Ist die Fastenzeit noch zeitgemäß?

Von: Jana Röhseler
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Handy, Facebook, PC - es gibt viele Möglichkeiten, in der Fastenzeit Verzicht zu üben und sich auf Wesentliches zurückzubesinnen. Foto: Jana Röhseler

Eschweiler. Die Fastenzeit stellt in vielen Religionen die Vorbereitung auf große Ereignisse dar. Bei den Christen steht mit dem Osterfest das größte Fest der Gläubigen unmittelbar bevor. Der Grundgedanke in dieser Zeit ist dabei in allen Religionen gleich: die Besinnung auf das Wesentliche im eigenen Leben. „Was ist mir eigentlich wichtig?“ und „Worauf kann ich verzichten“ sind Fragen, die dann im Mittelpunkt stehen.

Mit Fasten verbindet man also vor allem eines: Verzicht. Ein unangenehmes Wort, das nicht nur für junge Menschen weniger nach Spaß am Leben als nach Einschränkungen und erhobenem Zeigefinger klingt. Doch der Verzicht kann auch den Blick für das Wesentliche schärfen.

Dass man die Willensstärke und das Durchhaltevermögen besitzt, eine Weile auf bestimmte Dinge zu verzichten, stärkt das Selbstbewusstsein und macht stolz. So sind auch zahlreiche Jugendliche motiviert, in der 40-tägigen Fastenzeit bis Ostern zu den verschiedensten Sachen „Nein“ zu sagen und sich entsprechend einzuschränken.

Gerade nach den ausgelassenen Feierlichkeiten zu Karneval sehnen sich viele nach ein bisschen mehr Ruhe und einem gesünderen Lebensstil. Da bietet sich der Verzicht auf Alkohol, Fleisch, Milchprodukte und Eier geradezu an. Doch ist es nicht nur diese Art von Enthaltung, die für Jugendliche auf dem Plan stehen kann. Sie sind nämlich heutzutage von ganz anderen Süchten „geplagt“, die sie oft pausenlos beschäftigen.

Der Start in den Tag sieht nämlich bei den meisten so aus: Aufstehen, Smartphone einschalten (falls es überhaupt ausgeschaltet war), WhatsApp-Nachrichten checken. Anschließend dürfen ein Besuch auf Instagram und Facebook nicht fehlen.

Leider stellt dies jedoch nicht nur ein morgendliches Ritual dar, sondern bestimmt inzwischen bei vielen den gesamten Tagesablauf. Ein Großteil der jungen Menschen verbringt nahezu jede freie Minute in der digitalen Welt, so dass die wirklich wichtigen Dinge im „echten Leben“ oft vernachlässigt werden.

Freie Zeit schätzen lernen

Zugegeben: So ganz ohne Smartphone kann das Leben heutzutage ziemlich unbequem sein. Aber wer in den nächsten sieben Wochen für ein paar Stunden täglich einfach mal die Internetfunktion seines Handys ausschaltet, nimmt die Dinge vielleicht bald ganz anders wahr und lernt die Freizeit wieder besser zu schätzen. Beispielsweise bei einem schönen Abend mit guten Freunden – ohne, dass mindestens einer von ihnen auf sein Handy starrt und dadurch nur die Hälfte des Gesprächs mitbekommt.

Und was hat man von dem Live-Auftritt seiner Lieblingsband, wenn man beim Konzert mehr damit beschäftigt ist, die Kamera ruhig zu halten als ausgelassen zu tanzen? (Man muss ja nicht gleich auf alles verzichten...)

Und wer in Bus oder Bahn unterwegs zur Schule oder Uni nicht gleich sein Smartphone zückt, kommt vielleicht mit seinem Sitznachbarn ins Gespräch. Der – zumindest zeitweilige – Verzicht auf das Smartphone kann also eine wahre Bereicherung darstellen. Einen Versuch ist es wert.

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