Interview: Der Eschweiler Thomas Binder und seine Filmrollen

Von: Timo Müller
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Thomas Binder am Set von „The Sight“, einem Mystery-Thriller. Foto: Frank Fonz/Ahmed Celik, Thomas Binder
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Mittlerweile hat Thomas Binder mit einigen Prominenten gedreht, etwa mit Moritz Bleibtreu in „Lommbock“. Foto: Frank Fonz/Ahmed Celik, Thomas Binder
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Mittlerweile hat Thomas Binder mit einigen Prominenten gedreht, etwa mit Ralf Richter in „Breakdown Forest“. Foto: Frank Fonz/Ahmed Celik, Thomas Binder
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„Und Action!“ Binder spielte bereits in rund 30 Spiel- und Kurzfilmen mit. Im Bild ist er beim Dreh von „Tatort Calw – Auge um Auge“ zu sehen. Foto: Armin Schnürle/Mania Pictures

Eschweiler. Die Fortsetzung der kultigen Kifferkomödie „Lammbock“ aus dem Jahr 2001 läuft seit vergangenem Donnerstag in den deutschen Kinos. In „Lommbock“, so der Name des zweiten Teils, kehrt Stefan, gespielt von Lucas Gregorowicz, in seine Heimatstadt Würzburg zurück, da er für die geplante Hochzeit mit der Geschäftsfrau Yasemin (Melanie Winiger) in Dubai eine Geburtsurkunde braucht.

Natürlich trifft er bei dieser Gelegenheit auf seinen alten Kumpel Kai (Moritz Bleibtreu), mit dem er damals gemeinsam den Pizza-Lieferservice „Lammbock“ besaß. Diesen betrieben die beiden jedoch nur zur Tarnung, denn mit den Pizzen lieferten sie ihren Kunden gleichzeitig Marihuana. Nachdem der Handel mit der Droge aufflog, kehrte Stefan Würzburg den Rücken, um in der Karibik eine Strandbar zu eröffnen, während Kai in seiner Heimatstadt blieb, den Asia-Lieferservie „Lommbock“ eröffnete und mittlerweile mit einer kleinen Familie zusammen lebt.

Nun, da die beiden wieder vereint sind, kommt es wie es kommen muss. Nach einem gemeinsamen Joint beginnen für Stefan und Kai ungeahnte Probleme. Eines davon erscheint in Form des Gangster-Rappers „Zehn Jahre Bau“ und seinen Kollegen, von denen einer von dem Indestädter Thomas Binder gespielt wird. Wir haben mit ihm gesprochen.

Der Film Lommbock läuft seit dem Ende der vergangenen Woche in den deutschen Kinos. Du spielst ein Mitglied einer Gangsterbande, die den beiden Hauptakteuren, Stefan und Kai, einige Probleme bereitet. Wie haben Sie dich auf die Rolle vorbereitet?

Binder: Die Rolle ist im Endeffekt eher klein und nicht so charakterstark. Da musste ich mich nicht wirklich groß drauf vorbereiten. Die Optik war natürlich wichtig: dunkle Haare, Bart, die Tattoos, Also dieses Bad-Boy-Image, das ich auch häufiger verkörpere. Die Produktionsfirma hat mich dazu im Vorhinein noch gefragt, ob ich zu Hip-Hop-Musik tanzen könne. Daraufhin habe ich dann spontan mit dem Smartphone ein kleines Video gedreht, in dem ich mich zu Hip-Hop bewege, und der Firma zugeschickt. Daraufhin kam dann auch direkt das „go“.

Sie spielen in Ihren Filmen oft den „Bad Boy“. Haben Sie Angst davor, in dieser Rolle eines Tages so gefangen zu sein, dass Sie für andere Charaktere nicht mehr in Frage kommst?

