Eschweiler - Innenstadtnahes Wohnen für ältere Menschen in Eschweiler

Innenstadtnahes Wohnen für ältere Menschen in Eschweiler

Von: ran
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Eschweilers Innenstadt: Sie bietet die Infrastruktur der kurzen Weghe, die gerade ältere Mitbürger für ihre Versorgung schätzen. Aber bietet sie auch die geeigneten Wohnungen? Foto: Rudolf Müller
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Nahm zahlreiche Ideen der Netzwerkmitglieder in Sachen „Innenstadtnahes Wohnen für ältere Menschen in Eschweiler“ entgegen: das Projektteam mit Piet Severijnen, Dr. Wolfgang Joußen, Peter Toporowski, Johannes Burggraef und Eberhard Büttgen. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Es ist eine Entwicklung, der in den kommenden Jahrzehnten unbedingt Rechnung getragen werden muss! Der Anteil älterer und alter Menschen an der Bevölkerung wächst. Und immer mehr ältere Menschen möchten aus vielfältigen Gründen innenstadtnah und so lange wie möglich selbstbestimmt wohnen. Natürlich auch in Eschweiler.

Im Rathaus fand nun das erste Treffen im Rahmen des Projekts „Innenstadtnahes Wohnen für ältere Menschen in Eschweiler“, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird, statt.

Während des Planungsworkshops, an dem Eschweiler Bürger sowie Verantwortliche von Organisationen und Einrichtungen aus dem Bereich der Seniorenarbeit, dem Gesundheits- und Dienstleistungssektor sowie der Wohnungswirtschaft beteiligt waren, stand das Ziel im Vordergrund, ein Netzwerk zu bilden, dessen Beteiligte in den kommenden Monaten ein Konzept zur Verbesserung des Wohnraumangebotes und der Wohnraumqualität für ältere Menschen im Innenstadtbereich Eschweilers erarbeiten werden.

Umfrage in Vorbereitung

Dabei stehen auch die Leitfragen im Mittelpunkt, wie mehr Wohnraum für ältere Menschen im Innenstadtbereich zur Verfügung gestellt sowie die Versorgung, das Dienstleistungsangebot und der Handel besser auf den Bedarf älterer Menschen ausgerichtet werden könne.

Darüber hinaus wird in naher Zukunft das Projektteam mit Jürgen Rombach, Leiter des Amtes für Soziales, Senioren und Integration der Stadt Eschweiler, dem Seniorenbeauftragten Peter Toporowski, dem Demografiebeauftragten Eberhard Büttgen, dem wissenschaftlichen Berater Dr. Wolfgang Joußen sowie den Arbeitsgruppenmoderatoren Johannes Burggraef und Piet Severijnen eine sogenannte „aktivierende Befragung“ unter den Senioren in Eschweiler starten.

„Angesichts des demografischen Wandels fragen sich zahlreiche Menschen, wie ihr Lebensumfeld später einmal aussehen wird? Klar ist, dass der Wunsch der meisten älteren Menschen lautet, möglichst lange selbstbestimmt und selbstorganisiert in den eigenen vier Wänden zu leben“, begrüßte mit Stefan Kaever der Erste Beigeordnete der Stadt die Gäste. Da traditionelle Familienstrukturen jedoch nicht mehr selbstverständlich seien, müssten andere Lösungen gefunden werden, vor allem barrierefreien Wohnraum innenstadtnah zu schaffen. „Und dieser muss bezahlbar bleiben“, unterstrich Jürgen Rombach.

„Dieses Projekt knüpft an Initiativen und Aktivitäten der Stadt für und mit älteren Menschen in Eschweiler an“, erinnerte Peter Toporowski unter anderem an das „Generationencafe“ im vergangenen Dezember sowie an die Fachtagung „Armut im Alter“, die im März dieses Jahres stattfand.

Zahlen zur demografischen Entwicklung lieferte Dr. Wolfgang Joußen: „Grundsätzlich ist festzustellen, dass wir älter, weniger und verschiedener werden“, startete der Soziologe seine Ausführungen. Der Zensus 2011 habe für die Indestadt ergeben, dass 21,6 Prozent der Bevölkerung zwischen 50 und 64 Jahre, 10,9 Prozent zwischen 65 und 74 Jahre sowie 9,5 Prozent 75 Jahre und älter gewesen seien. „Insgesamt gehörten also 42 Prozent der Eschweiler Bevölkerung der Gruppe Ü50 an“, so Wolfgang Joußen.

Ein weiterer Trend sei bei den Alleinlebenden zu verzeichnen: 14,72 Prozent der Gesamtbevölkerung lebten 2011 in Ein-Personen-Haushalten. Bei den über 50-Jährigen lag der Anteil sogar bei 35,2 Prozent. Prognosen für das Jahr 2030 sagten eine deutliche Bevölkerungszunahme vor allem innerhalb der Gruppe der 65- bis 74-Jährigen voraus.

Und wie sieht es in Sachen „wohnen“ aus? 91 Prozent der Menschen in Deutschland, die im Jahr 2011 65 Jahre oder älter waren, lebten in einer „normalen“ Wohnung, fünf Prozent bevorzugten alternative Wohnformen und lediglich vier Prozent lebten in Pflegeheimen.

Bei den Wohnwünschen im Falle eines Umzuges präferierten 65 Prozent eine kleinere Wohnung, 32 Prozent eine in etwa gleich große Wohnung. Zwölf Prozent der Befragten im Alter zwischen 50 und 75 Jahren zeigten sich bereit, bei einem Umzug aus Altersgründen monatlich mehr Geld für die neue Wohnung auszugeben, 48 Prozent wollten gleich viel bezahlen, 34 Prozent weniger Geld ausgeben.

Individuell und selbstbestimmt

Besonders wichtig war für die Senioren ein selbstbestimmtes, individuelles Wohnen, Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe, geringe Wohnkosten, eine wohnungsnahe medizinische Versorgung sowie eine gute Anbindung durch den öffentlichen Personennahverkehr. Die klare Mehrheit der befragten Personen der Altersgruppen 50 bis 60 Jahre, 61 bis 70 Jahre und 71 bis 75 Jahre sprach sich als bevorzugte Wohnform für das Leben alleine oder mit dem Partner zuhause aus.

Unter der Leitung von Johannes Burggraef und Piet Severijnen erarbeiteten die Workshopteilnehmer dann in zwei Gruppen eigene Prioritätenlisten in Sachen „Wohnen im Alter“. Dabei standen im Bereich „Wohnumfeld“ neben dem Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum, einer menschenfreundlichen Gestaltung des öffentlichen Raums und der Einrichtung von Ruhezonen (Parkbänken) auch der Ausgleich zwischen Jung und Alt, den eine Teilnehmerin mit dem Satz „Eschweiler soll im Jahr 2030 keine Seniorenschlafstadt sein“ auf den Punkt brachte, sowie eine seniorengerechte Entwicklung aller Stadtteile Eschweilers im Mittelpunkt.

Beim Aspekt „Versorgung“ stehen vor allem die Themen Medizin, Anbindung und Einkaufsmöglichkeiten weit oben. Nach der Auswertung der aktivierenden Befragung soll im November die Vorstellung einer ersten Version des Konzeptes erfolgen, der sich ein weiteres Treffen des Netzwerkes anschließen wird. Mit dem dann erarbeiteten Abschlusskonzept soll im kommenden Jahr die Umsetzungsphase eingeläutet werden, zu der auch die Information über Fördermöglichkeiten zählt.

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