Jahresrückblick: Todesfälle werfen einen Schatten auf die Stadt

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Flüchtlinge waren auch in Eschweiler ein dominierendes Thema: Die Jahnhalle wurde zur Erstaufnahmestelle.
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Ein 39-Jähriger stirbt nach einer Messerattacke vor dem Amtsgericht.
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René Schönenborn und Daniel Asara starten als zukünftige Narrenherrscher in die Session.
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Heinz Jussen setzt sich für die Völkerverständigung ein und erhielt im Oktober den Europäischen Sozialpreis.
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Nicht immer strömen die Massen in die Innenstadt wie auf unserem Foto beim Tag des Karnevals: Das Einzelhandelskonzept und ein noch zu bestellender Citymanager sollen helfen, die City für die Zukunft zu rüsten.

Eschweiler. Die zweite Jahreshälfte entwickelt sich zu einem Wechselbad der Gefühle in Eschweiler. Sechs schreckliche Todesfälle werfen einen Schatten auf die Stadt. Zweimal werden Menschen Opfer eines Verbrechens. Die Flüchtlingswelle erreicht die Stadt. Die Übersicht:

Juli

Ertrunken: Der Ausflug an den Blausteinsee endet für einen 50-jährigen Würselener tödlich. Der Mann will zunächst mit einem Begleiter zu einer Boje schwimmen, kehrt auf halber Strecke dann alleine zurück. Allerdings kam er nie am Ufer an. Taucher können den Mann Stunden später aus etwa viereinhalb Metern Tiefe und 50 Meter vom Ufer entfernt nur noch tot bergen.

Historisch: Jahrhundertealte Mauern machen in Eschweiler einen einfachen Kanalbauversuch zu einem archäologischen Abenteuer: Vor dem Haupteingang des St.-Antonius-Krankenhauses wurden Blausteinplatten und Mauerreste der „Kaffeemöll“ und darunter Mauerreste der Eschweiler Burg, geschätzt auf das 12./13. Jahrhundert, freigelegt.

Belastet: Wer an einer Hauptverkehrsstraße in Eschweiler wohnt, muss ganz viel Lärm ertragen. Gleiches gilt auch an der Bahnstrecke Köln-Aachen. Der Lärmaktionsplan der Stadt zeigt im Detail, wo welche Lautstärkewerte errechnet wurden. Die Betroffenen können daraus jedoch keinen Rechtsanspruch für Schallschutz ableiten, denn das Verfahren ist äußerst kompliziert.

Verurteilt: Ein 32-jähriger Indestädter wird zu 14 Monaten Haft verurteilt. Er hat es auf Metall-Regenrohre an Häusern im Kreis Düren abgesehen, um seine Drogensucht zu finanzieren.

Abgerissen: Ein Abrissunternehmen macht die ehemaligen Prysmian-Gebäude dem Erdboden gleich. Das Areal soll überplant werden: Unter anderem entsteht dort in Zukunft ein größerer Baumarkt.

August

Gedreht: Das gemeinnützige Unternehmen „Nocase“ erstellt Filme, in denen Menschen mit Handicap im Vordergrund stehen. Die neue Filmreihe heißt „Leicht Gezeigt“.

Untergebracht: Die Jahnhalle wird zur Erstunterkunft für bis zu 150 Flüchtlinge. Binnen weniger Tage werden Sanitärcontainer, Feldbetten und Abtrennungen aufgestellt. Zuvor informiert die Stadtverwaltung in einer Bürgerversammlung.

Eingezogen: Die Bundespolizei nimmt ihre Arbeit an der Rue de Wattrelos auf. Von dort aus überwachen die Beamten die Autobahnen mit den Grenzübergängen. Monatelang war der Umzug in die ehemalige Wache der Autobahn in der Schwebe.

Geschützt: 195 Gebäude in der Indestadt gelten als Baudenkmäler. Der Arbeitskreis 6 des Eschweiler Geschichtsvereins will die Aufnahme weiterer Gebäude vorantreiben.