Binder: Nein, ich spiele ja auch nicht immer den „Bad Boy“. Im Film „Tretbootfahrer“, das ist ein Drogendrama, in dem ich eine tragende Nebenrolle habe, bin ich zwar auch kein „Guter“, da ich einen Drogensüchtigen spiele, der auch schon mal gerne seine Frau anschreit, aber ich bin in dem Sinne auch kein „Böser“. Ich spiele im Endeffekt einen Mann, der viele Probleme hat, und keinen anderen Ausweg findet, als sich in die Drogen zu flüchten. In diesem Jahr bin ich dazu in einem Kinderfilm geplant, in dem ich den Schutzengel eines krebskranken Mädchens verkörpere, der dem Kind als imaginärer Freund erscheint. Das ist auch meine erste richtig positive Rolle. Wobei ich finde, dass die „bösen“ Charaktere zum Spielen interessanter sind. So „Strahlemannhelden“, wie zum Beispiel Superman, der keine Ecken und Kanten hat, das ist einfach nur langweilig. Auch wenn ich als Konsument Filme schaue, finde ich meistens die Bösewichte, wenn sie gut geschrieben und gespielt sind, wesentlich interessanter.

Wie war es mit solch „alten Hasen“ wie Moritz Bleibtreu zu drehen?

Binder: Bisher sind die „alten Hasen“ die ich treffe, wesentlich gelassener und freundlicher, als diejenigen, die jetzt vielleicht gerade mal zwei Jahre im Filmgeschäft sind, und einen gewissen Hype erfahren haben. Ich sage jetzt nicht, wer unfreundlich ist, aber ich kann sagen wer sehr freundlich war: das waren zum Beispiel Mario Adorf, Ralf Richter und Moritz Bleibtreu. Gerade Bleibtreu war sehr sympathisch, also keine Star-Allüren, locker und direkt per du.

Haben Sie den Film schon in seiner Endfassung gesehen?

Binder: Nein, aber das werde ich bald nachholen und ins Kino gehen. Wenn, dann schaue ich mir den Film dann auch auf der großen Leinwand an.

Wann für Sie klar, dass Sie einmal Schauspieler werden möchten? Und wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen?

Binder: Klar war es mir eigentlich nie, da bin ich einfach so reingerutscht. Ein Talentscout hat mich damals in der Kölner Fußgängerzone angesprochen und mich mit in seine Castingagentur genommen. Da haben wir dann ein paar Videos und Fotos gemacht, und noch während ich mich auf dem Nachhauseweg nach Eschweiler befand, meldete er sich dann bei mir und meinte: „Ich hätte da schon was für dich.“ Ich dachte, da käme jetzt vielleicht so ein kleines Komparsending in einer Daily-Soap oder in einem dieser schlimmen Reality-Formate. Aber es war dann schon eine kleine Rolle in einem Kinofilm mit Mario Adorf namens „Der letzte Mentsch“.

Und so fing das an. Eine lange Zeit war die Filmerei auch nur ein Hobby, was sie eigentlich immer noch ist. Aber es ist ein Hobby, das sich finanziell lohnt, und das mir vor allem wesentlich mehr Spaß macht, als jeder andere Job, den ich jemals gemacht habe, weil man auch direkt Feedback vom Regisseur bekommt. Das bestärkt einen dann auch. Ich habe jetzt zwar keine Schauspielschule besucht, aber alle Regisseure, mit denen ich gedreht habe, haben mir gesagt, sie hätten lieber Leute, die an sich glauben und auch ein Talent mitbringen, als Schauspielschüler, die nur schulisch erlerntes Wissen anwenden. Meine Schauspielschule war im Endeffekt der Konsum von sehr vielen Filmen.

Auf welches Werk/welche schauspielerische Leistung sind Sie besonders Stolz?

Binder: Das Suchtdrama „Tretbootfahrer“ gehört auf jeden Fall dazu. Das Kiezdrama „Reeperbahn“, ein ziemlich gewalttätiger Film, in dem ich den Kleingangster „Eddie“ spiele, auch. Auf den Film „Death Wish Zero“ von Kultregisseur Timo Rose, der auch für „Reeperbahn“ verantwortlich ist, bin ich auch besonders stolz: Da spiele ich einen Auftragskiller und mache, wie alle anderen Darsteller in dem Film, meine Stunts selber. Bei Schlägereiszenen wurden wir „eingestaubt“, um bei Berührungen einen spektakulären optischen Effekt zu erzielen.

