Ins Gericht gehts nur durch eine Schleuse

Von: Patrick Nowicki
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Check an der Schleuse: Direktor Dr. Gisbert Fuchs demonstriert die Sicherheitsvorkehrungen im Amtsgericht Eschweiler. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Juristen leben mitunter gefährlich, müssen sie doch oft Entscheidungen treffen, die das Leben von Menschen entscheidend beeinflussen. Dr. Gisbert Fuchs, seit vier Monaten Leiter des Eschweiler Amtsgerichts, weist junge Kollegen gerne darauf hin.

Die schrecklichen Ereignisse in Dachau, wo ein 31-jähriger Staatsanwalt erschossen wurde, rufen verstärkt in Erinnerung, dass sich in Gerichtssälen menschliche Tragödien abspielen können.

Metalldetektor am Eingang

Vor einigen Jahren sind die Sicherheitsvorkehrungen an den Gerichtsgebäuden in Nordrhein-Westfalen verschärft worden. Auch im Amtsgericht Eschweiler, wo sieben Wachmänner in den beiden Gebäuden ihren Dienst verrichten. Wer in das historische Gemäuer an der Kaiserstraße gelangen will, der muss zunächst eine Schleuse passieren. Ein Detektor, einem grauen Türrahmen ähnlich, macht mit einem lauten Piepen darauf aufmerksam, wenn jemand hindurchschreitet und Metallgegenstände bei sich trägt. Aber er ist nicht immer in Betrieb.

In Eschweiler wird das hochmoderne Gerät, das im vergangenen Jahr angeschafft wurde, immer zu unterschiedlichen Zeiten, drei Mal in der Woche angeschaltet. Im Einsatz kommt es auch dann, „wenn konkrete Hinweise für eine Gefahrenlage bestehen”, erläutert Dr. Gisbert Fuchs. Das kann auch in Eschweiler durchaus geschehen, denn nicht immer sind es die großen Kriminalfälle, die zu überraschenden Reaktionen führen können. „Wir verhandeln hier Familiensachen, urteilen im Betreuungs- und Umgangsrecht”, sagt Dr. Fuchs, „das ist alles höchst emotional.”

Auch deshalb wird das Sicherheitskonzept konsequent umgesetzt. Das Gerichtsgebäude ist nur durch den Haupteingang zugänglich. Zwar existiert auch ein Ausgang zum rückseitigen Parkplatz, aber der ist abgersperrt und die Tür lässt sich nur mit einer Chipkarte öffnen. Videokameras liefern den Wachleuten Bildern aus verschiedenen Bereichen des Gebäudes. Sie können auch Gepäck in einer speziellen Anlage überprüfen lassen. In Eschweiler stoßen die Wachleute selten auf etwas. „Höchstens mal ein Taschenmesser”, berichten sie. Alles, was als Waffe dienen kann, also auch ein Schraubenzieher, wird einbehalten und erst beim Verlassen des Gerichtsgebäudes wieder ausgehändigt. Handelt es sich allerdings um einen Gegenstand der unter das Waffengesetz fällt, dann bleibt er beschlagnahmt.

In Eschweiler gestalten sich die Sicherheitsvorkehrungen im Gericht aufwändiger, weil in der Peter-Paul-Straße noch eine Zweigstelle betrieben wird. Auch dort befindet sich ein Metalldetektor und eine Gepäckdurchleuchtung. Seit Jahren schon besteht der Wunsch nach einem neuen Amtsgerichtsgebäude, in dem alle Bereiche untergebracht werden können. Bisher vergeblich. „Es ist natürlich alles schwieriger, die Wege sind länger”, erläutert Dr. Fuchs. Er will - wie seine Vorgänger auch - alles dransetzen, dass ein Neubau verwirklicht wird.

Dass dies in naher Zukunft geschieht, gilt im Moment als unwahrscheinlich. So lange also muss sich das Sicherheitskonzept nach den Gegebenheiten in Eschweiler richten. „Wir nehmen das Thema sehr ernst, aber eine absolute Sicherheit gibt es einfach nicht”, weiß auch Dr. Gisbert Fuchs. Eine Eskalation könne schließlich auch in einer 0-8-15-Strafsache passieren. „Die Kollegen haben aber schon ein hohes Gespür dafür, wenn Gefahr droht”, ist sich der Amtsgerichtsdirektor sicher. In dem Fall gilt dann die erhöhte Sicherheitsüberprüfung an der Schleuse ins Amtsgericht.

Ansonsten haben die Vorfälle in Dachau kaum einen Einfluss auf den Arbeitsalltag an der Kaiserstraße. Zwischen den Kontrollen an der Tür müssen auch Akten sortiert und in die einzelnen Räume gebracht werden. Auch das gehört dazu, zum Dienst als Wachmann im Amtsgericht.
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