Tötung: Ein 29-Jähriger aus Eschweiler stirbt bei einem Tötungsdelikt. Ein 38 Jahre alter Familienvater und seine 30-jährige Frau sowie ein 26 Jahre alter Bekannter stehen im Verdacht, ihn in einen Hinterhalt an der Inde gelockt und dort mit einem Totschläger und einem Messer ermordet zu haben.

Pläne: Die Stadt will kräftig in neue Kindertagesstätten investieren. Auf dem Ringofen-Gelände und auf dem Areal der ehemaligen Hauptschule Dürwiß sollen neue Kitas gebaut werden. Zum Start des Kindergartenjahres stehen in Eschweiler 1722 Betreuungsplätze in Einrichtungen zur Verfügung, 326 davon sind für Kinder im Alter von unter drei Jahren vorgesehen.

Anzeige: Ein anonymer Hinweis veranlasst den Bürgermeister Rudi Bertram, Wirtschaftsprüfer zu beauftragen, die Wirtschaftsbetriebe Eschweiler unter die Lupe zu nehmen. Die Lage sei wirtschaftlich „desaströs“, heißt es. Mitarbeitern mit Zeitverträgen wird gekündigt. Der in dem Schreiben geäußerte Vorwurf gegen den Geschäftsführer Manfred Knollmann erhärtet sich nicht.

September

Untersucht: Das neue Einzelhandels- und Zentrenkonzept für die Stadt Eschweiler der deutschlandweit agierenden Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) deckt bekannte Probleme auf, fördert allerdings auch optimistisch Stimmendes zutage: Eschweiler als Einkaufsstadt hat Zukunft, auch weil in umliegenden Städten Geschäfte wegbrechen.

Eingeführt: Michael Datené leistet sein Glaubensbekenntnis sowie den Amts- und Treueeid in der voll besetzten Kirche St. Peter und Paul. Er übernimmt die Nachfolge von Dr. Andreas Frick als Leiter der größten katholischen Gemeinde Eschweilers.

Erschreckend: Immer mehr Kinder in Eschweiler geraten in die Armutsspirale. Dr. Gabriele Trost-Brinkhues von der Städteregion Aachen sprach von 142 Neugeborenen aus Eschweiler im vergangenen Jahr, deren Eltern Arbeitslosengeld II beziehen. Bei einem Schnitt von jährlich etwa 450 Geburten bedeutet dies: Jedes dritte Neugeborene in Eschweiler ist von Hartz IV abhängig. Obwohl die Förderung des Landschaftsverbands ausläuft, bleibt das Netzwerk „Flügelschlag – starke Kinder an der Inde“ bestehen.

Aufgefahren: Bei einem Auffahrunfall auf der A4 kurz hinter der Raststätte Aachener Land stirbt ein 36 Jahre alter Lkw-Fahrer. Wie die Polizei erklärte, sei der Mann auf einen anderen Lastwagen aufgefahren, der aufgrund eines kurzen Rückstaus gestanden habe.

Engagiert: Hans-Cornel Dohmen, besser bekannt als „Männ“, feiert seinen 80. Geburtstag mit zahlreichen Weggefährten aus Karneval und Sport.

Tragisch: Beim Willkommensfest für Flüchtlinge am Eschweiler Blausteinsee stirbt am Mittwochnachmittag ein dreijähriger Junge aus dem Irak. Er war von einem umkippenden Blumenkübel am Kopf getroffen worden. Später ordnet die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren an.

Trauer: Der Komponist und Kirchenmusiker Franz Surges stirbt im Alter von 57 Jahren. Wie die Pfarre mitteilt, hatte er Ende August einen Stromunfall erlitten.

Hoffnungsträger: Thomas Schlenter wird von der CDU Eschweiler zum neuen Stadtverbandsvorsitzenden gewählt. Er löst Willi Bündgens ab, der jedoch an der Spitze der Fraktion bleibt.

