Info-Veranstaltung: Als Sportler den Herztod vermeiden

Von: ran
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Zahlreiche Zuhörer nutzten die Gelegenheit und nahmen Ratschläge entgegen, wie sie das Risiko, den plötzlichen Herztod beim Sport zu erleiden, weiter minimieren können. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Es sind (glücklicherweise) höchst seltene Einzelfälle. Doch diese reißen meist junge Menschen, die gesund und aktiv zu sein scheinen, von einem Moment auf den anderen aus dem Leben. Im vergangenen Jahr brach ein 26-jähriger Athlet beim LSG-Volkslauf im Ziel zusammen und verstarb trotz schneller ärztlicher Hilfe wenig später.

Und erst am vergangenen Samstag ereilte einen Handballer des TFB Röhe das gleiche Schicksal. Der plötzliche Herztod bei Sportlern ist ein Phänomen, das vor allem medizinischen Laien beinahe unerklärlich erscheint.

Ursachen, Risiken, Symptome

In Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Stadtsportbundes sowie der LSG Eschweiler informierte nun am Mittwochabend mit Professor Dr. Uwe Janssens der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin des St.-Antonius-Hospitals zahlreiche Zuhörer im vollbesetzten Ratssaal des Rathauses über Ursachen, Risiken sowie Symptome, die zum plötzlichen Herztod führen können, und gab Ratschläge, wie sich Hobby- und Breitensportler in bestimmten Situationen verhalten sollten. Tenor des Abends: „Sport ist definitiv lebensverlängernd, wenn er mit Augenmaß und Vernunft betrieben wird!“

„Es klingt etwas paradox, dass gerade Sportler unter gewissen Umständen einem deutlich höheren Risiko zu unterliegen scheinen, den plötzlichen Herztod zu erleiden, als Nichtsportler“, betonte Christoph Herzog, der als Moderator durch den Abend führte, zu Beginn der Veranstaltung.

„Der Tod eines Sportlers wird in der Öffentlichkeit besonders wahrgenommen, da man dieser Gruppe von Menschen im Allgemeinen eine besonders gute Gesundheit bescheinigt“, so der Vorsitzende des Stadtsportbundes. Bürgermeister Rudi Bertram gestand in seinem kurzen Grußwort, in den Vorgesprächen zur Vortragsveranstaltung erfahren zu haben, dass er während seiner eigenen Sportlerlaufbahn wohl einiges falsch gemacht habe. „Und zwar ohne es zu wissen. Deshalb ist der plötzliche Herztod bei Sportlern ein Thema, das viele von uns etwas angeht“, unterstrich der Verwaltungschef.

„Dieser Vortrag soll ihnen auf keinen Fall Angst einjagen, weiterhin Sport zu treiben. Sport ist definitiv lebensverlängernd“, sprach Professor Dr. Uwe Janssens dann gleich zu Beginn seines Vortrags deutliche Worte. Dennoch gelte es, bestimmte Dinge zu beachten. Unabhängig vom Sport sei der plötzliche Herztod weltweit die häufigste Todesursache, der in den USA jährlich 250.000 bis 300.000 Menschen erliegen. „Nicht selten ereilt er auch Menschen, die an keinen Vorerkrankungen leiden“, so der Chefarzt. Die Chance, einen Herzschlag zu überleben, sei gering. „Etwa acht Prozent der Patienten gelingt dies“, lieferte Professor Dr. Uwe Janssens eine ernüchternde Zahl.

Eine genaue Definition des plötzlichen Herztodes sei äußerst schwierig: „Der Zeitraum zwischen dem Auftreten erster Symptome und dem Tod muss kleiner sein als eine Stunde, wobei kein traumatisches Ereignis vorliegen darf“, erklärte der Mediziner. Zu den Hauptrisikofaktoren zählten angeborene und erworbene Herzfehler, die oft unerkannt seien und teilweise auch erst zu erkennen seien, wenn deutliche Probleme aufträten.

