Innovative Energie mitten im Grünen

Von: Rudolf Müller
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Jede Menge Natur: Die farbige Fläche am linken unteren Rand des Camp-Astrid-Areals ist das neue Stolberger Gewerbegebiet, der umgrenzte Bereich gehört zu Eschweiler und wird Standort von „Camp Astrid - C02-Zero”. Während die bebaute Fläche nicht über die bereits versiegelten Bereiche (per Kreis markiert) hinausgeht, wird das übrige Gelände Naherholungsgebiet mit einer Vielzahl von Attraktionen. Foto: google maps

Eschweiler. Was tun mit einem 320 Hektar großen Areal, das einerseits begrünt, andererseits mit den Altlasten einer langen militärischen Vergangenheit kontaminiert ist? Einzäunen und vergessen? Mit Gewerbebetrieben bepflastern?

Weder - noch. Was Professor Dr. Peter Doetsch und Ulrich Schirowski jüngst Bürgermeister Rudi Bertram zur künftigen Nutzung des Camps Astrid vorschlugen, stieß auf dessen helle Begeisterung.

Doetsch ist unter anderem Vorstandssprecher des Umweltforums der RWTH, in dem rund 70 Kollegen ideenreich interdisziplinäre Umweltprojekte initiieren. Schirowski ist Leiter der Regionalentwicklung bei der AGIT und damit derjenige, der die Ideen innovativer Forscher den Praktikern der Wirtschaft vermittelt. Camp Astrid, so hatten sich die beiden bei einer langen Autofahrt aus der Eifel heimwärts überlegt, sei der geeignete Standort für regenerative Energiekonzepte in Anwendung, Forschung und Demonstration. Eine Idee, die sie Bertram prompt per Handy kundtaten. Und die seither ganz schöne Ausmaße bekommen hat.

Auf den seit Jahrzehnten versiegelten Flächen der einstigen belgischen Kaserne könne nicht nur nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung Wärme, Kälte und Strom aus Biomasse gewonnen werden, hier könne auch Wind- und Solarenergie erzeugt werden. „Kein großer Windpark”, sagt Doetsch, sondern innovative Technologien wie die ins Landschaftsbild integrierten Quiet Revolution-Windräder aus Großbritannien, an denen auch das RWE mitforscht. Auch an „ressourcenoptimiertes solares Bauen und Wohnen” sei gedacht.

Abnehmer für im Camp-Kraftwerk erzeugte Wärme und Strom sollen vor allem die Betriebe im nahen Stolberger Gewerbegebiet sein. Die Stolberger Camp-Astrid-GmbH ist bereits jetzt Projektpartner - weitere sind die AGIT, EWV, die RWTH und die Städte Eschweiler und Stolberg. In Kürze, da ist Rudi Bertram sicher, werden auch das RWE und die Indeland-GmbH hinzukommen.

Sie alle sollen hier - unter anderem in Kooperation mit dem Solarinstitut Jülich - ein breites Spektrum an Erforschung, Entwicklung und Anwendung alternativer Energienutzungsformen ermöglichen. Dazu gehören Geothermie und Grubenwasserthermie ebenso wie die Phytoremediation, der Abbau von Schwermetallen im Boden mittels Pflanzen.

Nicht nur Rudi Bertram ist davon überzeugt, dass das Konzept auch etliche der vielen innovativen Unternehmen, die beim Neubau des RWTH-Campus in Aachen keinen Platz mehr finden werden, nach Eschweiler lockt. Der Name für das Projekt ist längst gefunden und Programm: Camp Astrid - C02-Zero. Zum umweltschonenden Anspruch des Vorhabens gehört auch, dass nur bereits versiegelte Flächen neu überbaut werden - der weitaus größte Teil des Areals soll barrierefrei der Naherholung dienen.

Dipl.-Ing. Eberhard Büttgen, Mitarbeiter an Professor Doetschs Institut und als St. Jöriser ein Kenner der Gegend, hat dazu längst Ideen entwickelt: Hier könnte neben einem geschichtlichen Lehrpfad ein Naturlehrpfad entstehen, hier könnte Besuchern seltene Flora ebenso vor Augen geführt werden wie die Überbleibsel einstiger Steinkohle- und Erzgruben sowie die neu in Szene zu setzende römische Villa rustica. „Ein Kulturpfad zwischen Steinzeit, Römerzeit und Erzbergbau”, schwebt Büttgen vor, „und ein Schaufenster zur Industriegeschichte der Region”.

Eine Machbarkeitsstudie soll in den nächsten Monaten Aufschluss über Möglichkeiten und Kosten des Gesamtvorgabens geben. Schon jetzt ist das Projekt Bestandteil der Pläne zur Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2017 in Aachen und Teil der euregionalen Strategie „Energie und Klima”.

Bereits in der kommenden Woche verhandelt die Stadt mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als Verwalterin des Areals über den Kauf des Geländes. Dass man sich schnell einig wird, daran zweifelt im Rathaus niemand.
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