Jasmin aus Syrien: „Deutsch lernen macht jede Menge Spaß“

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
11534481.jpg
Junges Familienglück: Jasmin mit ihrem Mann Dammam und der Tochter Amar. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Von 2013 bis 2014 haben wir einen Integrationskurs der Volkshochschule begleitet und dabei zwei Personen in den Mittelpunkt gestellt: Nico aus Rumänien und die Syrerin Jasmin. Beide machten damals schnell Fortschritte und im Sommer 2014 stand die Abschlussprüfung an.

Nico hielt damals das Zertifikat über die bestandene Prüfung mit einem Lächeln in der Hand. Jasmin war nicht dabei. Sie hatte den Kurs abgebrochen und war zu dieser Zeit zurück in Syrien. Jetzt ist sie wieder in Eschweiler. In den vergangenen 18 Monaten hat sich viel getan, wie sie uns bei einem Besuch verraten hat.

Reise in die Türkei

Jasmin ist nämlich nicht mehr alleine. Als sie die Wohnungstüre öffnet, lächelt sie. Hinter ihr steht ihr Ehemann Dammam, der die im vorigen Mai geborene Tochter Amar trägt.

2014 verlässt sie Deutschland wieder, um ihr Studium in Syrien zu beenden. Ein Semester fehlt ihr zu diesem Zeitpunkt nur noch bis zum Abschluss des BWL-Studiums. Sie schafft den Abschluss und auch sonst tut sich in Syrien noch einiges.

Sie heiratet ihren Freund und um ihn mit nach Deutschland nehmen zu können, nimmt Jasmin eine weitere Reise auf sich. Das Visum muss sie in der Türkei beantragen, da es in Syrien keine deutsche Botschaft gibt.

Anfang 2015 – Jasmin ist inzwischen schwanger – kommt sie alleine nach Deutschland, einen Monat später reist ihr Mann hinterher. Er hat ebenfalls studiert und ist Kommunikationsingenieur.

Gleich nach der Ankunft reicht das frisch vermählte Ehepaar die syrischen Zeugnisse ein. „Wir wollen beide hier in unseren Berufen arbeiten“, sagt Jasmin, die ihre Brötchen während des Integrationskurses in einem Schnellrestaurant verdiente. Eine Zeit, die ihr auch half, die deutsche Sprache besser zu lernen. Das Ehepaar wartet gespannt darauf, was von ihren Abschlüssen in Deutschland anerkannt wird. Den Rest wollen beide an der Uni nachholen.

Der 26 Jahre alte Dammam spricht bereits ein paar Worte Deutsch, er lernt die Sprache wie seine Frau in der Volkshochschule. Die deutsche Sprache mache ihm jede Menge Spaß, verrät er mit einem Lächeln. Und sie sei leichter zu lernen als Englisch.

In Syrien hat Dammam Fußball gespielt und er überlegt, ob er sich vielleicht auch in Eschweiler einem Verein anschließt. Derzeit kickt er einmal pro Woche mit ein paar Freunden in der Soccerhalle in Weisweiler. Sein Lieblingsverein ist Real Madrid.

Für die 28-jährige Syrerin geht es ab März auch wieder zur Volkshochschule. In einem Orientierungskurs wird sie die deutsche Sprache, die ihr inzwischen sehr gut über die Lippen geht, vertiefen.

Jasmins Eltern leben bereits seit einiger Zeit in Eschweiler. Ihr Vater betreibt an der Grabenstraße ein Geschäft für Im- und Export. Dammam träumt davon, seine Eltern ebenfalls nach Deutschland zu holen, aber er weiß noch nicht wie. Sein jüngerer Bruder ist bereits in der Indestadt. Als Flüchtling ist er aus Syrien gekommen und lebt zurzeit in der Unterkunft in Weisweiler.

Das Leben in der Indestadt gefällt dem jungen Eschweiler Ehepaar sehr gut. In Syrien haben die beiden in Hama gelebt, einer Millionenstadt. Das beschaulichere Leben genießen sie nun sehr. „In Deutschland wird armen Menschen geholfen. Auch wer nicht so viel Geld hat, kann hier studieren“, lobt Dammam. Er geht davon aus, dass er noch zwei bis drei Jahre Deutsch lernen muss, bis er die Sprache richtig gut beherrscht.

Krieg in der Heimat

Natürlich vergessen die beiden den Krieg in der Heimat zu keiner Zeit. „Den Menschen dort geht es sehr schlecht. Viele haben kein Essen und nichts zu trinken“, hatte Jasmin bereits 2013 berichtet. Von Toten im Bekanntenkreis berichtet sie jetzt. Aus der Familie habe es bislang glücklicherweise niemanden getroffen.

Und was ist mit der fünften Jahreszeit? „Karneval ist sehr schön“, sagt Jasmin und lächelt. Auf die Frage, ob sie weiß, dass der Prinz aus ihrem neuen Heimatort Röhe kommt, antwortet sie wie selbstverständlich mit einem „Ja, das weiß ich!“ Im Fall von Eschweiler heißt das wohl: Die Integration ist gelungen...

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert