Johannes Wauben ist der erste Tagesvater

Von: Patrick Nowicki
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Sich Schritt für Schritt weiter entwickeln: Johannes Wauben, erster Tagesvater in der Stadt, ist heute froh über seine Entscheidung. Unterstützung bekam er im Jugendamt von Angelika Henn und Tammy Berg. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Der kleine Froschteich hat Zuwachs bekommen. Dort tummeln sich seit Dezember nicht nur sechs kleine Frösche und Froschmama Melanie, sondern auch Teichvater Johannes. Der kleine Froschteich ist eine Tagespflegegruppe in Hastenrath, Johannes Wauben der erste Tagesvater in Eschweiler, der den Qualifizierungskurs absolviert hat. Für viele ist die Betreuung kleiner Kinder eben Frauensache. Nicht so für Johannes Wauben, dessen Frau schon seit 1996 Kinder betreut. Im kleinen Froschteich.

Im Eschweiler Jugendamt begrüßt man, dass sich nun auch Männer an diese Aufgabe trauen. Allerdings kennt man auch die Vorbehalte. Die schrecklichen Skandale der Vergangenheit haben eben Spuren hinterlassen. Deswegen prüft die Stadt genau, wer eine Pflegeerlaubnis erhält, denn längst wird nicht jeder dafür zugelassen.

Zuständig im Jugendamt sind Angelika Henn und Tammy Berg, die den Bewerbern auf den Zahn fühlen. Dazu gehören natürlich einige Gespräche und eine formelle Bewerbung, aber auch die Räumlichkeiten werden genau angeschaut. Daran machen die Fachberaterinnen des Jugendamtes auch fest, wie viele Kinder betreut werden dürfen. Maximal fünf pro Pflegeperson sind erlaubt. „Für diese Zahl reicht aber eine einfache, kleine Wohnung nicht aus“, betont Angelika Henn.

Interessenten müssen zudem einen Fragebogen ausfüllen und ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Dies schließt auch jede andere volljährige Person mit ein, die am Betreuungsort lebt. Es sind also einige Hürden zu nehmen.

Seit einigen Monaten steigt die Zahl der Bewerbungen. Dies hängt sicher auch mit dem Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab einem Lebensjahr zusammen, der ab dem 1. August gilt. Der Stadt fehlen Plätze, die zum Teil auch in der Tagespflege geschaffen werden sollen. Allerdings schränkt Olaf Tümmeler, Abteilungsleiter im Jugendamt, ein: „Wir werden nicht aufgrund von Quoten oder Druck von außen jemandem die Ausbildung und Betreuungserlaubnis zugestehen, wenn wir das nicht vertreten können.“

Auch die Ausbildung – entweder bei der Arbeiterwohlfahrt oder im Helene-Weber-Haus – folgt inzwischen klaren Standards. 160 Unterrichtsstunden, der Erste-Hilfe-Kurs und eine kleine Abschlussarbeit sind erforderlich, ehe die Pflegeerlaubnis erteilt werden kann.

Johannes Wauben hat das alles nicht abgeschreckt. Die Entscheidung, Tagesvater zu werden, wurde dem 44-Jährigen auch dadurch erleichtert, weil seine Frau Melanie eben schon seit 16 Jahren in der Tagespflege arbeitet. Das Zuhause in Hastenrath kennt er eben als kleinen Froschteich. Die beiden eigenen Kinder sind „aus dem Gröbsten raus“. Als er sich beruflich neu orientieren musste, weil seine Gesundheit die Arbeit im Straßenbau nicht mehr zuließ, zögerte er noch. Zunächst schulte er zum Industriekaufmann um. Aber letztlich reifte doch der Entschluss, seine Frau bei der Arbeit mit den Kindern zu unterstützen. Was ihn als Tagesvater auszeichnet? „Ich glaube, ich habe eine Engelsgeduld“, sagt er.

Die allerdings reicht nicht aus – das weiß er. Die Abläufe in der Kindertagespflege gleichen der Arbeit in einer Kindertagesstätte. Schließlich sieht der Gesetzgeber vor, dass die Kleinen nicht nur verwahrt, sondern pädagogisch betreut werden. So beginnt der Tag im kleinen Froschteich mit dem gemeinsamen Frühstück. Anschließend variieren die Angebote: Bei schönem Wetter geht es nach draußen, ansonsten wird gebastelt und gespielt.

Passende Stellen finden

Auf ganz unterschiedliche Weise entsteht der Kontakt zu einer Pflegestelle – mal über Empfehlungen anderer Eltern, mal über das Jugendamt. „Wir versuchen natürlich immer die passende Stelle zu finden“, so Angelika Henn, „deswegen ist es wichtig, die Tagespflegepersonen gut zu kennen.“ Schließlich sollen die Erziehungswege bei Eltern und Tagespflegestelle nicht in verschiedene Richtungen führen. Aber auch das sei dem Kindergarten ähnlich. „Es geht auch immer um Vertrauen – denn das soll zwischen den Eltern und der Tagesspflegestelle herrschen“, ergänzt Tammy Berg.

Die Kinder im kleinen Froschteich kennen Johannes Wauben schon. Er ist im Moment der einzige Zugang. Das wird aber bald ändern: Im März kommt sein erstes eigenes Pflegekind nach Hastenrath. Zum ersten Tagesvater in Eschweiler.

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