede einfallen zu lassen“, schätzt Fournell.

Und so habe er am häufigsten „nicht drauf geachtet“, „war in Gedanken“ oder „habe mich mit dem Beifahrer unterhalten“ gehört. Allerdings ist das in der Vergangenheit weniger geworden. Nicht die Standardausreden, sondern der direkte Kontakt mit den Autofahrern.

„Das ist in den letzten Jahren deshalb rückläufig, weil das verkehrsdidaktische Gespräch, die Belehrung, aus Sicht des Innenministeriums nicht so viel Einfluss hat wie die Strafe“, erläutert der 52-jährige Polizeibeamte. Nur 30 Prozent der Fahrer würde man anhalten.

Fournell stammt aus Alsdorf-Mariadorf, wohnt in Aachen, hat seinen Dienstsitz in Eschweiler und ist in der gesamten Städteregion unterwegs. Nicht nur im Rahmen von Geschwindigkeitskontrollen, sondern auch von Lkw-Kontrollen, zur Ahndung von Verstößen gegen das Handy-Verbot am Steuer oder die Gurtpflicht.

Betrunkene zieht er aus dem Verkehr und Schwertransporte lotst er sicher durch den Verkehr. Inzwischen seit rund 20 Jahren. Damit gehört er zu den erfahrendsten unter den Kollegen des Verkehrsdienstes. Dass die Radarfalle am Samstag in NRW ihren 60. Geburtstag feiert, sagt Fournell, habe er aus unserer Zeitung erfahren.

Die alten Modelle kennt er – dafür wäre er ja auch zu jung – aus eigener Anschauung nicht, aber er kann sich noch gut an das analoge Zeitalter erinnern. „Die Filme für die Kameras wurden als Meterware geliefert“, erzählt er. Am Stück habe man sie nicht einlegen können, das hätte die Kapazitäten und die Kraft der Spule überstiegen. Und so musste man den Film in kürzere Abschnitte schneiden – im Keller, in einem Raum, der zwar Dunkelkammer genannt wurde, aber eigentlich eine Toilette mit abgeklebten Fenstern war. Fournell weint dem Nassfilm keine Träne nach, es sei doch etwas umständlich gewesen, meint er.

Die Messtechnik an sich habe sich kaum verändert. Der Radar funktioniere wie vor 30 oder 40 Jahren, der Laser sei effektiver geworden. „Reichweiten von 1000 Metern sind inzwischen möglich.“

Und wo wird gemessen, nach welchen Kriterien? „Wir orientieren uns an den Unfallschwerpunkten, das wird jede Woche neu festgelegt“, erläutert Fournell. Wiederkehrende Straßen seien die Hauptachsen und deren Verlängerungen aus Aachen raus beziehungsweise in die Stadt rein: Roermonder Straße, Krefelder Straße, Adalbertsteinweg, Lütticher Straße, Eupener Straße, Vaalser Straße. Oder, um die Achse einmal gedanklich weiterzuziehen: Jülicher Straße, Althaarener Straße, Hauptstraße und in Hoengen wieder Jülicher Straße. „Da fließt einfach der meiste Verkehr, da ereignen sich die meisten Unfälle“, resümiert Fournell.

Auch wenn man manchmal meinen möchte, auf den Strecken könne man angesichts des hohen Verkehrsaufkommens gar nicht rasen, misst die Polizei hier dennoch häufig Tempoüberschreitungen. Vielleicht nicht so hoch wie kürzlich zwischen Blausteinsee und Hehlrath – 202 Stundenkilometer wo 70 erlaubt sind – aber trotzdem eine Menge. Insgesamt, so überschlägt Fournell grob, würden städteregionsweit wohl an die 15 000 Überschreitungen unterschiedlicher Höhe geblitzt.

Dabei gilt: Alles bis 20 Stundenkilometer bewegt sich im Verwarngeldbereich, darüber im Bußgeldbereich. Ordnungswidrigkeiten wie letztgenannten Fälle werden der Bußgeldstelle gemeldet. Übrigens unabhängig davon, ob die Städteregion die Kontrolle durchgeführt hat oder die Polizei. Wie Fournell ausführt, gibt es im Grunde keine Abgrenzung, wer wo messen darf. „Neben den Unfallhäufungspunkten ist es unsere Aufgabe, schutzwürdige Zonen anzufahren.

Also beispielsweise Schulen, Kindergärten und Altenheime. Da kann es natürlich passieren, dass wir ein Fahrzeug der Städteregion antreffen.“ Man kläre dann auf dem kurzen Dienstweg, wer bleibe und wer weiterfahre. Und nicht nur die Messtechnik, auch der „Preis“ ist bei beiden derselbe. Ok, ein Providakrad zur Verfolgung von Motorrädern in der Eifel hat die Städteregion nicht, aber Radargerät, Eso und das Leivtecgerät.

Wer erstmal in die Radarfalle „getappt“ ist, kommt so leicht nicht mehr raus, denn dass die Messung auch vor Gericht standhält, dafür sorgen diverse Absicherungs- und Kontrollmechanismen. Wobei... in seltenen Ausnahmen hat Fournell auch mal Gnade vor Recht walten lassen. „Wenn erkennbar ist, dass jemand wirklich einen dringenden Notfall hat – und dafür entwickelt man im Laufe der Jahre ein Gespür – dann sagt man auch mal ,Fahren Sie weiter...‘.“ Aber das sei wirklich die Ausnahme...

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