Jecke können‘s nicht mehr abwarten

Von: ran
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Das lange Proben hat sich gelohnt: Die Tanzgarde der KG Onjekauchde präsentierte beim Röher Sessionsauftakt einen gelungenen Auftritt. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. Sie sind einfach ihrer Zeit voraus, die indestädtischen Karnevalisten! So gelingt es ihnen auch bereits im Oktober, Säle zu füllen. Während die „Jecken“ der KG Onjekauchde Röhe nämlich am Samstag ihren offiziellen Sessionsauftakt feierten, hatten die Verantwortlichen der KG bereits für Donnerstagabend zur Herrensitzung in die Mehrzweckhalle der Grundschule geladen.

 Und hunderte gut gelaunte Herren fanden trotz unheimlicher Helloween-Vorgänge auf den Straßen den Weg. Sie wurden von einem echten und frischgebackenen „Schluckspecht“ in Person von Präsident Albert Schönenborn mit einem donnernden „Rüüüh Alaaf“ begrüßt.

Kurz zuvor waren die Uniformierten zu klingendem Spiel einmarschiert. Das Onjekauchde-Tanzpaar Lea Pfeiffer und Oliver Broschk brach mit einem temperamentvollen und dynamischen Auftritt gleich das Eis, bevor sich das Trommler- und Pfeiferkorps Eschweiler-Röhe unter der Leitung von Markus Nussauer fordernd zeigte. „Schenk mir dein Herz“ und „Schatzi, schenk mir ein Foto“ lauteten die musikalischen Wünsche der Instrumentalisten. Einen Augenschmaus voller Charme und Anmut präsentierte zum Abschluss des Onjekauchde-Blocks dann Tanzmariechen Denise Schumacher. Lautstarker Applaus begleitete die „Onjekauchden“ beim Ausmarsch.

Über erhebliche Probleme mit seiner Familie musste wenig später „Tulpenheini“ Roland Paquot berichten. So könne die Antwort auf die Frage seiner Schwiegermutter, ob ihm das von ihr gekochte Essen schmecke, nur lauten: „Suchst du schon wieder Streit?“ Opa leide darüber hinaus an einem Tinnitus im Auge und sehe nur Pfeifen. Auch auf den Unterschied zwischen Karstadt und Alemannia Aachen machte der Belgier seine Zuhörer aufmerksam: „Beide sind pleite, aber Karstadt hat die bessere Sportabteilung.“

Südländisches Flair versprühte die Showtanzgruppe der KG „De Wenkbülle“ aus Stolberg-Donnerberg. Die sieben Damen und drei Herren begeisterten mit akrobatischen Hebefiguren und wurden nicht ohne Zugabe entlassen.

„Der Sitzungspräsident“ Volker Weininger, der sich einst im Kaiserdom zu Aachen selbst zum Präsidenten krönte, schwelgte dann in längst vergangenen Zeiten, in denen er die angehenden Fastelovendsjecken, die in den Verein eintreten wollten, zum „Vortrinken“ antreten ließ. „Heute dagegen wird jeder aufgenommen, der beim zweiten Versuch ein Bier von einer Tasse Kaffee unterscheiden kann“, konnte er nur noch mit dem Kopf schütteln. Doch es gebe Hoffnungsschimmer: „Der Deutsche geht nur am Rosenmontag, beim Castor und wegen Stuttgart 21 auf die Straße. Mit anderen Worten: Wenn d´r Zoch kütt.“ Zu ausgelassen wollte er aber dann doch nicht werden. Wobei: „Selbst im Karneval muss ein kleiner Witz erlaubt sein“, bat Volker Weiniger seine Zuhörer, die ihm stehend applaudierten, um Verständnis.

Mit Heinz Ganss alias „King Size Dick“ eroberte dann ein Träger der Willi-Ostermann-Medaille, der höchsten Auszeichnung im Kölner Karneval, die Bühne. Und der 70-jährige Sänger ließ sich nicht lumpen und brannte mit Titeln wie „Am Dom zu Kölle“, „Och, wat wor dat fröher schön doch in Colonia“, natürlich „Linda Lou“, „Kölle am Rhing“ (zur Melodie von „New York, New York“) und „Am Rhing ben ich jebore“ ein musikalisches Feuerwerk ab.

Seine zweite Visitenkarte in Röhe gab „Manni, der Rocker“ ab. Er zeigte sich zunächst erfreut, endlich wieder auf einer „vernünftigen Kostümsitzung“ auftreten zu können. „In dieser Session scheint der kaufmännische Angestellte der Renner zu sein“, stellte er fest, um anschließend in die Runde zu fragen, wie man Doofe neugierig bekomme. „Erzähle ich euch das nächste Mal“, vertröstete er. Sein kürzlich erlittener Motoradunfall sei übrigens auf ein unglückliches Zusammenspiel von Aquaplaning und Aquavit zurückzuführen gewesen.

Einen weiteren Höhepunkt der Herrensitzung bot die „Große Tanzgarde“ der KG Onjekauchde. Für die 20 von Sinnita Deutschle trainierten Tänzerinnen war die Bühne der Mehrzweckhalle fast zu klein, als sie zu Klängen von „Piraten“ und „Mach dein Ding“ wirbelten und das Publikum zu enthusiastischem Beifall herausforderten.

Dass auch Mönchengladbacher hervorragend kölschen Fastelovend präsentieren können, stellte die Mundartgruppe „De Dröpkes“ unter Beweis. Das Sextett vom Niederrhein verbreitete nicht nur mit „Buenos Dias, Matthias“ Amore und Sonnesching im Saal und ließ seinen glänzenden Auftritt mit „An Tagen wie diesem“ würdig ausklingen.

Ihr Bewegungstalent brachten anschließend die neun Damen und drei Herren der Husarentanzgruppe „Klömm erop“ der KG Prinzengilde Bergrath beeindruckend zur Geltung.

Da wollten die „United Dancers“ aus Eschweiler keinesfalls nachstehen: In sehenswerten Kostümen brillierte die aus mehr als 20 Tänzerinnen und Tänzern bestehende Formation mit einer anspruchsvollen Choreographie zu teils dramatischen Klängen von „Fluch der Karibik“, „Shadows of the night“, „Carmina Burana“ und „Insomnia“.

Einen wahrlich außergewöhnlichen Schlusspunkt setzte schließlich, nachdem der November angebrochen war, die aus 14 Musikern bestehende Showband „Die Mennekrather“ aus Erkelenz, die neben Karnevals-Ohrwürmern auch deutschen Schlager und Popmusik auf hohem Niveau präsentierte.

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