Jochen Malmsheimer: Wortakrobatik vom Feinsten im Kulturzentrum

Von: Dirk Müller
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Geistreicher Wortakrobat: Der
Geistreicher Wortakrobat: Der Bochumer Kabarettist Jochen Malmsheimer unterhielt das Eschweiler Publikum wieder mit scharfem Geist und spitzer Zunge. Foto: Dirk Müller

Eschweiler. Leicht hat er es nicht, der Jochen Malmsheimer. Zum Beispiel ist einer seiner Söhne gerade im Würgegriff der Körperchemie: „Ich glaube, hier auf dem Land nennen sie das Pubertät.”

Schwer genug, doch als des Sohnes Freundin, die eine Vorliebe für „hoch toxische T-Shirts aus chinesischer Pädofaktur” hat, ihm rät „Chill mal dein Leben”, ist das Maß voll. „Vielleicht hat sie sich ja nur geräuschvoll erbrochen”, mutmaßt Malmsheimer. Wer so etwas von sich gibt, könne auch gleich Chinesisch lernen, eine Sprache mit Zukunft, die allerdings ob ihrer vielen Dialekte schwierig sei.

„Bei falscher Betonung sagt man da mal schnell Schrankwand statt Mama zur Schwiegermutter.” Dies komme in keinem Land der Welt gut an, außer vielleicht in Schweden, wo manche Regale bekanntlich „Billy” heißen. Doch auch in diesem Punkt rät der Bochumer Kabarettist zur Vorsicht: „Nicht jeder Billy ist ein Regal. Man kann es aber herausfinden, indem man versucht, Bücher in ihn einzuräumen.”

Im restlos ausverkauften Talbahnhof präsentiert Jochen Malms­heimer sein neues Programm „Ermpftschnuggn trødå! - hinterm Staunen kauert die Frappanz”, ein Titel, dessen tatsächliche Bedeutung sich den Gästen nicht erschließt, den sie jedoch am Ende des witzigen Wortgewitters instinktiv verstehen.

Malmsheimer lebt sein Talent eines wahren Sprachkünstlers auf der Bühne aus, erntet viele Lacher und reichlich Szenenapplaus, lobt seinerseits die „prickelnde mentale Präsenz” im Eschweiler Talbahnhof und die hohe Aufmerksamkeit des Publikums, das förmlich an seinen Lippen hängt: „Man könnte ein Steckrübe fallen hören.”

Ständige Interaktionen mit den Zuhörern, intelligente Sprachkreationen und humoristische Inhalte, die von liebevoll charmant bis böse sarkastisch reichen, begeistern die Menge - wohl auch, weil sie nicht wie die „USA intellektuell und kulturell auf dem Niveau einer Ohrenqualle verharrt”.

Fragen wie „warum baut die Bahn eine Strecke für Menschen, die gar nicht von Stuttgart nach Ulm fahren wollen?”, „was genau von meiner Freiheit wird eigentlich am Hindukusch verteidigt?” oder „was unterscheidet die FDP von einer lästigen Hautkrankheit?” werden von Malmsheimer nicht beantwortet, aber immerhin gestellt. Geschichten von einem „obszön großen Reisebus, der einen Rentnererguss hat” oder wie das australische Wombat zu seinem Namen kam, erweisen sich als unwiderstehliche Attacken auf das Zwerchfell. „Das Wombat heißt so, weil es genau so klingt, wenn man das Tier aus etwa 60 Zentimeter Höhe aufs Buchenparkett fallen lässt”, erklärt Malmsheimer.

„Psalmen der Sorge”

Das mache man aber schon lange nicht mehr, worüber sich in erster Linie die Wombatanten freuen würden. Der Kabarettist brilliert mit seinen „Psalmen der Sorge”, in denen er in bester Tradition des christlichen Fundamentalismus etwa die „Hose” mit Feuereifer anprangert: Wenn das einst die Hüften umschmeichelnde Beinkleid noch tiefer in die Kniekehlen rutsche, werde es bald endgültig fallen. „Fernsehen, es liegt kein Segen auf deinem Tun”, beginnt Malms­heimer einen anderen Psalm.

Mit seiner lautmalerischen Prägnanz und geistvollen Pointierung verdammt er Container- und Casting-Shows und fordert von den TV-Redaktionen, endlich wieder über Inhalte nachzudenken, statt über Rezepte: „Schluss jetzt mit den Koch- Shows; aus dem Event soll bitte wieder eine Mahlzeit werden.” Eine solche - und zwar geistreiche - servierte er den Zuhörern in Eschweiler.
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