Interview: Er möchte in Heilig Geist nicht Heiliger Geist sein

Von: Sonja Essers
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Ist sich sicher, dass im Zuge des KIM-Prozesses keine Kirche im Süden geschlossen werden muss: Pfarrer Hannokarl Weishaupt. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Seit rund einem Jahr ist Hannokarl Weishaupt als Pfarrer in der Gemeinde Heilig Geist im Eschweiler Süden tätig. Im Interview blickt der 51-Jährige auf das erste ganze Jahr in seiner Gemeinde zurück, verrät, wie man in der Gemeinde mit dem Kirchlichen Immobilienmanagement (KIM) umgehen möchte, und erklärt, was er sich für das kommende Jahr vorgenommen hat.

 

Herr Weishaupt, Weihnachten steht in wenigen Tagen vor der Tür. Wie verbringen Sie die Feiertage?

Weishaupt: Der 24. Dezember beginnt für mich schon um sieben Uhr, dann mache ich nämlich Sauerbraten (lacht). Am Vormittag besuche ich die Kranken im Krankenhaus und ab 15 Uhr werde ich mir die Krippenspiele in unseren Kirchen anschauen.

Wie viele Christmetten müssen Sie denn zelebrieren?

Weishaupt: Um 17.30 Uhr feiere ich die Christmette in St. Marien, dann werde ich noch beim Aufräumen helfen und bin gegen Viertel nach Sieben zu Hause, werde eine Kleinigkeit essen und mich etwas ausruhen und um 22 Uhr steht die nächste Christmette in Bergrath an. Am ersten und zweiten Feiertag ist die Familie angesagt. Dann kommt auch der Sauerbraten zum Einsatz (lacht).

Wie sieht es mit den Besucherzahlen in der Weihnachtszeit aus?

Weishaupt: In der Vorweihnachtszeit steigen die Besucherzahlen nicht an. Die Zeiten, in denen die Christmetten brechend voll waren, sind vorbei. Wenn Sie in St. Marien die Christmette besuchen wollen, dann können Sie fünf Minuten vor Beginn kommen und kriegen noch problemlos einen Sitzplatz. In Hastenrath sieht das anders aus. Aber St. Wendelinus ist auch kleiner. Im restlichen Jahr liegen die Kirchenbesuche in Eschweiler bei 6,5 Prozent. Teilweise sind die Gebäude natürlich sehr groß. Wenn ich sonntags eine Messe in St. Marien halte und kein Feiertag ist, dann sind dort im Durchschnitt 90 Personen. Die Kirche hat aber 340 Sitzplätze. Das ist natürlich schon eine Diskussion wert.

Das liefert die Vorlage zum Stichwort Kirchliches Immobilienmanagement (KIM): Werden in der Gemeinde Heilig-Geiste Kirchen geschlossen?

Weishaupt: Wir stehen ja noch vor dem KIM-Prozess. Der wird 2015 sicherlich auch bei uns beginnen. Wir werden die Überlegungen erst vorstellen, wenn sie reif sind. So einen KIM-Prozess macht ja keiner gerne, weil es bedeuten kann, Abschied zu nehmen und sich eventuell von liebgewonnenen Gebäuden zu verabschieden. Unserer Gemeinde gehören fünf Kirchen an: St. Cäcilia in Nothberg, St. Wendelinus in Hastenrath, St. Antonius in Bergrath, St. Barbara Pumpe-Stich und St. Marien in Röthgen. Alle diese Kirchen sind Juwelen. Wir werden vielleicht einen anderen Weg gehen als die Pfarre Peter und Paul. Eine Kirchenschließung wird es in dieser Form wohl nicht geben, da bin ich mir sicher.

Kommen wir zu Ihren Anfängen in der Indestadt. Sie sind vor einem Jahr in Ihr Amt eingeführt worden. Vorher waren Sie als Religionslehrer tätig. Wie kam es zum Wechsel nach Eschweiler?

Weishaupt: Ich habe mir vorgenommen, dass ich höchstens bis zu meinem 50. Lebensjahr in der Schule bleibe und dann etwas anderes mache. Ich hatte ein Personalplanungsgespräch beim Bistum und bin gefragt worden, ob ich bereit wäre, Pfarrer und GdG-Leiter in der Gemeinde Heilig Geist in Eschweiler zu werden. Ich wollte gerne in Heimatnähe bleiben. Das bedeutet um Aachen herum, da ich in Aachen geboren wurde. In der Karwoche habe ich mich dann auf eine geheime Mission begeben und bin durch Eschweiler gefahren. Dabei habe ich festgestellt, dass Eschweiler sehr schön ist, besonders im Süden natürlich. Schließlich scheint dort immer die Sonne (lacht).

Wie ging es dann weiter?

Weishaupt: Um Pfingsten wurde ich den verschiedenen Gremien, dem GdG-Rat und den Kirchenvorständen vorgestellt. Das war sehr schön, und dann habe ich mich dazu entschiedenen, nach Eschweiler zu kommen.

