Eschweiler - Integrationsrat: Das neue Team will ein Gefühl von Zuhause vermitteln

Integrationsrat: Das neue Team will ein Gefühl von Zuhause vermitteln

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
8424728.jpg
Sie geben im Integrationsrat nun den Ton an: die Vertreter der Internationalen Liste mit der neuen Integrationsratsvorsitzenden Nora Hamidi (2.v.r.). Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Zehn Jahre lang war Ilker Zaman das Gesicht des Integrationsrates. Der ehemalige türkische Volleyball-Nationalspieler musste jedoch bei den Wahlen im Mai eine Niederlage einstecken. Jetzt sitzt eine junge Frau an der Spitze des Rates, die einst an der Seite Zamans saß: Nora Hamidi wurde am Donnerstag einstimmig gewählt.

Die von Ferdi Küsek geführte „Internationale Liste“ besitzt nun die Mehrheit in dem Gremium, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen mit anderen kulturellen Wurzeln ins Eschweiler leben positiv einzubinden.

Nora Hamidi und ihre Mitstreiter sind von Null auf Hundert gestartet. Und so räumte die 32-jährige Assistentin in der Radiologie des Eschweiler Krankenhauses bei der ersten Sitzung des Rates ein, dass sie „weiche Knie“ habe. Dabei gehörte sie schon fünf Jahre lang dem Integrationsrat an und spielte mit dem Gedanken aufzuhören. Dass sie sich letztlich doch zu einer Kandidatur durchrang, ist den Kursen der Volkshochschule im Vorfeld der Wahlen zu verdanken, die Bewerbern erläuterten, was ein Integrationskurs leisten kann und leisten sollte. Dort traf sie einige ihrer späteren Mitglieder in der „Internationalen Liste“.

Elf Mitglieder aus elf Nationen – so setzte sich die Liste zusammen, die letztlich knapp gegen die von Ilker Zaman geführte internationalen sozialdemokratischen Liste gewann. 51,9 Prozent der Wähler reichten zum Sieg. „Es war Zeit für einen Generationswechsel“, meint Nora Hamidi. Diese Aussage gilt es nun mit Taten zu untermauern.

Klare Vorstellungen

Nora Hamidi hat klare Vorstellungen, wie der Integrationsrat in Zukunft arbeiten soll. Dabei setzt sich allerdings auch auf die Zusammenarbeit mit den Mitgliedern aus der sozialdemokratischen Liste. Hamidi selbst ist schließlich auch SPD-Mitglied. Zunächst will sie den Rat bekannter machen – nicht bei den Eschweilern allgemein, sondern bei den Betroffenen. „Viele Menschen mit Migrationshintergrund wissen gar nicht, dass es uns gibt“, sagt sie. Deswegen wollen die Mitglieder verstärkt vor Ort sein und regelmäßig Sprechstunden anbieten. Ein Raum dafür wird noch gesucht.

Ihren Schwerpunkt wollen die Mitglieder des Integrationsrates auch auf die Hilfe von Flüchtlingen legen. Ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit zeigt, wie erfolgreich dies sein kann. Der Rat begleitet vier syrische Flüchtlinge, unterstützt sie dabei, sich in Eschweiler zurecht zu finden, und knüpft Verbindungen zu den Behörden. „Es gibt so viel zu tun“, sagt Nora Hamidi. Aber der neue Integrationsrat will die Herausforderungen mit Engagement anpacken.

Was eine 32-Jährige dazu bewegt, im Integrationsrat mitzuarbeiten? „Wir fühlen uns in Eschweiler zu Hause und wollen anderen Menschen helfen, dieses Gefühl auch zu bekommen“, nennt Hamidi ein weiteres Ziel. Dabei wolle man auch Menschen mit Migrationshintergrund einbeziehen, die bereits seit vielen Jahren in Eschweiler leben, aber Probleme beim Erwerb der deutschen Sprache haben. In dieser Frage will man auch eng mit der Volkshochschule zusammenarbeiten. „Dass auch ältere Damen noch viel lernen können, hat mir meine Mutter bewiesen. Sie hat bei Null angefangen und kann nun Deutsch lesen“, berichtet sie. Es sei deshalb auch wichtig, die Frauen zu motivieren und zu stärken. Auch das will der Integrationsrat leisten.

„Eschweiler hat keinen Platz für Rassismus“ – diesen Satz nimmt Nora Hamidi sehr ernst. Allerdings müsse man auch dort in beide Richtungen denken. „Es darf nirgendwo Extremismus geben“, betont sie. Auch auf Seiten der Migranten.

Jetzt will der Integrationsrat mit der Arbeit beginnen: „Und zwar bei den Menschen, die uns gewählt haben.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert