Integration ist mehr als nur das Beherrschen der Sprache

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Die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) hat das Ziel, Einwanderer und deren Familien in ihrem Integrationsprozess zu fördern, zu begleiten und sie in ihrem selbständigen Handeln in den Angelegenheiten des täglichen Lebens zu bestärken. Gefördert wird die MBE durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Foto: Ali Abdo

Eschweiler. „Ich will mich integrieren, was muss ich wissen?“ Diesem Wunsch und dieser Frage ist die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer des Awo-Kreisverbandes Aachen-Land nachgekommen und organisierte deshalb jetzt einen Infovormittag, zunächst einmal für persisch sprechende Einwanderer.

Die Veranstaltung war für 10 Uhr am Morgen geplant, drei Gäste kamen eine halbe Stunde zu früh und der Rest eine halbe Stunde nach der geplanten Zeit. Nach und nach füllte sich der Raum. Kaum fing die Referentin mit ihrem Beitrag an, fing ein Telefon an zu klingeln. Auf persisch bat die Referentin alle Teilnehmer freundlich, ihre Mobiltelefone leise zu stellen. So wurde entgegen der Planung die Einleitung zum Thema verschoben. Eine bessere Gelegenheit, um gleich über Pünktlichkeit und über das Benehmen während einer Veranstaltung zu sprechen, hätte die Referentin nicht bekommen können.

Mit der Frage „Was verbindet Migration und Neugeburt?“ stellte die Referentin die Migration als Chance für einen neuen Anfang dar. Daher der Vergleich mit der Geburt. In der persischen Kultur beschreibt man den Neuanfang mit dem Begriff „Neue Geburt“. Sie erklärte, dass die Zuwanderer die neue Gesellschaft kennenlernen, erleben und sich gegebenenfalls anpassen müssen. Man müsse nicht alles übernehmen, was in der deutschen Gesellschaft gelebt werde, sondern man könne entscheiden, was man übernehme, was einem passe oder was gar nicht gehe.

Einige Punkte sollten aber auf alle Fälle übernommen werden, auch wenn sie einem erstmal fremd seien oder inakzeptabel erschienen. Als Beispiele wurden genannt: Schulpflicht, Kinderarbeit, und Monogamie.

Dr. Tehranchi, eine niedergelassene Kieferorthopädin, ist selbst als Erwachsene nach Deutschland gekommen und hat in der für sie damals noch fremden Gesellschaft Medizin studiert. Nach über 20 Jahren in Deutschland fühlt sich die zweifache Mutter schon längst zu Hause.

Da sie selbst Migrationserfahrungen hat, konnte sie den interessierten Teilnehmern mit praxisnahen Beispielen und in der Muttersprache erklären, wie die Integration beginnt und verläuft, bis man in dem fremden Land zu Hause ist. Bausteine der Integration seien nicht nur westliche Kleidung und das Beherrschen der deutschen Sprache, es gehöre viel mehr dazu. Wenn man nur die Sprache beherrsche, aber nichts über Kultur wisse, dann könne von Integration noch keine Rede sein.

Die Offenheit gegenüber anderen Kulturen erleichtere die Kontaktaufnahme zu den Menschen. Wenn die Neuzugewanderten mit der hiesigen Kultur, Regeln und Gepflogenheiten vertraut seien, könne ihre Integration einfacher gelingen, interkulturelle Missverständnisse könnten vermieden werden und Freundschaften stünde nichts mehr im Weg.

Im Rahmen des Infovormittags ergaben sich immer wieder Fragen, welche zeigten, dass der Erklärungsbedarf sehr groß ist. Eine Mutter fragte etwa, ob das Gesetz wirklich vorsieht, dass die Kinder aus den Familien ausziehen müssen, wenn sie volljährig sind.

Ein kleiner Kulturunterschied mit großer Wirkung ist beispielsweise die Eheschließung. Während in Deutschland eine Partnerschaft erst als Ehe gilt, wenn sich die Partner standesamtlich trauen, müssen die Paare in der islamischen Welt unbedingt islamisch heiraten. Eine Eheschließung vor dem Standesbeamten ist eine Nebensache und dient nur bürokratischen Zwecken.

Nach zwei Stunden Diskussionen mit vielen Fragen stellte die Referentin und die Leiterin der Migrationsberatung für Erwachsenen Zuwanderer (MBE), Bouchra Baboua, fest, dass es sinnvoll ist, wenn die Teilnehmer eine weitere Möglichkeit bekommen, ihre Fragen zu stellen und Informationen zu erhalten.

Daher wird die MBE eine weitere Infoveranstaltung für die gleiche Gruppe organisieren. Diese findet am 6. September ab 16.30 Uhr in den Räumen der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer in der Gutenbergstraße 52 in Eschweiler statt.

Dr. Tehranchi wird wieder die Veranstaltung leiten. Die gebürtige Iranerin kommt seit August 2016 jeden Mittwoch in die MBE und unterstützt das Team ehrenamtlich bei seiner Beratungsarbeit. Da sie sich mit den afghanischen Menschen verständigen kann, ist sie eine wichtige Person für beide Seiten. Mit ihrer Hilfe können Bedarfe ermittelt werden. Probleme werden erkannt und gelöst.

Gerne schließt sie Ihre Praxis in Geilenkirchen am Mittwochvormittag und kommt nach Eschweiler. Eine Veranstaltung mit dem gleichen Inhalt wird Bouchra Baboua am 1. September für arabisch sprechende Zuwanderer und Flüchtlingen anbieten.

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