Ins Quartier West kommt jetzt Bewegung

Von: Rudolf Müller
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Ein Viertel im Aufbruch: Mit dem „Quartiersbüro Eschweiler-West“ bringt die Stadt gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt eine Vielzahl von Angeboten in die Gutenbergstraße und Umgebung. Auf dem früheren Sportplatzgelände (links im Bild) sollen im kommenden Jahr weitere Mehrfamilienhäuser entstehen. Foto: Rudolf Müller
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40 Wohnungen hat die Stadt in der Gutenbergstraße angemietet. Die Häuser Gutenbergstraße 44 bis 58 wurden und werden seit Januar nach und nach renoviert, möbliert und vergeben.
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Haben sich viel vorgenommen: Quartiersmanager Nour-Eddine Chahboun (3. v.l.) und Kollegen samt Bürgermeister Rudi Bertram (r.).

Eschweiler. Den besten Ruf genießt die Gegend nicht. Völlig zu Unrecht, wie Bürgermeister Rudi Bertram, der sich hier immer wieder mal umsieht, feststellt: „Entgegen landläufigen Erzählungen, so mein Eindruck, ist die Gutenbergstraße ein gutes Quartier.“

„Eines, in dem sich einiges bewegt.“ Hier, so Bertram, habe es schon immer ein sehr großes Engagement von Ehrenamtlern wie auch vielen Bewohnern gegeben.

Dass dies so ist und weitergeht, dazu trägt nicht zuletzt die Stadt selbst bei. In enger Zusammenarbeit mit der Arbeiterwohlfahrt. Sie eröffnete jetzt im Haus Gutenbergstraße 52 ein Quartiersbüro – Anlaufstelle für alle Bewohner des Viertels. Hier finden sie nicht nur eine Vielzahl von Angeboten, sondern auch individuelle Hilfe, Beratung und Betreuung. Quartiermanager ist Nour-Eddine Chahboun. Der gebürtige Marokkaner, der in Aachen Biomedizintechnik studierte und einige Jahre Erfahrung in der Betreuung von Flüchtlingen im Psychosozialen Zentrum Aachen mitbringt, ist Ansprechpartner für die Anliegen der Bewohner und stellt da, wo er selbst nicht helfen kann, die nötigen Kontakte zu den entsprechenden Einrichtungen und Organisationen her.

„Integration von Flüchtlingen im Quartier Eschweiler West“ ist der Titel des Projekts, das vom Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Programms „Hilfen im Städtebau für Kommunen zur Integration von Flüchtlingen“ drei Jahre lang gefördert wird. Doch was hier, im Quartiersbüro, geboten wird, richtet sich nicht allein an Flüchtlinge, sondern an alle Bewohner des rund 5000 Menschen umfassenden Viertels zwischen Gutenbergstraße, Bahnhof und Stich 30. Einem Viertel, in dem der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund deutlich höher liegt als im städtischen Durchschnitt. Ihre Lebenssituation zu verbessern, Armut und Ausgrenzung zu bekämpfen und Flüchtlinge zu integrieren, haben sich Stadt und Awo auf die Fahnen geschrieben. Nour-Eddine Chahboun hat dazu schon einige Projekte aufgelegt. So gibt es in Kürze einen mehrsprachigen Wegweiser „Leben im Quartier West“. Chahboun bietet zudem ab sofort offene Sprechstunden in den städtischen Unterkünften Stich 30 und Hüttenstraße an und im Quartiersbüro eine Plattform zum Austausch unter Ehrenamtlern, die dringend gebraucht werden – nicht zuletzt als Dolmetscher

Ein weiteres Projekt trägt den Titel „Der Bus ist da!“ und wendet sich an junge Leute zwischen 12 und 27 Jahren. Im rollenden Jugendtreff der Mobilen Jugendarbeit des Jugendamtes geht es ab dem 22. September nicht nur um Freizeitgestaltung, sondern auch um die Vermittlungen von Informationen in Sachen Schule und Beruf und die Vermittlung bei Konflikten zwischen Jugendlichen und Anwohnern im Quartier.

Mitte September startet im Quartiersbüro auch ein Maltreff für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, und jeden Mittwoch lädt Chahboun Männer zum Schachtreff ins Quartiersbüro ein – eine Gelegenheit, nicht nur das Schachspiel zu erlernen, sondern auch Konversation auf Deutsch zu pflegen, Freundschaften zu schließen und auf spielerische Art Lust am Lernen zu entwickeln.

