Eschweiler - Interview: Vorsitzender des Röher Maiclubs über den Verein

Interview: Vorsitzender des Röher Maiclubs über den Verein

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:

Eschweiler. Die nächsten Tage werden für Daniel Asara besonders stressig. Zeltaufbau und Schmücken stehen vor der Veranstaltung, die am Mittwochabend im Festzelt auf dem Röher Sportplatz stattfindet, ganz weit oben auf seiner Liste. Asara und die Mitglieder des Maiclubs Röhe sorgen dafür, dass die Gäste in den Mai tanzen können.

Im Interview erzählt der 26-Jährige, dass es dem Verein ganz und gar nicht an Nachwuchs mangelt und er räumt auch mit einigen Vorurteilen auf.

Herr Asara, in diesem Jahr feiert der Maiclub Röhe sein 45-jähriges Bestehen. Seit wann sind Sie Vorsitzender des Vereins und was hat sich in den vergangenen Jahren geändert?

Asara: Ich mache das jetzt im fünften Jahr. Im Vorstand bin ich aber schon, seitdem ich 16 oder 17 Jahre alt bin. Da habe ich dann zuerst den Posten des Geschäftsführers übernommen und bin später Vorsitzender geworden. Zu dieser Zeit war bei uns im Verein der große Umbruch. Damals hatten die älteren Vorstandsmitglieder beschlossen zurückzutreten, da sie der Meinung waren, dass es Zeit für junge Leute mit neuen Ideen wird. Seitdem sind eigentlich nur junge Leute im Vorstand vertreten. Der Älteste von uns ist 31 Jahre alt und der Rest so zwischen 20 und 30. Wir haben uns im Verein aber allgemein sehr verjüngt und so konnten wir auch viele neue Leute ranziehen.

Und zu den neuen Ideen gehörte auch die Umstellung von der Schlagernacht zur Kölschen Mainacht?

Asara: Genau. Wir veranstalten die Kölsche Mainacht jetzt zum zweiten Mal. Wir haben einfach gemerkt, dass der Schlager erstens nachgelassen hat und natürlich auch viel Geld kostet. Wenn man Sänger wie Michael Wendler und Anna Maria Zimmermann, die beide schon auf unseren Veranstaltungen waren, nach Eschweiler holen will, dann bezahlt man dafür eine Menge Geld und dann müssten wir auch die Eintrittspreise erhöhen. Deshalb haben wir gedacht, dass wir mal etwas Neues ausprobieren. Schließlich ist Eschweiler eine Karnevalsstadt und wir fanden, dass es einen Versuch wert war.

Und wie war die Resonanz?

Asara: Von der Resonanz waren wir selbst überrascht. Schon zwei Tage, nachdem wir mit dem offiziellen Verkauf gestartet sind, waren alle Karten weg. Wir hatten sogar eine Warteliste, auf der über 100 Personen standen, die wir anrufen konnten, sobald jemand abgesprungen ist. Die Halle war wirklich rappelvoll.

In diesem Jahr findet die Veranstaltung erstmalig wieder im Festzelt statt.

Asara: Das ist richtig. Das war immer ein großer Wunsch von mir. Als ich Vorsitzender wurde, habe ich gesagt, dass es mein Ziel ist, irgendwann wieder ins Zelt zurückzukehren. Wir wollten erstmal klein anfangen. Aber in diesem Jahr feiern wir wieder im Festzelt. Von vielen gab es auch daraufhin positive Rückmeldungen. Einigen Besuchern hat die Atmosphäre in der Halle nicht gefallen und aus diesem Grund sind sie auch nicht mehr zu den Veranstaltungen gekommen. Die kommen aber jetzt wieder zurück. Und die Veranstaltung ist jetzt schon so gut wie ausverkauft, es gibt nur noch ganz wenige Restkarten.

Wie sieht es mit den Vorbereitungen aus? Die nächsten Tage werden für Sie doch mit Sicherheit sehr stressig.

