Jeremy Hulin: Laienmusiker bei Probedirigat begeistert

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
13784209.jpg
Der renommierte Musiker und Dirigent Jeremy Hulin leitet seit dem 1. Januar die Städtische Musikgesellschaft. Foto: Holger Bubel

Eschweiler. Die Ouvertüre seiner Amtszeit als Leiter der Städtischen Musikgesellschaft hat er schon mit Bravur bewältig, glaubt man den Mitgliedern von Orchester und Chor: Jeremy Hulin gelang es, die Laienmusiker bei seinem Probedirigat zu begeistern.

Genau diesen Enthusiasmus für Musik will der 1956 im englischen Derby geborene Brite, der mit seiner Familie seit einigen Jahren an der Aachener Straße in Röhe wohnt, weiterhin wecken. Seit dem 1. Januar steht er als musikalischer Leiter an der Spitze der Musikgesellschaft.

Dabei betrachteten einige der Mitglieder die Bewerbung Hulins auch mit viel Ehrfurcht. Schließlich ist er vielen Musikkennern in der Region als Professor am Maastrichter Conservatorium, als stellvertretender Generalmusikdirektor am Aachener Stadttheater oder als Leiter des Orchesters Sinfonietta Regio bekannt. „Aber der Funke sprang sofort rüber und wir sind glücklich einen so großartigen Musiker als Leiter gewinnen zu können“, beschreibt Doris Sommer, die Vorsitzende des Chors, die ersten Erfahrungen bei den Proben im Musikraum des Städtischen Gymnasiums.

In seinem Wohnzimmer in Röhe, von wo aus man einen wundervollen Blick auf das Indetal genießen kann, wachsen also in Zukunft die Ideen für Konzerte der Musikgesellschaft. Wie es sich für eine waschechte Musikerfamilie gehört – seine Frau Tomoko Yoneyama ist Konzertpianistin und Dozentin -, steht das Regal voller Noten klassischer Werke. Auch auf dem schwarzen Konzertflügel stapeln sich Notenblätter. Da verwundert es, dass Hulin selbst nicht komponiert. „Das liegt mir nicht“, sagt er kurz und knapp, obwohl er sich während seines Studiums mit Kompositionslehre beschäftigen musste und in dieser Zeit auch renommierte Dozenten hatte. „Es gibt so viel wundervolle Musik“, meint er.

Wenn der 61-jährige Briten spricht, unterstellt man ihm ausschließlich leise Töne, aber mit dem Taktstock in der Hand offenbart sich seine Begeisterung für die Musik. „Ich möchte gerne vieles ausprobieren“, legt er sich nicht auf bestimmte Werke fest. Natürlich, Bach und Beethoven zählen zu seinen Favoriten. Beim Frühjahrskonzert, das die Konzertsaison eröffnet, wird eine Passage aus der neunten Sinfonie des Klassikmeisters aus Bonn ertönen. Hinzu kommen Walzer von Brahms. Chor und Orchester nahmen die Ideen bereits begeistert an.

Für die Laienmusiker legt er die Messlatte nicht zu hoch, wenngleich Hulin ein ehrgeiziges Ziel verfolgt. Er möchte weitere junge Musiker und Sänger für die Musikgesellschaft begeistern. Es müsse doch möglich sein, dass einer von Tausend in Eschweiler mitmachen möchte, meint er. Aktuell zählt das Orchester etwas mehr als 20 Personen, im Chor singen über 30 Menschen mit. Gesucht werden im Moment ein Kontrabassist, Posaunisten und Sänger in der Stimmlage Tenor. Grundsätzlich freut sich die Städtische Musikgesellschaft über jede Form von Verstärkung. Jeden Montag außerhalb der Ferien probt der Chor ab 19.30 Uhr in Raum 300 des Städtischen Gymnasiums, die Probe des Orchesters beginnt mittwochs um 19.45 Uhr. „Berührungsängste muss niemand haben“, sagt Doris Sommer.

„Musik ist Kommunikation, zwischen Musikern und Publikum, aber auch zwischen Musikern untereinander“, sagt Hulin. Deswegen sei nicht entscheidend, ob jede Sechzehntel sitze, sondern ob er die Begeisterung spüre. Aus seiner Vorliebe für Oper und Operette macht Hulin keinen Hehl. Schließlich trainiert er Sänger und begleitet auch Produktionen größerer Aufführungen. Allerdings wolle er bei der zukünftigen Auswahl für die Konzerte der Städtischen Musikgesellschaft demokratisch vorgehen.

Der Vorsitzende Thomas Graff hat ihm dafür die Werke der vergangenen Jahre unter dem Dirigat von Horst Berretz aufgelistet. Für die Vielzahl und die Auswahl der Stücke sowie der Leistung seines Vorgängers empfindet Hulin großen Respekt. Dass er allerdings auch 30 Jahre an der Spitze der Musikgesellschaft steht, ist zwar unwahrscheinlich, allerdings plant er, länger den Takt anzugeben: „Ich möchte das Orchester und den Chor entwickeln.“

Dass sich Hulin mit seiner beeindruckenden Vita für die Bewerbung als musikalischer Leiter entschied, bewerten viele Indestädter als Glücksfall. „Ich möchte Eschweiler etwas zurückgeben, weil ich hier ein Zuhause gefunden habe und meine Kinder hier groß geworden sind“, begründet er seine Entscheidung. Dies kommt den Verantwortlichen der Städtischen Musikgesellschaft entgegen: „Wir spüren, dass alle sehr motiviert sind“, berichtet Graff.

Da passt es, dass sich der Zusammenschluss mehrerer Musikgruppen zur Städtischen Musikgesellschaft in diesem Jahr zum 50. Mal jährt. Ein großes Jubiläumskonzert soll zwar nicht stattfinden, aber die ein oder andere Überraschung. Den Auftakt macht das Frühjahrskonzert – unter anderem mit Walzer von Brahms und Passagen aus Beethovens „Neunter“. Ein Wunsch Hulins wäre, einmal die gesamte Sinfonie zu spielen. Irgendwann einmal. 

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert