Jahnhalle bis Frühjahr Erstunterkunft

Von: Patrick Nowicki
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Das Hab und Gut in wenigen Tüten und Koffern: Bis mindestens Frühjahr des nächsten Jahres wird die Jahnhalle als Erstunterkunft für Flüchtlinge dienen. 150 Feldbetten stehen dort bereit. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Die nach Eschweiler schwappende Flüchtlingswelle fordert erste Konsequenzen. Die ursprünglich geplante Sanierung der Unterkünfte an der Gracht­straße ist auf Eis gelegt. Dies teilte der Beigeordnete und Sozialdezernent Stefan Kaever mit.

Die Häuser sollen allerdings baulich verbessert werden. Dies ist erst möglich, wenn die neue Unterkunft am Stich öffnet. Dann könne man die Wohnungen in der Grachtstraße leeren und sanieren.

Die Jahnhalle bleibt mindestens bis zum Frühjahr 2016 Erstaufnahmestelle des Landes. Im Rathaus rechnet man damit, dass die dort eingerichteten 150 Plätze für die Erstunterbringung mittelfristig nicht ausreichen werden.

„Es kann noch mal sein, dass wir im Rahmen des Amtshilfeersuchens noch einmal in Anspruch genommen werden“, sagt Kaever. Für einen solchen Fall denke man über die Halle des Berufskollegs nach.

Die Einrichtung in der Jahnhalle führt aktuell dazu, dass sich die Lage in den städtischen Unterkünften etwas entspannt. Aktuell werden nämlich keine weiteren Flüchtlinge mehr gebracht, die für die Dauer ihres Asylverfahrens in Eschweiler bleiben.

„Dies gibt uns Gelegenheit, etwas Luft zu holen“, berichtet Kaever. 300 Menschen sind in den Unterkünften an der Severin-, Gracht- und Hüttenstraße beherbergt. Weitere 30 Personen befinden sich in einem Gebäude am RWE-Kraftwerk. Spätestens Ende Oktober soll zudem die neue Unterkunft an Stich 30 bezugsfertig sein.

„Wir rüsten also für den Fall, dass wir wieder Zuweisungen bekommen“, sagt der Dezernent. Dies ist nach den aktuellen Zahlen nämlich durchaus wahrscheinlich.

Die Abläufe an der Jahnstraße sind inzwischen eingespielter. Kaever räumte ein, dass man noch lernen und Erfahrungen sammeln müsse. „Für uns war es eine neue Situation“, gesteht er. Im Lernprozess habe es „Unebenheiten“ gegeben. Er sprach damit die Kritik mancher Ehrenamtler an, dass deren Hilfe nicht sofort angenommen worden sei.

„Wir befinden uns in einem Lernprozess, aber brauchen auch das Ehrenamt“, betont er. Man wolle die Helfer jedoch nicht überfordern, denn die Freiwilligen benötigten einen langen Atem, spielt er auf den sicherlich noch dauernden Flüchtlingsstrom an.

In der Jahnhalle hat der erste Wechsel inzwischen stattgefunden. Zwei Wochen nach der ursprünglichen Planung, was die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung nicht überraschte. Vor einer Woche wurden 100 Flüchtlinge nach Dortmund gebracht, wo sie den Asylantrag stellten.

Seit Montag wurden die Menschen anderen Kommunen zugewiesen. Am Donnerstag befanden sich noch 78 Menschen in der Sporthalle, allerdings kamen am Freitag die nächsten Flüchtlinge an, die übergangsweise in Eschweiler erfasst, untersucht und untergebracht werden.

Finanziell wurde die Stadt mit jüngsten Beschlüssen entlastet. Bisher war lediglich zugesichert, dass die kompletten Sach- und Dienstleistungskosten vollständig erstattet werden. Das Abrechnungsverfahren sei unkompliziert, so Kaever. Inzwischen ist auch klar, wie sich das Land an den Personalkosten für die Erstunterbringungseinrichtung beteiligt: So sollen 20.000 Euro monatlich von der Düssel an die Inde fließen.

Wohnraum wird nach wie vor gesucht: Derzeit befindet sich die Stadt in Gesprächen, ein Haus mit zwölf Wohneinheiten zu mieten. Man sei in der Klärung, hieß es. Zahlreiche Angebote erreichen zwar das Rathaus in diesen Tagen, aber nicht alle kann die Stadtverwaltung annehmen. Mal seien die finanziellen Vorstellungen der Vermieter zu hoch, mal sei der Sanierungsaufwand unverhältnismäßig, berichtet Kaever.

Allerdings: „Die große Mehrheit der Angebote hilft uns weiter.“ Auf der Suche nach Wohnungen für Flüchtlingsfamilien helfen Eschweiler Organisationen. Die Wohnungsgenossenschaft ist eine davon. Da die Zeit drängt, mietet die Stadt inzwischen auch unmittelbar.

Parallel mit der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes nahm auch die Bundespolizei ihre Arbeit an der Rue de Wattrelos auf. Seitdem wurden 20 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in die Obhut des Jugendamtes Eschweiler übergeben, das eng mit dem Haus St. Josef, dem Agnesheim in Stolberg und Kaspar-X in Aachen zusammenarbeitet. Die Zahl entspreche laut Kaever den Erwartungen. Es sei von bis zu 250 minderjährigen Flüchtlingen pro Jahr die Rede gewesen.

Wie lange die Jahnhalle Erstunterkunft bleibt, hängt davon ab, wann die großen neuen Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes fertiggestellt sind. Dann werde man die kleineren Einheiten sukzessive auflösen, meint Kaever. Auch in Eschweiler.

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