Loch: Dass sich eine Zusatzeinnahme nicht automatisch am Ende positiv bemerkbar macht, kann man im Stadtetat für das Jahr 2016 lesen, den die Verwaltung vorlegt. Statt des ursprünglich geplanten leichten Plusbetrags verbucht sie im ersten Entwurf ein Minus in Höhe von etwa 10,5 Millionen Euro. Das Minus hängt – wie schon einige Male in Jahren zuvor – mit einer Gewerbesteuernachzahlung der RWE zusammen. 15,6 Millionen Euro überwies der Essener Konzern an die Stadt Eschweiler. Dadurch schrumpfen die Schlüsselzuweisungen im kommenden Jahr um 11,2 Millionen Euro.

Oktober

Wachwechsel: Gerhard Hofmann räumt den Chefsessel im Weisweiler Kraftwerk für Andreas Schöddert. Seit 2006 stand der Wahl-Langerweher an der Spitze der RWE-Betriebsstätte.

Sozialpreis: Der Friedensfackellauf „Flame for Peace“ im Jahr 2014 steht sinnbildlich für das Engagement, das Heinz Jussen seit weit mehr als zwei Jahrzehnten leistet. Denn der gebürtige Jülicher hat sich seit Anfang der 90er Jahre mit ganzem Herzen der Friedens- und Verständigungsarbeit auf dem Balkan verschrieben. Für seinen unermüdlichen Einsatz wird er von den Verantwortlichen des Europavereins Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft (GPB) mit dem „Europäischen Sozialpreis zu Eschweiler“ ausgezeichnet.

Traumergebnis: Zwei Onjekauchde stehen an der Spitze des Eschweiler Karnevals in der neuen Session. Der Prinzenwahlausschuss votiert einstimmig für René Schönenborn als zukünftige Tollität. Er wird mit Daniel Asara als Zeremonienmeister im Mittelpunkt der Fünften Jahreszeit stehen.

Freundschaft: Zu einem Fest der Freude lädt Dominique Baert, Bürgermeister der Stadt Wattrelos, seine Freunde aus der Indestadt ein. Der Grund: Seit mittlerweile 40 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen den beiden Städten, die weitaus mehr ist als ein Austausch auf politischer Ebene. Bereits im Mai fand im Eschweiler Rathaus ein Festakt statt.

Drama: Eine schreckliche Bluttat ereignet sich vor dem Nebengebäude des Eschweiler Amtsgerichtes an der Peter-Paul-Straße. Ein 39 Jahre alter Mann wird vor dem Eingang mit einem Küchenmesser von seiner 37 Jahre alten Ehefrau niedergestochen und erliegt seinen Verletzungen später im Krankenhaus. Das getrennt lebende Paar war zu einen gemeinsamen Gerichtstermin geladen.

Geburtstag: Bürgermeister Rudi Bertram feiert seinen 60. Geburtstag mit Freunden und Weggefährten. Seit 1999 ist der Bergrather der gewählte Verwaltungschef.

Zeugnis: Nur eine der 33 städtischen Brücken ist in sehr gutem Zustand. Zu diesem Ergebnis kommt das Ingenieurbüro Thormählen und Peukert aus Aachen, Sieben Bauwerke werden mit „nicht ausreichend“ bewertet und müssen bald saniert werden.

Zank: Seit Monaten feilschen die Stadt Eschweiler und die Bezirksregierung um den Luftreinhalteplan für Eschweiler. Im Oktober prescht die Kölner Behörde vor und kündigt eine Umweltzone für Eschweiler an, die schon am 1. Januar 2016 in Kraft treten soll. Die Stadt reagiert in einer Stellungnahme scharf.

Festnahme: Nach mehreren bewaffneten Raubüberfällen auf Lebensmitteldiscounter in der Städteregion nimmt die Polizei zwei Tatverdächtige fest. Ein 20-Jähriger ohne festen Wohnsitz wird in einem Hotel an der Kochsgasse von Spezialeinsatzkräften der Polizei festgenommen. Auch sein 44-jähriger Eschweiler Komplize geht in Haft. Er soll das Fluchtfahrzeug geführt haben,

Wohnungsnot: Der SkF schlägt Alarm, weil kaum noch günstige Wohnungen zu finden sind. Wenige Wochen später kündigt Bürgermeister Rudi Bertram an, dass die Stadt in sozialen Wohnungsbau investieren werde.