Asara: Ja, allerdings. Ich habe in der kommenden Woche Urlaub, sonst würde ich das gar nicht hinbekommen. Das Zelt wird diese Woche schon aufgestellt und dann muss natürlich noch geschmückt werden. Am Veranstaltungsabend treffen sich die Männer des Maiclubs dann beim Königspaar aus dem vorigen Jahr. Um kurz vor 19 Uhr marschieren wir gemeinsam mit dem Trommler- und Pfeiffercorps Röhe zum Zelt.

Wie geht es dann weiter?

Asara: Die Veranstaltung beginnt um 19.11 Uhr und ich führe an diesem Abend durch das Programm.

Sind Sie davor nervös?

Asara: Aufgeregt bin ich nie. Ich habe kein Problem damit, auf der Bühne vor vielen Menschen zur reden. Ich mache mir immer mehr Sorgen darum, ob den Leuten das Programm gefällt. Nach dem ersten Programmpunkt wird das neue Königspaar auf der Bühne gekrönt. Dann kommt der Königswalzer und die Besucher gratulieren. Danach geht es mit dem Musikprogramm weiter.

Sie haben schon einige bekannte Künstler auf Ihren Veranstaltungen angekündigt. Gab es ein Erlebnis, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Asara: Es gab tatsächlich mal einen lustigen Zwischenfall mit Willi Herren. Der hatte einen Auftritt bei uns und auch schon mehrere Zugaben gegeben, aber die Besucher wollten ihn einfach nicht von der Bühne lassen. Er musste aber noch zu einem anderen Auftritt in die Dortmunder Westfalenhalle. Ich stand in der Zwischenzeit unten, habe mir dann das Mikro geschnappt und gesagt: „Willi, was ist die Westfalenhalle gegen die Mehrzweckhalle in Röhe?“ Da hat die Halle natürlich getobt. Dann hat er sich zu mir runtergebeugt und meinte: „Daniel, du bist echt der Knaller.“

Am nächsten Tag geht es dann direkt für Sie wieder weiter.

Asara: Genau. Am Donnerstag treffen wir uns zum Frühschoppen im Festzelt. Gegen 13 Uhr trifft dann das Gefolge ein und so mit und mit kommen dann auch die Spielmannszüge und die Fahnenschwenker dazu. Dann marschieren wir durch das komplette Dorf. Zu unserem Umzug kommen immer sehr viele Besucher. Aber nicht nur aus Eschweiler, sondern auch aus Stolberg. Bevor wir zurück zum Festzelt gehen, stellen wir uns dann noch am Rinkensplatz auf. Der Spielmannszug spielt das ein oder andere Ständchen und ich halte dann noch eine kleine Ansprache. Im Zelt gibt es dann Kaffee und Kuchen und ein DJ sorgt für Stimmung.

Bleibt bei so viel Programm überhaupt Zeit, selbst den Mai zu stecken?

Asara: In der Regel machen wir das schon. Ich habe das bisher immer noch irgendwie geschafft (lacht).

Der Maiclub ist aber nicht nur in dieser Zeit, sondern das ganze Jahr über unterwegs. Was steht da auf dem Programm?

Asara: Wir veranstalten Grill- und Sommerfeste, Weihnachtsfeiern. Im vergangenen Jahr haben wir zum ersten Mal eine Glühweinwanderung durch das Dorf gemacht. Das ist auch sehr gut angenommen worden. Dann gibt es auch sogenannte Grillwanderungen. Die sind auch, genauso wie unsere anderen Treffen, etwas für Jedermann. Im vergangenen Jahr sind wir von Röhe aus nach Würselen gewandert. Einige Mitglieder hatten einen Bollerwagen und Musik dabei, andere haben ihre Kinder im Kinderwagen geschoben. Das ist einfach schön. Und für Juni haben wir etwas Besonderes geplant.

Was steht dann auf dem Programm?

