Jede Menge Ständchen zum runden Geburtstag

Von: Patrick Nowicki
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Peter Brings von der Gruppe Brings. Foto: dpa

Eschweiler. Wenn Kulturmanager Max Krieger die Eschweiler Jazztage erwähnt, dann nennt er das Festival im Viermaster-Zirkuszelt ein „zartes Pflänzchen”. 20 Jahre später darf man getrost von einem stolzen Baum sprechen, der sich tief in der Kulturszene der Region verwurzelt hat.

Das jährliche Ereignis auf dem Marktplatz am Fuße der St.-Peter-und-Paul-Kirche wuchs als Eschweiler Music Festival (EMF) zu einem Publikumsmagneten. Und das Besondere: Sämtliche Konzerte sind gratis. Sponsoren machen es möglich, dass bekannte Künstler wieder zum Nulltarif bewundert werden können.

In diesem Jahr betritt ein gewisser Phil Bates die Bühne zum Festivalauftakt am Freitag, 17. Juni. Eingefleischte Fans wissen sofort, wer sich dahinter verbirgt. Wer mit diesem Namen nicht sofort etwas verbindet, der wird bei seinen Songs hellhörig: „Roll over Beethoven”, „Telephone Line” und „Sweet Talking Woman” sind international erfolgreiche Hits. Richtig, Phil Bates war Sänger, Gitarrist und Frontmann des Electric Light Orchestras (ELO) in der sogenannten Part-two-Besetzung. Mit seiner Band präsentiert er die ELO-Klassiker zwar nicht so orchestral wie die Originale, aber rockig und direkt. Auf der Bühne hat sich der inzwischen 58-Jährige durch seine temperamentvolle Art und seine ergreifende Stimme ohnehin viele Fans erworben.

Weiter musikalischer Bogen

Das EMF schafft es wieder, einen weiten musikalischen Bogen zu spannen: Dem Oldie-Rock zum Auftakt folgen Reggae und Soul am Festival-Samstag. Verantwortlich dafür zeichnet Nina Alverdes mit ihrer Formation The Magpies. Die Italienerin, die inzwischen in München wohnt, machte sich schon in der Reggae-Szene in ihrem Heimatland einen guten Ruf. Auf ihrem ersten Soloalbum „Primary Necessity” beweist sie, dass sich Temperament und Leichtigkeit durchaus paaren lassen - soulig, unbeschwert und mitreißend.

Schon alte Bekannte in der Region sind Brings. Die Kölschrock-Band feiert wie das EMF in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. „Man müsste nochmal 20 sein”, tönt es dann aus den Boxen auf dem Marktplatz. Am 23. Juli steht die große Geburtstags-Party der Kölner im proppenvollen Rhein-Energie-Stadion auf dem Programm. Die über 5000 Zuhörer beim EMF werden einen Vorgeschmack bekommen.

Peter Brings & Co. setzen die Schlussakkorde hinter dem Festival mit insgesamt 24 Konzerten. Schließlich geht es nach den Hauptkonzerten auf dem Marktplatz am Freitag- und Samstagabend in den Gaststätten der Innenstadt weiter. Die sogenannte Kneipenrallye gehört zum EMF wie die Saiten zu der Gitarre. Regionale Musiker geben dann den Ton an. Rock-Punk mit The Nix, Cover mit Vibe und Black & White - das Angebot ist wieder groß. Die Blueser von Saturday Night Fish Fry sind dann ebenfalls nochmal zu hören. Die Formation um den Indestädter Wolfgang „Wahwah” Wynands zählte schon vor 20 Jahren zu den Akteuren auf der Bühne. Vor Phil Bates heizen sie den Fans mächtig ein. Bei der Kneipenrallye sind sie am Samstagabend in der Gaststätte Der Grieche zu hören.

Vor zwei Jahrzehnten war es noch ein erlesenes Publikum, das die Konzerte verfolgte. Krieger lernte beim Freiburger Musik-Festival die Atmosphäre in einem Viermaster-Zirkuszelt kennen. Dieses Erlebnis war die Initialzündung für die Eschweiler Jazztage, die 1992 an der Preyerstraße Premiere feierten. Natürlich zählte damals Chris Barber zu den Musikern des ersten Festivals. Der Ausnahmekünstler hatte Max Krieger für den Jazz begeistert. Die Freundschaft zwischen den beiden wurde so eng, dass Barber sogar Pate von Kriegers Sohn Moritz wurde. „Er sollte eigentlich nur zur Tauffeier spielen”, schmunzelt der Eschweiler heute. Es wurde eine große Party, zu der auch Peter Herbolzheimer mit seiner Bigband beitrug. Die Saat war gelegt.

Viele Geschichten begleiten das Festival bis heute. So erinnert sich Krieger noch daran, wie er fast von der Polizei abgeführt wurde, weil die Blues Brothers Band überzogen hatte. Der Organisator konnte sich nicht sofort ausweisen, die genehmigte Endzeit war seit zehn Minuten überschritten. Die beiden Ordnungshüter wollten jedoch nicht auf die Bühne schreiten und das Konzert vor den begeisterten Fans abbrechen. Der vermeintliche Disput endete schließlich friedlich. Heute können wohl alle Beteiligten von damals schmunzeln.

Dem Nachwuchs eine Chance

EMF-Organisator Max Krieger legt inzwischen Wert darauf, dass viele Geschmäcker bedient werden, aber auch, dass junge Bands eine Chance bekommen. Gleich fünf Nachwuchsformationen rocken am Festivalsonntag die Marktbühne. Eigentlich müsste man auch die Band Salvadir dazuzählen, denn der Kontakt zu den Schweden entstand durch Fabian Kamp, der seit Jahren Nachwuchsfestivals organisiert und Krieger unterstützt. An einer weiteren Tradition hält EMF-Organisator Max Krieger fest: Der Sonntag beginnt mit dem EMF-Gottesdienst um 10.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Peter und Paul. Dabei wird es ein Wiedersehen und vor allem -hören mit Melba Rai geben.

Mit dem Umzug des Festivals vor elf Jahren auf den Eschweiler Marktplatz verschwand auch das Zirkuszelt. Aber eben auch die Eintrittskarten, denn seitdem sind alle Konzerte kostenlos. Keine Frage also: Der EMF-Baum trägt nach 20 Jahren pralle Früchte.

Die Akteure auf der Marktbühne

Freitag, 17. Juni, 20 Uhr: Saturday Night Fish Fry, 20.30 Uhr Phil Bates & Band

Samstag, 18. Juni, 19.50 Uhr Simon Jonas<, 20 Uhr The Cheer Up Trio, 20.30 Uhr Nina Alverdes & The Magpies

Sonntag, 19. Juni, 13 Uhr: Jugend rockt mit Faraway, Marching Mellows, Ben Fortune, Surrounding, Rockband der Eschweiler Waldschule, 16.30 Uhr Salvadir, 17 Uhr Brings

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