Jecker Tornado weht durch die Festhalle

Von: vr
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Nahe an der Perfektion: Die „Höppekrötsch“ der Weisweiler Funken begegnen Profi-Tanzgruppen aus Köln auf Augenhöhe. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. Jede Unwetterwarnung kam am Wochenende zu spät, denn der Orkan hatte Weisweiler bereits am Freitagabend erreicht und brachte die Festhalle merklich ins Wanken. Der Tradition verpflichtet, fegte ein Fastelovends-Tornado erster Güte durch die Herrensitzung der KG Lätitia Blaue Funken, die im ausverkauften Saal über vier Stunden lang Musik, Wortwitz und Tanz mit den Stars des kölschen Karnevals bot.

Einen besseren Eisbrecher hätten sich Weisweilers Präsident Marcel Römer und sein Elferrat nicht wünschen können, als „Blötschkopp“ Marc Metzger, der seinem Ruf als „Rampensau“, natürlich im positiven Sinne, wieder alle Ehre machte. Respektlos und frech wirbelte der versierte Karnevals-Comedian über die Bühne der Festhalle und fesselte die bierseligen Herren im Publikum von der ersten Minute an.

Wer neben dem Klamauk eher die feinen, kritischen Töne mochte, sollte wenig später beim Auftritt von Bernd Stelter auf seine Kosten kommen. „Bernie-Bärchen“, seit Jahren Stammgast in Weisweiler, hatte sein neues Programm im Gepäck und feierte damit Premiere. „Wenn du letztes Jahr Lokführer bei der Lufthansa warst, brauchtest du keinen Tag arbeiten.“ Stelter traf mit seinem Jahresrückblick den Nerv der Jecken im Saal, sang von Wowereits Partyzeit und: „Da simmer dabei, dat is prima: Fifa Corrupta.“

„Ich freue mich, eine Tanzformation ansagen zu dürfen, die so gut ist, dass wir hier eigentlich gar keine anderen Gruppen aus Köln mehr brauchen“, Präsident Marc Römer konnte zu Recht stolz auf seine „Höppekrötsch“ sein, die wieder einmal atemraubende Akrobatik boten, wobei die „Blue Dance Girls“ später mehr auf den Showeffekt setzen sollten und sich als Rammsteins „Engel“ auf den „Highway to hell“ wagten. Dennoch war der tänzerische Höhepunkt ganz deutlich der Auftritt des „Tanzcorps Seiner Tollität Luftflotte“ aus Köln: Hier enterten halt Profis die Bühne. Die Weisweiler Tanzformationen müssen sich dahinter allerdings wahrhaft nicht verstecken.

Als dritter Redner zu vorgerückter Sitzungsstunde hatte es Jürgen Beckers sicher nicht leicht, doch der „Hausmann“ blieb gewohnt gelassen und berichtete über geistreiche Dialoge mit seiner besseren Hälfte: „Wir müssen mehr miteinander reden, lieber Jürgen. – Ja, dafür müsste ich aber dann auch ab und zu mal zu Wort kommen!“ Außerdem verriet Beckers, dass er sehr gerne zu den Weisweiler Sitzungen komme und dabei immer auf einen bewährten Trick zurückgreife: „Woran ich merke, dass heute hier Herrensitzung ist? Ganz einfach: Der Präsident ist nüchtern.“

Was wäre eine Herrensitzung in Weisweiler ohne kölsche Musik? Nach dem umjubelten Auftritt der „Domstürmer“ mit „Mach dein Ding“ und „Meine Liebe, mein Stadt, mein Verein“ gelang Micky Brühl und seiner Band tatsächlich noch das Kunststück, dies auf dem Stimmungsbarometer noch zu toppen. Neben den Hits „Schön ist das Leben“ und „Mädche, nemm mich en dr Ärm“ sorgte die Ballade „Zo Fooss noh Kölle jonn“ aus dem neuen Album „Von vorne“ für einen Gänsehautmoment im Saal.

Mit weniger leisen Tönen aber dafür umso mehr Bühnen- und Saalkilometern ließ der personifizierte Wahnsinn dann später am Abend die Weisweiler Festhalle noch einmal so richtig rocken: Tim Toupet stand keine Sekunde still und erfreute sein Publikum mit Ballermann-Hits à la „Tote Enten“ und „Allee, Allee“, bevor auch er mit einem Karnevals-Medley schloss und eine wunderbare Überleitung zum Fanfarentrompetercorps „Die Weisweiler“ unter der Leitung von Dietmar Krauthausen bilden sollte, das mit einem Rock-Finale eine kurzweilige und stimmungsgeladene Herrensitzung in Weisweiler zu krönen wusste.

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