Eschweiler - Jetz es janz Eischwiele en „Familisch“!

Jetz es janz Eischwiele en „Familisch“!

Von: Laura Beemelmanns
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Begeisterung in Grün und Weiß: Einmarsch des Prinzen Thomas I. Foto: Laura Beemelmanns
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Eulenspiegel Tobias Wienands ließ das Jahr Revue passieren. Foto: Laura Beemelmanns
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Zum Start der Proklamation schauen sich Komitee-Vizepräsident Walter Münchow und der kleinste Prinzenpage tief in die Augen. Foto: Laura Beemelmanns
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Zum Abschluss präsentierte sich die KG Lustige Reserve mit dem Tanzpaar Nadine Hüpgen und Kevin Schleip, unterstützt von der Brass-Els-Kapelle. Foto: Laura Beemelmanns

Eschweiler. Männer weinen nicht, heißt es. Schon gar nicht in Gesellschaft, heißt es. Aber Männer weinen eben doch – zu ganz besonderen Anlässen. Und zu dem vielleicht bedeutendsten Ereignis in der karnevalistischen Indestadt dürfen sie dies auch. Sollten sie vielleicht sogar. So geschrieben, so geschehen.

Prinz Thomas I., sein Zeremonienmeister und Onkel Harald Weiland sowie Vater und Karnevalskomitee-Präsident Norbert Weiland taten es. Gemeinsam. Auf der Prinzenproklamation am Samstag in der Dürwisser Festhalle. Vor etwa 650 Gästen. Und sie taten es zurecht. Denn wie Hofnarr Tobias Wienands treffend formulierte: „Ein jeder Prinz in Eschweiler ist in seinem Jahr der beste.“

Somit startet der erst 25 Jahre alte Prinz Thomas I. in die wohl aufregendste Zeit seines Lebens. Und da darf auch mal eine Träne vergossen werden. Mit 25 Jahren steht er an der jecken Spitze Eschweilers, hat von Bürgermeister Rudi Bertram den symbolischen Schlüssel der Stadt erhalten und hat damit erreicht, worauf er seit seinem Eintritt in die KG Lustige Reserve mit nur zweieinhalb Jahren hingefiebert hat: Er ist Tollität! Stolz macht er damit nicht nur seinen Vater Norbert Weiland und Onkel Harald Weiland, nein, die gesamte „Familisch“. Denn die ist und war schon immer durch und durch jeck.

Tobende Menge

Trotz geballter familiärer Unterstützung war es allein sein Abend – von Anfang an. Mit einem mehr als 25 Minuten dauernden Einmarsch zelebrierte er jede einzelne Sekunde, warf weiße Rosen noch und nöcher in die tobende Menge. Angefeuert von seinem Zeremonienmeister Harald, der ihn – sichtlich berührt – mit zitternden Händen, zu Beginn bibbernder Stimme und mit besagten Tränchen in den Augen angekündigt hatte. Sichtlich ergriffen waren sie alle, die Weilands, als das karnevalistische Küken die Bühne enterte.

Die Tränen wichen purem Stolz und Glück, einer aufrechten Haltung und jeder Menge Schweiß. Es wurde nicht warm, sondern heiß in der Halle. Dazu stelle man sich eine große Halle voller feiernder Menschen, einen Prinzen in dicken weißen Strumpfhosen, einen Elfer- oder eher Zwölferrat in voller Montur und das gesamte Prinzengefolge auf der Bühne vor. Und schon lässt es sich kaum noch vermeiden, dass aus den leicht kullernden Freudentränen fließende Schweiß-Bächlein werden. Aber auch das gehört dazu, zum Prinzsein.

Ein richtig wahrer Prinz war Thomas I. allerdings erst nach Übergabe der Kappe, Pritsche, Zepter und Urkunde aus den Händen seines Vaters Norbert. Dann schon waltete er seines Amtes, als hätte er nie etwas anderes getan. Er las die elf Gebote vor, freute sich darüber, dass nun er und nicht mehr sein Vater das Sagen habe und verlieh munter Orden. Grün-Weiß, in Vereinsfarben, und mit Familien-Wappen drauf. Der erste ging an seinen Zeremonienmeister Harald. Und er kündigte all diejenigen an, die für ihn und seine Gäste gekommen waren.