Zur Organisation der Bewohnerbeteiligung und zur Bündelung der Kräfte von Stadt und Freien Trägern soll eine Sozialraumkonferenz dienen, die unter Leitung von Dr. Wolfgang Joußens Büro B-Plan im Oktober ihre Arbeit aufnehmen soll. Die Konferenz verfügt auch über einen Fonds, aus dem kleinere Projekte der Bewohner – zum Beispiel das beliebte Spielplatzfest – mit bis zu 5000 Euro unbürokratisch (mit-)finanziert werden können.

Ergänzt wird die Konferenz durch einen Quartiersbeirat, der aus dem bereits hier tätigen „Runden Tisch Eschweiler-West“ hervorgeht.

Und auch das Sozialamt, dessen Leiter Jürgen Rombach an der Spitze des Gesamtprojekts Quartiersbüro steht, ist vor Ort vertreten: Sozialpädagogin Demet Jawher und ihr Kollege Keywan Salehi bieten hier demnächst Sprechstunden an.

Dass die Stadt im Quartier West eng mit der Arbeiterwohlfahrt (Awo) zusammenarbeitet, kommt nicht von ungefähr. „Schon beim Betrieb der Notunterkunft Jahnstraße haben wir sehr gut zusammengearbeitet“, unterstreicht Eschweilers Sozialdezernent Stefan Kaever. Das habe die Awo, die im Viertel auch die Kindertagesstätte „Zauberhut“ betreibt, veranlasst, sich dem Projekt anzuschließen. „Das große Engagement der Sozialamtsmitarbeiter vor Ort, aber auch die Unterstützung seitens der Politik sind ein gutes Fundament für künftige Aufgaben“, sagt Guido Dohmen, stellvertretender Geschäftsführer des Awo-Kreisverbands Aachen-Land.

Künftige Aufgaben – daran wird es nicht mangeln, sagt Stefan Kaever. Allein im vergangenen Jahr seien der Stadt Eschweiler 550 Flüchtlinge dauerhaft zugewiesen worden. Unser Ziel ist es, diese Menschen möglichst in den freien Wohnungsmarkt zu integrieren. Das funktioniert ganz gut: Immer wieder gibt es Angebote von Privatleuten, aber auch von der Gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft.“ Froh sind Kaever wie auch Bertram darüber, dass es gelungen ist, gleich 40 Wohnungen in der Gutenbergstraße anzumieten, die sukzessive renoviert, möbliert und vergeben werden. Die ersten wurden im Januar bezogen, die letzte soll im Oktober fertig sein.

Sozialamtsleiter Jürgen Rombach: „Auch wenn in diesem Jahr bisher erst 32 Flüchtlinge Eschweiler zugewiesen wurden, die meisten davon im Rahmen von Familienzusammenführungen, kann von entspannter Situation keine Rede sein.“ Die Zahl der Asylanträge in der Bundesrepublik liege in diesem Jahr bereits jetzt über der Gesamtzahl des vergangenen Jahres, was am Bearbeitungsstau liege. „Wir sprechen hier von rund 480.000 Menschen. Nicht alle haben Bleibeperspektiven. Aber die, die keine haben, bleiben trotzdem. Und auch die müssen wir menschenwürdig unterbringen.“

Jürgen Rombach rechnet mit weiteren Zuweisungen nach Eschweiler im September/Oktober. Alsdorf hat schon im August 50 weitere Menschen zugewiesen bekommen. Im Quartier West leben derzeit an die 230 Flüchtlinge, davon 80 an der Hüttenstraße und 60 am Stich 30.

Für die Erwachsenen unter ihnen bietet die Awo in der Gutenbergstraße 52 unter Federführung von Sozialpädagogin Bouchra Baboua umfassende Beratung und Betreuung an – Hilfe bei psychosozialen Problemen wie auch bei Fragen zu Integrationskursen oder der Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Sie informiert über gesunde Ernährung ebenso wie über das Schulsystem, bietet Deutschunterricht, Computerkurse für Frauen und vieles mehr. „Das persönliche Engagement aller hier Beteiligten“, sagt Guido Dohmen, „geht weit über das Berufliche hin-aus!“

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