...und gleich die größte Gemeinde übernommen.

Weishaupt: Genau. Die Pfarre Heilig Geist ist die größte Gemeinde im Stadtgebiet. Wir sind Peter und Paul um 2500 Katholiken voraus (lacht).

Wie sind Sie hier aufgenommen worden?

Weishaupt: Ich bin sehr herzlich aufgenommen worden. Die Leute waren ja froh, dass sie wieder einen „richtigen“ Pfarrer hatten. Pfarrer Marian Janke hat das übergangsweise übernommen und natürlich sehr gut gemacht.

Welche Ziele hatten Sie sich zu Beginn Ihrer Arbeit gesetzt?

Weishaupt: Das erste Ziel war, die Pfarrei erst einmal genau kennen zu lernen und das mit all‘ ihren Traditionen und Charakteren. Eschweiler ist ja ein großes Dorf. Mir ist es wichtig, dass ich die Menschen unterstütze, die ihren Glauben leben wollen. Außerdem muss ich schauen, dass die verschiedenen Gemeinden zu einer Gemeinde zusammenwachsen. Aber diesbezüglich haben wir Fortschritte gemacht. Wir haben schon einen gemeinsamen Pfarrbrief. Mir ist es immer wichtig, dass Gespräche und eine gute Kommunikation in einer guten Atmosphäre geführt werden. Deshalb bin ich auch so froh, dass das Pfarrfest in St. Marien wieder stattfindet. Wir sind ja keine Kirche, die schläft – bei uns ist immer was los (lacht). Ich bin ja nicht der Heilige Geist in Heilig Geist. Alle Menschen bringen hier ihre Erfahrungen mit, und dann wird ein gemeinsamer Weg beschlossen. Die Zeiten, in denen ein Pfarrer die Leitlinien setzt, die sind Gott sei Dank vorbei.

Trotzdem muss sich die katholische Kirche auch immer wieder mit negativen Schlagzeilen auseinandersetzen. Ärgert Sie das?

Weishaupt: Natürlich ärgert es mich, wenn ich negative Schlagzeilen lese. Ich möchte auch nicht das Thema Missbrauchsfälle wieder hochkochen lassen, aber es ist auch klar, dass da strafrechtliche Konsequenzen gezogen werden mussten und das ist ja auch getan worden. Das musste in der Kirche erst einmal aufgearbeitet werden, und da hat man wirklich viel gemacht.

Können Sie dafür Beispiele nennen?

Weishaupt: Es gibt regelmäßige Schulungen zum Thema Prävention, und nicht nur Ehrenamtler, sondern auch wir Priester müssen alle fünf Jahre unser erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Sowohl in der Gemeinde, als auch beim Bistum gibt es Präventionsbeauftragte. Man hat da schon Konsequenzen gezogen. Natürlich bringt das für uns auch Sicherheit und Vertrauen, wenn man mal das Thema Ferienspiele nimmt. Auf der anderen Seite muss man auch ganz klar sehen, dass eine Bank nie vor einem Bankraub sicher ist und die Sünde in jeglicher Form auch in der Kirche vorhanden ist.

Was bedeutet es, Pfarrer zu sein?

Weishaupt: Pfarrer ist ein sehr schöner Beruf. Man kriegt das Leben der Menschen mit – von der Geburt bis zum Sarg.

Das heißt dann aber doch auch, dass Sie eigentlich nie Feierabend haben, oder?

Weishaupt: Wenn man Priester ist, dann ist man das 24 Stunden am Tag. Und wenn man in Eschweiler unterwegs ist, dann ist man eigentlich immer im Dienst, dann ist man eine öffentliche Person. Ich finde das aber überhaupt nicht schlimm. Wenn ich einkaufen gehe und Menschen treffe, die ich kenne, dann spreche ich mit ihnen. Auch wenn es an der Kasse ist. Das gehört dazu und das macht den Glauben lebendig. Die Kirche hat auch gesellschaftliche Aufgaben. Da gehört der Karneval genauso dazu wie die Fragen um die Flüchtlinge. Wir müssen als Kirche unseren Beitrag leisten. Die Kirche hat keinen Selbstzweck, sondern hat die Aufgabe für Gott und für Menschen da zu sein.

Ihre Pläne und Vorsätze für 2015?

Weishaupt: Ich persönlich – in Absprache mit dem Gemeindekreis – habe mir überlegt, dass ich die Oktav in Nothberg erweitern möchte. Im kommenden Jahr wird es einen Tag für die Kindergärten geben. Auch das Nachtgebet habe ich dort schon eingeführt. Ich möchte im gesamten liturgischen Jahr spirituelle Punkte setzen, um möglichst viele Menschen anzusprechen. Ich bin mit keinem Regierungsprogramm nach Eschweiler gekommen. Vieles entwickelt sich auch aus Gesprächen heraus.

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