Eschweiler - Intelligente Lösungen sollen den Straßenverkehr verbessern

Intelligente Lösungen sollen den Straßenverkehr verbessern

Von: Rudolf Müller
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Erfolgsmodell: An zwei Stationen in der Stadt – hier gegenüber dem Talbahnhof – werden Cambio-Carsharing-Fahrzeuge bereits rege genutzt. Im Rathaus hofft man, die Zahl der Stationen in absehbarer Zeit auf fünf steigern zu können. Foto: Rudolf Müller
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Ein „Streetscooter“ der Deutschen Post an einer Ladestation auf dem Gelände der Firma Aixacct am Stich. Auch die Stadt prüft jetzt Möglichkeiten, die Elektrofahrzeuge einsetzen zu können.
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Mobilitätsmanager in Diensten der Stadt: Andreas Lutter.

Eschweiler. Man muss nicht immer das Rad neu erfinden. Auch wenn es um Räder, Autos und Mobilität an sich geht. Aber durch Erfahrungs- und Ideenaustausch lernen, das sollte man schon. Dass Mobilität ein veränderliches Gut ist, das hat die Stadt Eschweiler bereits am eigenen Leib erfahren. Stichwort: Umweltzone.

Aber bei Mobilität geht es mehr als um Durchfahrtverbote, Dieselprobleme und Elektromobile. Wie verändern sich die Verkehrsströme in der Stadt und im Umland? Wie wirkt sich der demografische Wandel auf die Nutzung von Privatfahrzeugen und öffentlichen Personennahverkehr aus? „Vieles ist heute noch gar nicht absehbar“, weiß Bürgermeister Rudi Bertram.

Um bevorstehenden Aufgaben besser gerecht werden zu können, schloss sich Eschweiler – als einzige Kommune in der Städteregion neben Aachen und Herzogenrath – dem vom Verkehrsministerium initiierten „Zukunftsnetz Mobilität NRW“ an. Hier kooperieren 58 Kommunen in NRW – von der kleinen Gemeinde bis zur Großstadt –, um mit Hilfe des Landes und einer beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg angesiedelten Koordinierungsstelle Weichen für die Mobilität von morgen zu stellen.

Eschweiler hat dazu jetzt eigens einen Mitarbeiter abgestellt: Andreas Lutter, 28-jähriger Diplom-Verwaltungswirt mit Zusatzqualifikation in kommunalem Mobilitätsmanagement, bisher im Ordnungsamt für Verkehrslenkung zuständig, ist nun Eschweilers Mobilitätsmanager.

Der „junge, aufstrebende Beamte“, so Rudi Bertram, hat eine ganze Menge Baustellen zu beackern. Zu den vielfältigen Themen gehören nicht nur „Kleinigkeiten“ wie Elternhaltestellen, von denen einige bereits in Weisweiler und Dürwiß mit großem Erfolg eingerichtet wurden. Weitere sollen folgen: an der Eduard-Mörike-Schule, der Grundschule Jahn-straße und der Don-Bosco-Schule. Eine weitere „Kleinigkeit“: die gemeinsame Suche mit Firmen nach Parkplatzmöglichkeiten für Mitarbeiter. Ebenfalls auf der Agenda: der Ausbau des Cambio-Netzes.

Bisher gibt es dieses Carsharing-Angebot in der Region lediglich in Aachen und Eschweiler. Hier stehen die Fahrzeuge an zwei Stationen für Nutzer bereit: am Rathaus und am Talbahnhof. „Das Angebot wird super angenommen“, sagt Lutter. Weitere Standorte sind in Planung. Zum Beispiel an den Neuen Höfen in Dürwiß. Überlegt wird auch, im IGP Carsharing anzubieten. „Wünschenswert“, so Eberhard Büttgen von der Planungs- und Entwicklungsabteilung der Stadt, „wären fünf Stationen.“

Diensträder fürs Rathaus

„Von den Kollegen im Rathaus wird das E-Fahrzeug-Angebot von Cambio rege genutzt“, berichtet Büttgen. Aber weitergehende Lösungen seien nötig: „Es muss möglich sein, mit einem Cambio-Fahrzeug nach Köln zu fahren und es dort stehen zu lassen, um mit der Bahn weiterzureisen.“

Zu den künftigen Angeboten sollen auch etliche „Mobilstationen“ gehören: Verknüpfungspunkte von Bus, Bahn, Carsharing und E-Bike. Letztere – elektrisch unterstützte Fahrräder – sollen künftig auch zum Fuhrpark der Stadtverwaltung gehören. „Solche Diensträder könnten zum Beispiel vom Ordnungsamt, aber auch von Schulhausmeistern genutzt werden“, sagt Rudi Bertram.