Asara: Dann findet eine Radtour nach Düsseldorf statt. Das hat es bereits vor vielen Jahren gegeben und ich fand die Idee so toll, dass ich das wieder ins Leben gerufen habe. Wir frühstücken zuerst gemeinsam und dann geht es mit den Fahrrädern los. Am nächsten Tag fahren wir dann mit einem Bus zurück. Wir machen das, um die Gemeinschaft zu stärken. Das spielt sich aber nicht nur auf der Vereinsebene ab, sondern die Mitglieder treffen sich auch privat öfter. Man sieht sich auf Geburtstagen, Hochzeiten oder grillt im Sommer zusammen.

Wie sieht es denn mit dem Nachwuchs aus? Braucht der Maiclub Röhe mehr Mitglieder?

Asara: Momentan haben wir 130 Mitglieder. Das sind zum Teil Ur-Röher, aber auch Leute, die aus Karnevalsgesellschaften kommen. Unsere Mitglieder sind zudem aus ganz Eschweiler. Bei uns kann wirklich jeder mitmachen. Wir haben keine Altersbeschränkung, das heißt, man muss nicht erst 18 Jahre alt werden, um bei uns Mitglied zu werden. Die Leute schauen sich in der Regel unsere Veranstaltungen und Treffen an und finden das, was wir machen einfach geil. Und so bekommen wir halt immer wieder neue Mitglieder. Und gerade, weil wir so viele junge Mitglieder haben, sind wir auch bei anderen Vereinen hoch angesehen. Man hört ja immer wieder, dass es Nachwuchsmangel gibt. Aber woran es liegt, dass das bei uns nicht der Fall ist, das weiß ich auch nicht.

Also kann man im Maiclub Röhe auch Mitglied werden, wenn man bereits verheiratet ist?

Asara: Genau. Viele denken, dass sie bei uns nicht mitmachen können, weil sie verheiratet sind. Aber bei uns kann jeder dabei sein. Diese Regeln gibt es meistens bei Maigesellschaften, die aus der Dürener Ecke kommen. Bei uns hat jeder seinen Spaß, egal welches Alter er hat.

Haben Sie noch mit anderen Vorurteilen zu kämpfen?

Asara: Es gibt Leute, die meinen, dass wir nur trinken würden, aber das stimmt einfach nicht. Wir haben auch immer kleine Kinder dabei und für die sind wir schließlich Vorbilder, deshalb benehmen wir uns auch dementsprechend. So wie einige von uns früher von ihren Eltern mitgenommen wurden, bringen mittlerweile die Leute aus meiner Generation ihren Nachwuchs mit. Dann hört man schon das ein oder andere Mal, dass das unsere zukünftigen Maikönigspaare sind. Das ist aber natürlich nur Spaß.

Sie selbst waren auch schon Maikönig.

Asara: Das ist richtig. Ich bin seit 15 Jahren Mitglied im Verein, aber bin seitdem ich klein war schon dabei. Vor neun Jahren war ich Maikönig und ich muss sagen, dass ich es immer wieder gerne machen würde. Ich glaube, das ist vergleichbar mit dem Prinzen im Karneval. Die ganze Vorbereitung, die Versteigerung, das Schmücken. Das hat einfach so viel Spaß gemacht.

Wie läuft die Versteigerung des Maikönigspaares ab?

Asara: Wir sprechen die Leute an, werden aber auch angesprochen. Wir veranstalten die Versteigerung nach dem sogenannten amerikanischen Prinzip. Das bedeutet: Es stehen drei Paare zur Auswahl und die Namen jedes Paaren befinden sich in einem Briefumschlag. Es weiß aber keiner, wer in welchem Umschlag ist. Die Leute bieten dann mit Maitalern auf die verschiedenen Umschläge. Das machen wir drei Runden lang. Nach jeder Runde wird ein kurzer Zwischenstand gegeben und der Umschlag, der das höchste Gebot hat, hat gewonnen. Unser diesjähriges Maikönigspaar hat sich auch direkt nach dem Maibaumschmücken bei uns im Verein angemeldet. Es ist wirklich sehr erfreulich, dass wir immer mehr junge Leute mit dazu bekommen.

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