Jazzgitarrist Haunschild entführt in eine Traumwelt

Von: vr
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Frank Haunschild besitzt die Gabe, seine Gefühle in Melodien zu wandeln und sich immer wieder neu zu erfinden, was der „Saitensprünge“-Reihe ein ungewöhnliches Konzert bescheren sollte. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. Er bezeichnet sich selbst als unheilbaren Romantiker. Egal, ob nach durchzechtem Wochenende oder einem Mittagsschläfchen, immer wenn Frank Haunschild instinktiv zu seiner Gitarre greift, wandeln sich seine Gefühle, Ängste und Träume in Melodien und werden Ausdruck seiner tiefen Zuneigung zur Musik, vor allem zum Jazz.

„In Jazzkreisen kann man nur mitreden, wenn man dort gewesen ist - ich war noch nicht da“, nicht vom Talbahnhof war die Rede, als der Professor für Jazzgitarre an der Musik-Hochschule in Köln, die kleine Bühne am Freitag betrat und seinen Song „Rio New York Rio“ ankündigte.

Mit dem ihm eigenen zurückhaltenden, augenzwinkernden Charme entführte der international renommierte Jazzgitarrist die „Saitensprünge“-Freunde auf eine Traumreise durch fabelhafte Melodiewelten. „Say goodbye“ habe er zum Tod eines guten Freundes geschrieben, ein melancholisches und doch zum Aufbruch animierendes Stück, dem dann der Jazz-Standard „All the things you are“ in Haunschild‘scher Interpretation folgt.

„Abercrombie‘s waltz“, der Song zum Geburtstag seines Bühnenpartners John Abercrombie, leitet über zum Blues „Blue Monday“, bevor „Good afternoon“ mit zwei grundverschiedenen Stimmungen den Zuhörer regelrecht wach rüttelt. „Funky“ kann Frank Haunschild ebenfalls, zu erleben bei „City lights“, inspiriert durch die nächtliche Skyline Frankfurts.

Der Deutsch-Amerikaner gab am Freitag im Talbahnhof einen kleinen Einblick in sein großes künstlerisches Können und ließ erahnen, weshalb er einer der angesehensten Jazzgitarristen und gefragtesten Dozenten Deutschlands ist. Dabei nimmt sich Haunschild nicht so ernst, wie diese Titel klingen, wenn er sagt: „Free Jazz – das ist, wenn das Hören anstrengend ist, aber das Spielen unheimlich viel Spaß macht“.

Nach einem abwechslungsreichen Konzert hatte der Gitarrist, der bereits zahlreiche Workshops geleitet hat, noch einen Klassiker per Zuruf aus dem Publikum im Angebot: „Summertime“, ein besonders im Hinblick auf die schweißtreibenden Temperaturen im Talbahnhof mehr als passender Abschluss.

Haunschild schloss sein Studium der Jazzpädagogik und die künstlerische Ausbildung mit dem Hauptfach Jazzgitarre an der Musikhochschule Köln (1981 bis 86) mit der künstlerischen Reifeprüfung ab. Ab 1988 unterrichtete er als Professor für Jazzgitarre an der Hochschule für Musik in Köln und in den 2000er Jahren außerdem als Dozent für Theorie und Gehörbildung an der Jazz & Rock Schule Freiburg.

Seine bevorzugten Unterrichtsfächer sind Jazzgitarre, Improvisation, Ensembleleitung sowie Jazz-Harmonielehre und -Gehörbildung. Haunschild arbeitet als Solist und in verschiedenen Duo-Projekten mit John Abercrombie, John Stowell, Tom van der Geld und Norbert Gottschalk.

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