„Eine intensive körperliche Belastung wird über die Herzfrequenz ausgeglichen. Diese Frequenz bestimmt auch die Höhe des Sauerstoffverbrauchs. Ab einem bestimmten Erschöpfungsgrad ist der Transport von Sauerstoff aber nicht mehr in ausreichender Menge gewährleistet. Hinzu kommt, dass Stresshormone ausgeschüttet werden, die den Herzmuskel zusätzlich belasten. In einer solchen Situation kann es auch in einem gesunden Herzen zu Rhythmusstörungen kommen, die letztlich zum Kammerflimmern führen. Das Herz bleibt stehen!“, beschrieb Professor Dr. Uwe Janssens den möglichen Verlauf eines plötzlichen Herztodes. Begleitfaktoren seien eine steigende Körpertemperatur bis hin zum Fieber, der Verlust von Körpersalzen sowie das Verklumpen von Blutplättchen, die so die Gefäße verstopften.

Während bei Personen über 35 Jahren die Ursachen für einen plötzlichen Herztod zu 80 Prozent in koronaren Herzerkrankungen (Erkrankung der Herzkranzgefäße) zu finden seien, seien bei jüngeren Menschen auch genetische Veranlagungen nicht zu vernachlässigen. „Erliegt ein Mensch in sehr jungen Jahren dem plötzlichen Herztod, ist es für die Angehörigen unbedingt ratsam, sich untersuchen zu lassen.“ Trotz der aktuellen tragischen Ereignisse sei jedoch der plötzliche Herztod bei Sportlern ein sehr selten auftretendes Phänomen. „Langzeitstudien in Frankreich und den USA kamen zu dem Ergebnis, dass von einer Million Sportler 5,45 den plötzlichen Herztod erleiden“, nannte der Referent erneut Zahlen. Auffällig: 95 Prozent der Opfer sind Männer!

Nikotin und Diabetes

Weitere Risikofaktoren seien mit unter anderem Übergewicht, Nikotin, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes die üblichen Verdächtigen. „Klar und einleuchtend sollte und muss sein, dass auch Sportler vor Krankheiten nicht gefeit sind! Deshalb muss die Maxime lauten: Bei einer akuten Erkrankung kein Sport!“, appellierte Professor Dr. Uwe Janssens an seine Zuhörer. Warnsymptome seien eine sehr hohe Herzfrequenz, Schmerzen bei Belastung oder auftretende Rhythmusstörungen. Erleide ein Sportler einen Kollaps und damit einen Bewußtseinsverlust, sei dies sehr ernst zu nehmen.

„Dann muss der Weg in ein Krankenhaus führen. Schließlich wissen sie nicht, ob eine Herzmuskelerkrankung vorliegt. Viren nisten sich gerne im Herzen ein, ohne dass sie es merken. Die Konsequenz kann eine Herzmuskelentzündung sein!“ Deshalb gelte es, Infekte komplett auszukurieren und einen übertriebenen Ehrgeiz zu vermeiden.

„Fühlt sich der Sportler wieder gesund, sollte er seinem Körper noch drei bis vier Tage Rekonvaleszenz gönnen und dann langsam wieder mit dem Training beginnen“, so der Rat des Mediziners, der anschließend auf die positiven Auswirkungen des Sports auch bei Herzpatienten einging. „Dosiertes Training unter Anleitung verbessert die Herzleistung, senkt die Frequenz und vermindert den Gefäßwiderstand. Der Körper bildet quasi seine eigenen Medikamente.“ Darüber hinaus werde auch die Leistungsfähigkeit der Lunge optimiert.

„Der plötzliche Herztod bei Sportlern ist ein seltenes Ereignis, das teilweise unvermeidbar, also schicksalshaft auftritt. Die Aufgabe der Sportler ist es, Vorsorge zu betreiben. Sie sollten die Risiken kennen, auf Symptome achten und sich bei einem Arzt melden, wenn Unregelmäßigkeiten auftreten“, so das Fazit von Professor Dr. Uwe Janssens zum Ende seines Vortrags, dem sich eine lebhafte Diskussion mit den Zuhörern anschloss.

In deren Verlauf unterstrich der Arzt unter anderem, dass Sport treiben unter Medikamenten keinesfalls empfehlenswert sei. „Wenn der Körper ihnen Schmerzsignale sendet, dann steckt ein Sinn dahinter. Diese Signale durch Medikamente zu unterdrücken, ist der falsche Weg.“ Vorsicht sei auch geboten, Sport bei extremen Witterungsbedingungen zu treiben. „Sowohl sehr hohe als auch sehr niedrige Temperaturen führen zu einer Erhöhung der Herzfrequenz“, gab Professor Dr. Uwe Janssens den zahlreichen Gästen der Vortragsveranstaltung mit auf den Heimweg.

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