Zeltstadt: Auf dem Appellplatz der Donnerberg-Kaserne wird eine Erstunterkunft für 500 Flüchtlinge eingerichtet. Die Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier (Stolberg) und Rudi Bertram (Eschweiler) haben sich in den vergangenen Monaten immer wieder dafür eingesetzt.

November

Auftakt: Tausende flanieren beim „Tag des Karnevals“ durch die Innenstadt. Frühlingshafte Temperaturen locken zahlreiche Gäste an und lassen die Kassen der Einzelhändler klingeln. Auf der Bühne an der Marienstraße bestehen René Schönenborn und Daniel Asara ihre Feuertaufe.

Lehmlinse: So heißt der Verursacher zahlreicher Schäden am Amtsgericht an der Kaiserstraße. Rund 800 000 Euro investierte der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW in die Sanierung des Gebäudes, das im Jahr 1907 errichtet wurde.

Schunkelmeer: Zum Elften im Elften verwandelt die Jupp-Carduck-Gesellschaft den Marktplatz in ein Tollhaus. Hunderte Jecke feiern den offiziellen Sessionsstart.

Jungfernflug: Der Hubschrauberlandesplatz auf dem St.-Antonius-Hospital ist fertiggestellt. Nach Angaben des Krankenhauses kostete der Bau 2,2 Millionen Euro.

Terrorangst: Nach den Anschlägen in Paris wächst die Nervosität. In Eschweiler wird der Regionalexpress gestoppt und der Hauptbahnhof evakuiert. Ein herrenloser Trolley im Gepäcknetz ruft das Sprengstoffteam auf den Plan, das am Ende Entwarnung gibt.

99 Luftballons: Nena, Ikone der Neuen Deutschen Welle, macht Station in der Dürwisser Festhalle. Die Fans sind begeistert. Im Sommer 2016 gibt es ein Wiedersehen auf dem Marktplatz.

Entscheidung: Die Mehrheit im Stadtrat spricht sich dafür aus, einen hauptamtlichen Citymanager zu installieren. Er soll Einzelhandel und Citymanagement-Verein unterstützen.

Dezember

Unterkunft: Im ehemaligen Gemeindezentrum St. Michael werden künftig mindestens 20 minderjährige Flüchtlinge vom Haus St. Josef für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe untergebracht.

Schieflage: Drastische Auftragsrückgänge machen das ESW-Röhrenwerk zahlungsunfähig. Das Unternehmen will sich in Eigenverwaltung sanieren. 300 Arbeitsplätze sind betroffen.

Zankapfel 1: Der geplante Windpark nördlich von Fronhoven könnte ein Thema für Gerichte werden. Anwälte monieren, dass die Stadt mit dem B-Plan Flächen für Windräder ausschließt, die der Flächennutzungsplan ermöglichen würde.

Zankapfel 2: Der Streit um die Umweltzone geht in die finale Phase. Die Stadtverwaltung legt der Bezirksregierung dezidiert ihre Argumente vor, die selbst von Umweltverbänden geteilt werden.

Haushalt: Vier Stunden dauert die entscheidende Ratssitzung, dann ist der Etat 2016 mit einem prognostizierten Minus in Höhe von etwa 9,5 Millionen Euro verabschiedet.

Feuer: Bei einem verheerenden Brand in Kinzweiler stirbt der Hausbewohner. Die Feuerwehr verhindert, dass die Flammen auch die benachbarten Häuser entzünden.

Budenzauber: Der Weihnachtsmarkt lockt zahlreiche Menschen an und erntet viel Lob. Der Citymanagement-Verein verspricht eine Fortsetzung im nächsten Jahr.

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