Joszef Acs und Siegfried Tschinkel begeistern ihr Publikum

Von: ran
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Jozsef Acs
Tauchte förmlich ein in die Meisterwerke des Musikgenies Gioacchino Rossini: Pianist Jozsef Acs zeigte sich im Talbahnhof großen Herausforderungen, die ihn auch psychisch an die Grenzen brachten, gewachsen und verzauberte seine faszinierten Zuhörer. Foto: Andreas Röchter
Siegfried Tschinkel
Fakten, Anekdoten und Interpretationen: Moderator Siegfried Tschinkel nahm die Konzertbesucher im vollbesetzten Talbahnhof mit auf die aufregende Reise in die Musikwelt der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Ein Flügel, ein Tisch, zwei Stühle und drei Kerzen - die Bühne war bereitet für zwei Meister ihres Fachs, die sich am Samstagabend im vollbesetzten Talbahnhof an die Fersen eines Musikgenies hefteten: Die Werke und das Leben von Gioacchino Rossini (1792 bis 1868) standen zwei bewegende und mitreißende Stunden lang im Blickpunkt.

Meisterpianist Jozsef Acs stellt sich sechs herausragenden Werken des Komponisten, der in lediglich zwei Jahrzehnten 39 (!) Opern fertiggestellt und sich so seinen Ruf als Meister der „Opera buffa“, der komischen Oper, erworben hatte, um sich in seiner zweiten Lebenshälfte vor allem der geistlichen Musik, aber auch der Kammer- und Chormusik zu widmen.

Moderator Siegfried Tschinkel führte darüber hinaus wortgewandt in das Leben einer facettenreichen Persönlichkeit voller Charme und Witz ein, die dem Leben in jeder Form zugewandt war, jedoch in ihren späteren Lebensjahren unter Depressionen litt.

Stilecht in französischer Sprache begrüßte Siegfried Tschinkel das erwartungsfrohe Publikum in der wunderbar intimen Atmosphäre des „Salons Rossini“, in den sich der Talbahnhof für einen Abend verwandelt hatte. „So etwa muss es ab 1855 im Hause des Komponisten in Paris-Passy zugegangen sein, wenn er Musikliebhaber zu einer Soirée eingeladen hatte“, erklärte der Moderator, der in seinen Ausführungen nicht zuletzt auf die Rossini-Biographie Stendhals zurückgriff.

„Dabei handelt es sich um ein wunderbares Dokument eines Zeitzeugen Rossinis, der den Komponisten verehrte, dessen Leben und Erfolge dennoch objektiv beschrieb“, so Siegfried Tschinkel, der bereits vor dem ersten Takt des Konzerts auf den Einfluss, die die Musik Rossinis auf die Arbeit von Zeitgenossen wie Franz Liszt, Sigismund Thalberg oder Niccolò Paganini hatte, verwies.

Kurz darauf eröffnete Jozsef Acs den musikalischen Teil des Abends mit seiner feinfühligen Interpretation einer Transkription von Franz Liszt, der das Unmögliche möglich gemacht hatte, indem es ihm gelang, die sinfonischen Effekte der grandiosen Ouvertüre der letzten Rossini-Oper „Wilhelm Tell“ auf das Klavier zu übertragen. In unnachahmlicher Art und Weise ließ Jozsef Acs seine Zuhörer an der zunächst leichten Hirtenmelodie teilhaben, bevor sich ein Gewitter anbahnt und sich der weltberühmte Triumphmarsch nach dem Sieg über den Tyrannen Gessler anschließt. Erste „Bravo“-Rufe gaben die Richtung des Konzertereignisses vor.

Höchstkonzentriert, voller Inbrunst, vollkommen in die Werke Rossinis eintauchend und dessen Musik hörbar atmend, machte Jozsef Acs die Kunst des italienischen Musikgiganten jedem Zuhörer greif- und erlebbar. So etwa die Themen „Glaube, Liebe und Hoffnung“, die das Werk „La Charité“ aus den „Trois choeurs religieux“ bestimmen. Im wunderbar aufeinander abgestimmten Wechselspiel gelang es Siegfried Tschinkel andererseits, den Spannungsbogen mit ernsthaften Fakten und heiteren Anekdoten aus dem Lebenslauf des „Schwans von Pesaro“, der zu den wenigen Musikern gehörte, die finanziellen Nutzen aus ihren Erfolgen schlagen konnten, zunächst leicht abklingen zu lassen, um ihn mit kennerhaften Anmerkungen zum folgenden Werk langsam wieder aufzubauen.

Geradezu atemberaubend geriet die letzte Phase des Konzerts, in der Jozsef Acs zunächst die musikalische Phantasie Sigismund Thalbergs zum Opernmeisterwerk „Moses in Ägypten“, mit der der musikalische Leiter der Franz-Liszt-Gesellschaft Eschweiler im vergangenen Jahr den ersten Preis eines Klavierwettbewerbs in Mailand gewann, in einen wahren Klangrausch ausufern ließ. Emotional ergreifend für die Zuhörer und den Interpreten steuerte das Konzert schließlich mit einem Ausschnitt des Rossini-Spätwerks „Stabat mater“ auf seinen packenden Schlusspunkt zu.

„Das Gotteslob besteht in diesem Fall vor allem darin, andächtige Gefühle zu entwickeln“, hatte Siegfried Tschinkel zuvor angemerkt. Eine Vorgabe, die Jozsef Acs beeindruckend in die Tat umsetzte. Sekundenlange Stille folgte dem letzten Takt, den der Klaviervirtuose spürbar überwältigt erklingen ließ. Euphorischer Applaus belohnte Jozsef Acs und seinen Mitstreiter Siegfried Tschinkel, die sich innig umarmten und das Publikum voller Vorfreude in die Nacht entließen: „Nach Liszt und Chopin im zurückliegenden sowie Rossini in diesem Jahr wird es auch in 2016 ein Themenkonzert im Talbahnhof geben!“ Eine Ankündigung, die die Musikliebhaber der Indestadt und ihrer Umgebung mit der Zunge schnalzen lassen dürfte.

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