Radfahren ist in der Verwaltung nichts ungewöhnliches: „Immer mehr Kollegen kommen mit dem Rad zum Dienst, einige davon sogar aus Aachen.“ Für Ordnungsamtsleiter Edmund Müller „muss sich in einigen Köpfen einiges verändern. Noch vor Jahren hieß es auf die Frage nach E-Bikes: Da werden wir ausgelacht!“

E-Mobilität bedeutet für den städtischen Fuhrpark nicht nur die Anschaffung von Fahrrädern. Die Stadt will mit der am Stich ansässigen Firma Aixacct, die nach und nach die gesamte Deutsche Post mit Tausenden von Elektromobilen und den dazugehörigen Ladestationen ausstattet, eine Kooperation abschließen. „Wir wollen feststellen, wie man diese Streetscooter nicht nur für das Ordnungsamt, sondern auch für die Wirtschaftsbetriebe nutzen kann und welche Strukturen dazu nötig sind“, erklärt Rudi Bertram.

Mit Letzterem ist zum Beispiel der Ausbau der Lade-Standorte für E-Fahrzeuge in der Stadt gemeint. „Die E-Mobilität hat gerade im städtischen Verkehr riesige Vorteile“, unterstreicht Bertram. „Wir müssen nun überlegen: Wo setzen wir als Stadt an?“ Eine Möglichkeit: die Steigerung der Zahl der Mobilitätszentralen, sprich: Verknüpfungspunkte.

Angebote für Senioren

„Das Thema Mobilität wird uns in den nächsten Jahren, ja Jahrzehnten intensiv begleiten“, prophezeit Rudi Bertram. Und verweist auf die Notwendigkeit, das Radwegenetz auszubauen, aber auch den Öffentlichen Personennahverkehr umzustrukturieren. „Wir müssen bei unseren Planungen vor allem bestimmte Zielgruppen wie Jugendliche und Senioren im Auge haben“, betont Eberhard Büttgen. Dabei gelte es, nicht nur die Kernstadt, sondern auch die Randgebiete Eschweilers zu beachten. „In den Randlagen der Stadt leben viele Leute, die in zehn, zwanzig Jahren oder auch heute schon keinen eigenen Pkw mehr nutzen können.“

Flächendeckendes Konzept

Für die Innenstadt gilt: Die Vorteile der exzellenten Anbindung Eschweilers an gleich mehrere Autobahnen, von denen vor allem Firmen profitieren, kehren sich in Nachteile um, betrachtet man die zahlreichen externen Verkehre, die sich durch die City wälzen. „Nicht nur Großstädte und Flächen wie das Ruhrgebiet leiden unter Verkehrsinfarkten“, weiß Andreas Lutter. „Da gilt es Lösungen zu finden.“ Intelligenterweise im Austausch mit anderen Kommunen. „Von dem, was wir im Zukunftsnetz Mobilität erarbeiten, profitieren letztlich alle: Eschweilers Bürger ebenso wie Firmen, die sich hier ansiedeln wollen.“

Ziel der Bestrebungen ist nicht zuletzt, nicht nur punktuell Verbesserungen zu bringen, sondern ein flächendeckendes Mobilitätskonzept für Eschweiler zu entwickeln. Dabei, so Bürgermeister Rudi Bertram, „sieht die Stadt sich nicht allein als Player, sondern vor allem als Impulsgeber.“ Nicht zuletzt in regelmäßigen Gesprächen mit in Eschweiler ansässigen Wirtschaftsunternehmen.

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