Jedes dritte Baby in Eschweiler wird in Hartz IV geboren

Von: Patrick Nowicki
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Immer mehr Kinder in der Indestadt gelten als arm: Diesem Trend will das Netzwerk „Flügelschlag“ begegnen. Es wird trotz der endenden Landesförderung fortgesetzt. Foto: Stock

Eschweiler. Das Positive vorweg: Obwohl die Förderung des Landschaftsverbands ausläuft, bleibt das Netzwerk „Flügelschlag – starke Kinder an der Inde“ bestehen. Das Erschreckende: Immer mehr Kinder in Eschweiler geraten in die Armutsspirale.

Bei einem Schnitt von jährlich etwa 450 Geburten bedeutet dies: Jedes dritte Neugeborene in Eschweiler ist von Hartz IV abhängig. Dr. Gabriele Trost-Brinkhues von der Städteregion Aachen sprach von 142 Neugeborenen aus Eschweiler im vergangenen Jahr, deren Eltern Arbeitslosengeld II beziehen.

Koordination beim Jugendamt

Koordiniert die Städteregion Beratungsangebote im Rahmen der Bundesinitiative „Frühe Hilfen“, so obliegt die Koordination des Netzwerks „Flügelschlag“ dem Jugendamt Eschweiler. Dessen Leiter Jürgen Termath unterstrich in der Jugendhilfeausschuss-Sitzung, dass Dorothea Kohlen, die bisher das Projekt „Flügelschlag“ betreute, den Netzwerkpartnern als Koordinatorin erhalten bleibe. Sie wechselt nur die Stelle innerhalb des Jugendamtes und ist ab dem 1. Oktober auch für die Regelung der Schulsozialarbeit mitverantwortlich.

Das Hauptaugenmerk liegt darauf, die Präventionskette geschlossen zu halten. Dies bedeutet, dass idealer Weise schon vor der Geburt der erste Kontakt geknüpft wird, der bei Bedarf bis zur Volljährigkeit bestehen bleibt. Die Begleitung junger Mütter ist ein zentrales Thema auch des städteregionalen Netzwerks und des Hebammendienstes. In Eschweiler bietet unter anderem der Sozialdienst katholischer Frauen in der Familienberatungsstelle Hilfen an.

Viele Bereiche überschneiden sich innerhalb des Jugendamtes. Rita Szabo von der Stadt Eschweiler betreut das Netzwerk „Frühe Hilfen – gut starten in Eschweiler“, das unter anderem den Babybesuchsdienst organisiert. Er soll jungen Familien in den ersten Lebensmonaten ihres Kindes zur Seite stehen und Angebote machen. Das Begrüßungspaket enthält aus diesem Grund zahlreiche Informationen und Kontaktadressen.

Das Netzwerk gegen Kinderarmut will spätestens mit dem dritten Lebensjahr der Kinder Hilfen anbieten. In den Arbeitsgruppen „Alleinerziehende“, „Soziales, Gesundheit“ sowie „Bildung“ und „Kultur, Sport und Freizeit“ werden die Hilfen vorbereitet und in der Steuerungsgruppe geregelt. Dies wird auch weiterhin geschehen. „Sämtliche Arbeitsgruppen haben ihre Weiterarbeit zugesichert“, teilte Dorothea Kohlen. Schließlich war lange unklar, wie es nach dem Ende der Landesförderung weitergeht. In den Arbeitsgruppen sitzen hauptamtliche Fachleute und Ehrenamtler an einem Tisch.

Diese enge Verzahlung verschiedener Organisationen trägt Früchte: In den vergangenen zwei Jahren wurden zahlreiche Aktionen auf die Beine gestellt. Und weitere sollen folgen. „Flügelschlag“ will die betriebliche Kinderbetreuung unterstützen, bei Bedarf eine Tausch- und Sammelbörse anbieten, Betroffene bei der Wohnungssuche unterstützen, die Teilhabe an Sport und Kultur ermöglichen, und, und, und.

Auch die Entwicklung der Flüchtlingszahlen lässt die Arbeit des Netzwerks in Zukunft wachsen. Dr. Gabriele Trost-Brinkhues von der Städteregion Aachen spricht schon jetzt davon, dass der Anteil der betreuten Personen mit Migrationshintergrund deutlich steige. Aktuell mache dies ein Drittel der Begleitungen in den Städteregion aus. Die „Sprachförderung“ ist auch ein Aspekt, den das Netzwerk „Flügelschlag“ zu seinen Zielen zählt. Eine „Kochveranstaltung für Flüchtlinge und mit Flüchtlingen“ steht ebenso auf dem Programmzettel.

Bereitschaftsdienst

Das städtische Jugendamt ist in vielen Bereichen schon mit der Thematik beschäftigt. Zum einen mit den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die seit einigen Tagen von der Bundespolizei an der Autobahn 4 aufgegriffen werden, zum anderen auch mit der Betreuung der Kinder, die in der Erstunterkunft Jahnhalle untergebracht sind. In der Feuerwache wurde ein Bereitschaftsdienst eingerichtet, der die Mitarbeiter des Jugendamtes alarmiert, wenn die Inobhutnahme eines Flüchtlings erforderlich ist.

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