Einen fulminanten Start legte das Trompeterkorps der Hastenrather Eefelkank unter Leitung von Robert Koch hin. Seit 1959 im Einsatz, und immer eine große Nummer auf der Bühne. Einen besseren Start ins Programm hätte es kaum geben können. „Sowas hat Köln nicht zu bieten“, sagte Norbert Weiland. Den Musikern folgte Manuel Wilkens alias „Ne schönne Fiffi“. Der junge Büttenredner betrat mit orangefarbenem Sakko und weißem Handschuh an der rechten Hand die Bühne. Es war sein erster Auftritt vor solch großem Publikum. Und auch wenn noch nicht jeder Witz so ankam, wie es vermutlich geplant war, so hatte der Nachwuchskünstler schnell einige laut lachende Fans im Saal gefunden. „Wir haben versprochen, jedes Jahr einen Nachwuchs-Redner zu fördern“, sagte Weiland. Und er hat Wort gehalten.

Dem „schönnen Fiffi“ folgten schöne junge Tänzerinnen. Die Husazentanzgruppe „De Burgmüsjere“ tanzte für ihren Prinzen. Mit dabei die Herzdame von Thomas I., Nadine Hüpgen. Die beiden tauschten immer wieder Blicke aus und zwinkerten sich zu. So einen Abend mit solch einem Titel erlebt man schließlich nicht alle Tage.

Nach der Gratulation des Ex-Prinzen Wolfgang Mertens und Ex-Zerem Matthias Delhey war Platz geschaffen für eine echte Rakete. Die einzige des Abends, wenn es nach karnevalistischen Raketen geht. Patrick Nowicki belehrte sein Publikum. Er hatte einen Test für sie vorbereitet: „Fastelovend für Profis“. Dazu gehörten die Punkte: Alaaf rufen, schunkeln und singen. Klingt einfach, war es auch für das Dürwisser Publikum. Mit Bravour bestanden sie den Nowickischen Test, der immer wieder durch Schmankerl aus dem karnevalistischen Eischwiele und Lachtiraden des Publikums unterbrochen werden musste.

„Deckoffiziere des Karnevals“

Wieder flossen Tränen, diesmal aber im Publikum und diesmal vor lauter Lachen. Er begrüßte die Ex-Prinzen, die in ihren weißen Sakkos nicht der Betriebsausflug des Traumschiffs darstellten, allenfalls „quasi Deckoffiziere des Eschweiler Karnevals“ seien. Er stellte einige esoterische Fragen wie „Leben Verheiratete wirklich länger oder kommt es ihnen nur länger vor?“, ließ sich vom jungen Frank Lersch mit Bierdeckeln bewerfen und sorgte mit seinem „Eischwiele, Alaaf you“-Remix in Form von „We will rock you“ für einen grandiosen Abmarsch.

Und so sollte es auch bleiben im Programm: Die Tanzgarde der KG Löwengarde überzeugte mit viel Action und akrobatischen Elementen. Ebenso die Mariechen und Tanzpaare des Komitees. Allesamt, mit allen Uniformen boten ein farbenfrohes und prächtiges Bild auf der Bühne. Zum ersten Mal traten sie so in dieser Formation gemeinsam auf. Eine wunderbare Idee, die sich hoffentlich fortsetzen wird.

Das Prinzenlied spielten Thomas I. und Zeremonienmeister Harald gemeinsam mit De Kroetsch – die Band von Onkel Weiland. Sie sagte all ihre Auftritt ab, um für den Prinzen und seinen Zeremonienmeister voll und ganz da zu sein. Sie werden ihnen folgen, wo immer die fünfte Jahreszeit sie hintreiben möge. Bei der Proklamation spielten und sangen sie gemeinsam das Prinzenlied „Mir sin en Famillisch“ und ließen dem noch das Lied „Janz ejal“ folgen, das die Zusammengehörigkeit der Vereine preist.

Aufmarsch der Reserve

Diesen unterhaltsamen und abwechslungsreichen Abend beendete die KG Lustige Reserve mit dem Aufmarsch der Gesellschaft und Dankesworten von Prinz Thomas I. Wer hätte gedacht, dass ein 25-Jähriger eines Tages die Herrschaft in Eischwiele übernehmen würde? Wer hätte gedacht, dass es mal das Weiland-Trio sein würde, das dort oben für Furore sorgt? Wer hätte gedacht, dass ein Versprechen an Weihnachten vor sechs Jahren dazu führen würde, dass Harald Weiland der Zeremonienmeister seines Neffen sein würde? Die Weilands kannten die Antworten und wollen „ihre“ Eschweiler nun mit in den närrischen Bann der Familie ziehen. Einen prächtigen Start haben sie hingelegt. Das jecke Eschweiler darf sich auf spannende fünfeinhalb Wochen gefasst machen.

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