Jede freie Minute gehört „seinem” SCB

Von: Michael Cremer
Letzte Aktualisierung:
robert2_
Ein Vorzeige-Ehrenamtler: Robert Lehambre. „Solange die Gesundheit mitspielt und der Verein mich will, mache ich weiter”, sagt die Gute Seele des SCB-Vereinsheims. Foto: Michael Cremer

Eschweiler. Betritt man das Sportgelände des SC Bewegung Laurenzberg am Dürwisser Ortsrand, dann ist einer mit Sicherheit schon da. Meist kommt Robert Lehambre als erster und geht als letzter.

Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr. Er ist Ehrenmitglied und der gute Geist des Vereinsheims. Ein längeres Gespräch mit ihm ohne Unterbrechungen ist hier im Saal des Sportheims fast unmöglich.

So wie den beiden jungen Damen, die gerade hereinkommen, begegnet er jedem neuen Gast: „Kann ich was für Euch tun?” Diesmal sind es zwei Becher mit heißem Kaffee, die er freundlich auf den Tresen stellt.

Ein andermal eilt er mit dem Schlüsselbund davon, weil irgendeine Tür verschlossen ist, die nicht verschlossen sein sollte. Die 76 Jahre merkt man ihm nicht an. Das mag daran liegen, dass er selbst viele Jahre lang Sport getrieben und immer körperlich gearbeitet hat.

Zugute kommt ihm auch sein ganz spezielles Konditionstraining: Wenn das Wetter und die Zeit es erlauben, legt er den kilometerlangen Weg vom Haus in der Waldsiedlung bis zum Sportplatz am See zu Fuß zurück. Da ist er fit wie der sprichwörtliche Turnschuh.

Geboren ist Robert Lehambre im Januar 1934 in dem kleinen belgischen Ort Kruishoutem in Flandern, auf halbem Weg zwischen Kortrijk und Gent gelegen. Ungewöhnlich: Schon als Heranwachsender ist er Marathon gelaufen. Bis zu seiner Zeit beim Militär.

Das schickte ihn dann 1953 nach Deutschland und in die Donnerberg-Kaserne, wo damals noch belgische Truppen stationiert waren. Soldat war er bis 1955, doch nach Belgien zog es ihn nicht mehr zurück. Längst hatte er seine spätere Frau Luise kennen gelernt, die ihm drei Kinder schenkte: René, Mario und Andrea.

Zunächst arbeitete Robert Lehambre zwölf Jahre lang als Schreiner im Gusswerk Jussen an der Grachtstraße. Während dieser Jahre, von 1955 bis 1967, spielte er Fußball beim SV Nothberg. Und auf welcher Position? „Im Mittelfeld, rechter Läufer hieß das damals noch”, sagt er mit leicht flämischem Akzent, den er nie ganz abgelegt hat. Ob er ein guter Fußballer war? „Naja, konditionell war ich unschlagbar”, lacht er und fügt hinzu: „Fußballerisch wohl eher Mittelmaß.”

Mit dem Fußballspielen war es vorbei, als er zur Fibercast wechselte; auf dem alten Firmengelände an der Feldenendstraße wächst heute Gras, die Gebäude sind längst verschwunden. Im neuen Betrieb schulte er zum Kunststoff-Formgeber um und ging schon bald auf Montage. Die Zeit dafür war damals gut, sagt er. Und hiermit meint er nicht zuletzt die Entlohnung.

„Ich habe Europa und die halbe Welt bereist.” Was wie Urlaub klingt, war Knochenarbeit, und das nicht selten in Schwindel erregender Höhe. Seine Firma hat Anlagen zur Entschwefelung und Entsalzung gebaut, für Kerosin und für Säuren. Die Zeit nach der Wende führte ihn auch nach Osteuropa.

Richtig losgelassen hat ihn der Fußball in diesen Jahren nie. Heute ist der SCB Laurenzberg sein Verein, auch wenn er sich gelegentlich Fußballspiele oder auch Radrennen im Fernsehen anschaut. Arbeit und Bewegung tun ihm gut. Der Vorgarten und der große Garten hinter dem Haus in der Waldsiedlung bieten ausreichend Gelegenheit dazu. Und ab dem Nachmittag ist ja dann Laurenzberg an der Reihe.

Wenn er „Freizeit” hat, dann ist er am liebsten mit den Enkelkindern unterwegs, geht mit ihnen Eis essen, zum Spielparadies oder ins Kino. Opa ist er sehr gerne.

Zum Verein gekommen ist Robert Lehambre über seinen Sohn Mario. Dieser spielte auch beim SV Nothberg, folgte dann aber Trainer Lorenz Derichs Anfang 1983 nach Laurenzberg; damals war der SCB noch an der Sebastianusstraße zu Hause. Robert wechselte ebenfalls und blieb.

Anfangs war er nur Zuschauer, doch nach seiner Pensionierung 1998 engagierte er sich ehrenamtlich im Verein, wurde Platzwart und kümmerte sich um die Gastronomie. Letzteres macht er bis heute, nachdem der Verein 2001 zur neuen Sportanlage umgezogen ist.

Ein Schicksalsschlag traf ihn, die Familie und auch den Verein, als sein Sohn Mario, der einige Jahre Jugendleiter beim SCB war, vor zwei Jahren kurz vor seinem 46. Geburtstag nach schwerer Krankheit starb. Da wollte er nicht mehr, wollte alles hinschmeißen. Doch seine Tochter hat ihn wieder aufgebaut, ihn gebeten weiterzumachen. Diesen Rat hat er sich zu Herzen genommen.

In den Jahren beim SCB Laurenzberg hat er nur drei Wochen gefehlt, da lag er im Krankenhaus. Der Verein mag ihn, schätzt ihn, auch wenn er manchmal „rumknottert”. Da widerspricht er durchaus nicht. „Aber”, schickt er süffisant hinterher: „Meistens mit Grund.” Wolfgang Zuraszek, 2. Vorsitzender des SCB, nennt ihn „die gute Seele des Vereinsheims”.

Wie lange sie den Laurenzbergern erhalten bleibt, ist ungewiss. Seinen Abschied hat er mehrmals angekündigt. „Ich sage immer, dass ich im September aufhöre, nur nicht, in welchem Jahr”, scherzt er. „Solange die Gesundheit mitspielt und der Verein mich will, mache ich weiter.” Und dann greift er sich die beiden Kaffeebecher von eben. Die sind leer. Spülen ist angesagt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert