Jeden Freitag ruft der Muezzin zum Gebet

Von: Patrick Nowicki
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Besinnung im Gebetshaus: Der Moscheeverein ruft bald jeden Freitagmittag zum Gebet. Foto: Heike Eisenmenger

Eschweiler. Das multikulturelle Leben in der Stadt wird bald durch einen Gebetsruf bereichert. Die Türkisch-islamische Gemeinde Ditib lädt damit jeden Freitagmittag zum Gebet in ihr Haus an der Wollenweberstraße ein. Vor über einem Jahr hat der Moscheeverein bereits den Antrag bei der Stadtverwaltung gestellt. Dem war ein Gespräch mit Bürgermeister Rudi Bertram vorausgegangen.

Die Muslime in Eschweiler folgen damit ihrem Brauch, zum Gebet zu rufen, beschränken sich dabei aber auf einen Ruf in der Woche. „Wir möchten uns am gesellschaftlichen Leben in Eschweiler stärker beteiligen“, teilt Bahri Cifci, Vorsitzender des Moscheevereins, mit. In anderen Kommunen ist der Ruf bereits Alltag. In der Nachbarstadt Stolberg ist der Muezzin seit September 2009 zu hören. Allerdings erklingt der Ruf in der Kupferstadt der Ruf nicht nur an Freitagen, sondern zusätzlich noch an jedem Mittwoch.

Grundsätzlich sind Gebetsrufe in Deutschland durch die Religionsfreiheit geschützt. Allerdings gelten auch für die über Lautsprecher verkündeten Worte des Muezzins die Immissionsschutzgesetze des Landes. Es gilt dort ein Grenzwert am Tag von 60 Dezibel. Dies entspricht in etwa der Lautstärke bei einem normalen Gespräch. Kurze Geräuschspitzen darf es geben, sie dürfen allerdings 90 Dezibel nicht überschreiten – so laut ist ein Dieselmotor in wenigen Metern Entfernung.

Um die Grenzen einzuhalten, hat die Gemeinde selbst eine Prüfung durch einen Gutachter in Auftrag gegeben. Der Bericht liegt seit Juli dieses Jahres den Behörden vor. Die Städteregion ließ einen Limiter in die Lautsprecheranlage einbauen, der die Lautstärke begrenzt. Die Anlage wurde anschließend verplombt. Die Dauer des Gebetsrufes soll drei Minuten nicht überschreiten.

Das Landesimmissionsschutzgesetz war auch Grundlage für die Diskussion um das nächtliche Kirchenläuten in Dürwiß. Dort erklingen die Glocken bekanntlich nicht mehr in der Nacht, nachdem eine Bürgergruppe protestiert hatte.

In den politischen Gremien der Stadt stieß die Anfrage der Moscheevereins auf positives Echo. Auch die Stadtverwaltung legt Wert darauf, dass die Türkisch-islamische Gemeinde „die Rücksicht auf die umliegende Wohnbebauung und die betroffenen Anwohner in den Vordergrund gestellt“ habe. „Auch die Beschränkung, dass nicht täglich zu den traditionellen fünf Gebeten, sondern nur zum Freitagsgebet gerufen wird, verdeutlicht diese Grundhaltung“, schreibt die Verwaltung. Der erste Ruf soll im Dezember erfolgen.

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