Der Hauptdarsteller Max Evans hatte danach wohl sogar Brüche und Prellungen. Ich selber hatte auch eine Platzwunde, da mir eine eigentlich fixierte Metallstange vor den Kopf geschlagen werden soll, jedoch ist diese Fixierung gerissen, so dass ich die Stange voll abbekam. Der Regisseur hat den Originalsound der Stange, wie sie gegen meinen Kopf knallt, in dieser Szene als Gag dann mit in den Film genommen, so dass mir beim erstmaligen Anschauen bei der Premiere im Kino der Kopf direkt wieder weh tat. Am meisten bin ich aber auf das Psychodrama „The Secrecy“ stolz, da ich dort eine meiner wenigen Hauptrollen spielen.

Haben Sie ein großes Vorbild? Falls ja, wen, und was gefällt Ihnen besonders an dieser Person?

Binder: Der junge Nicolas Cage. Der hat das „Overacten“, das übertriebene Spiel, einfach drauf. Wenn Cage overactet und die Augen Rollen lässt und so weiter, da kriegt man wirklich Angst. Der ist wirklich Experte für diese komplett abgedrehten Rollen. Heute spielt er aber auch schon mal bravere Rollen. In einer Kurzfilm-Komödie namens „Wohnung 13“ spiele ich einen cholerischen „Wohnblockproleten“, der in einem Hochhaus für Angst und Schrecken sorgt. Für eine Szene, in der ich meine Frau in dem Film im Flur zusammenschreie, habe ich einiges übernehmen können aus „Best-of-Nicolas-Cage“-Videos auf Youtube .

Welche Rolle würden Sie gerne einmal spielen?

Binder: Im Endeffekt alles, was ich noch nicht gemacht habe eigentlich. Ich wiederhole mich in Rollen ungern, ich würde zwar noch mal einen Auftragskiller spielen oder Fortsetzungen von interessanten Rollen verkörpern, aber generell möchte ich nicht noch mal einen Drogensüchtigen oder Anwalt spielen wollen. Das sind alles Sachen, die habe ich schon gemacht. Was ich gerne einmal machen würde, ist vielleicht einmal in einem Western oder Cowboy-Film mitspielen. Das wäre was echt Tolles.

Gibt es eine Rolle, die Sie auf keinen Fall spielen würden?

Binder: Auf keinen Fall würde ich Pädophile oder Kinderschänder spielen. Das sind Rollen, da will ich mich auch gar nicht drauf vorbereiten, oder mich tiefer mit der Materie befassen. Ich habe schon einmal einen Vergewaltiger gespielt, das war aber eine kleine Rolle im Film „Scars of Xavier“, und da musste ich mich auch nicht wirklich drauf vorbereiten.

Wie sieht die Zukunft aus? Arbeiten Sie bereits an neuen Projekten?

Binder: Ja, neue Projekte werden immer wieder angeboten und vorbereitet. Manche zerplatzen auch wieder aus finanziellen oder anderen Gründen. Momentan habe ich einige Projekte für 2017 in meiner Liste stehen. Eines wird jetzt mit Sicherheit realisiert: ich hatte einen Hexenjäger in dem Kurzfilm „The Sight“ gespielt. Die Geschichte soll jetzt als Webserie noch mal umgesetzt werden, und dort will man mich auch wieder in der Rolle des Hexenjägers haben. Dazu kommt noch der Film, in dem ich den Schutzengel spiele, und einige Projekte, zu denen ich zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nichts sagen kann.

Im vorigen Interview mit unserer Zeitung, welches im Jahr 2014 stattfand, hatten Sie erwähnt, dass Sie gerne nach Köln ziehen wollen. Was ist aus diesen Plänen geworden?

Binder: Das hatte ich eigentlich vor, da Köln ja die Filmstadt ist, noch vor München oder Berlin, aber meine Frau arbeitet hier in der Region, für mich ist es im Endeffekt egal.

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