Jörg Drescher lüftet beim Heine-Abend so manches Geheimnis

Von: Katja Bach
Letzte Aktualisierung:
11796400.jpg
Mit viel Wissen und Humor berichtete Jörg Drescher beim Heinrich-Heine-Abend aus dem Leben und den Werken des berühmten Autors. Die Zuhörer in der Buchhandlung genossen die Erläuterungen in der „familiären Atmosphäre“. Foto: Katja Bach

Eschweiler. Würde Heinrich Heine heute leben, er wäre in jedem sozialen Netzwerk vertreten. Denn der Autor wusste, dass es wichtig ist, sich gut zu vermarkten. Das und viele andere spannende Dinge über den bekannten Dichter erzählte am Freitagabend Jörg Drescher.

Zum Heinrich-Heine-Abend kamen viele interessierte Eschweiler in die Buchhandlung und waren gespannt darauf, neue Einblicke in Leben und Werk des Autors zu erhalten. „Mich interessiert vor allem der Mensch Heine“, erklärte Jörg Drescher. „Seine Werke sind den meisten bekannt, aber die Person, die dahinter steht, nur selten.“ Zumal Heines Charakter, wie der Buchhändler erklärt, nicht leicht zu fassen sei. „Heine passt in keine Schublade“, stellt er fest und stellte in seinem Vortrag die vielen Seiten Heines vor.

Untermalt von Bildern

Gespannt folgten die Gäste seinen Erzählungen von den Anfängen Heines bis hin zu seinem Tod. Dabei wurde der Vortrag immer wieder mit passenden Bildern und Fotos untermalt – viele von Jörg Drescher selbst fotografiert. Denn den ersten Heinrich-Heine-Abend gestaltete er für die Mitglieder des Eifelvereins, die in diesem Zusammenhang auch dessen Geburtsstadt Düsseldorf und dort viele Stationen seines Lebens besuchten. Beim dritten Heine-Abend in der Buchhandlung stellten diese Eindrücke nun eine wunderbare Ergänzung zu Dreschers Erläuterungen dar.

Kostproben aus Memoiren

So sprach der Literaturkenner darüber, wie Heine sein Leben gestaltete, wie seine Erziehung verlief, wie er immer versuchte unabhängig zu sein und gab Kostproben aus Heines Memoiren und anderen Werken zum Besten. Einiges war den Anwesenden bereits aus der Schulzeit oder eigener Lektüre bekannt, anderes hingegen war neu und vielleicht auch überraschend. So ist es wohl nicht allzu bekannt, dass Heine Jude war und seiner Zeit bereits mit Antisemitismus zu kämpfen hatte. Auch seine Geschäfte mit dem mächtigen Bankier Rothschild und der Streit mit seinem Cousin um eine regelmäßige Unterhaltszahlung dürften vielen unbekannt sein.

„Ich finde es spannend auch einmal über den Autor selbst nachzudenken und nicht immer nur über seine Werke“, sagte Rita Joußen, die gerne zu den Literaturabenden in die Buchhandlung kommt. Und auch René Ottowa zeigte sich begeistert: „Mir gefallen vor allem das Ambiente und die historischen Bezüge zur Zeit Heines.“ Damit meinte Ottowa die zahlreichen Kontexterläuterungen, die Drescher gab und bewusst in den Gesamtzusammenhang stellte. Er gab Informationen zur damaligen politischen Lage, zu den literaturwissenschaftlichen Epochen, zur Industrialisierung und vielem mehr.

Ein Höhepunkt des Abends stellte der Moment dar, indem Jörg Drescher das Geheimnis um das wohlbekannte Zitat „Denk ich an Deutschland in der Nacht“ aus dem Gedicht „Nachtgedanken“ lüftete. Häufig im politischen Zusammenhang erwähnt, weiß jedoch kaum jemand, dass Heine in diesem Gedicht nicht zu politischen Einsichten gelangt, sondern lediglich die große Sehnsucht zu seiner Mutter beschreibt. Eine für die Anwesenden interessante Erkenntnis, die in kleiner Runde diskutiert werden konnte. Denn das persönliche Ambiente trug den gesamten Abend dazu bei, Gedanken austauschen, sowie Erfahrungen und Meinungen zu teilen.

„Große Nachfrage“

„Ich möchte eine familiäre Atmosphäre schaffen“, erklärte Jörg Drescher und begrenzt deshalb die Anzahl der Gäste an den Literaturabenden. „Da die Nachfrage für den Abend aber so groß war, ist nicht auszuschließen, dass es auch noch einen vierten Heinrich-Heine-Abend geben wird.“ Sicherlich wird er dazu mit anderen Fakten aus Heines Leben überraschen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert