Indestädter schmuggeln tonnenweise Zigaretten über die Grenze

Von: Wolfgang Schumacher
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Zwischen 2008 und 2011 sollen die Angeklagten umfangreichen Zigaretten- und Tabakschmuggel betrieben haben.

Aachen/Eschweiler. Steuerhinterziehung und Steuerhehlerei in einer hohen sechsstelligen Euro-Summe, das sind die Vorwürfe gegen fünf Angeklagte im Alter zwischen 44 und 72 Jahren am Dienstag vor der 1. Großen Wirtschaftsstrafkammer am Aachener Landgericht.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Matthias Quarch hatte den zweiten Verhandlungstag, der zeitlich begrenzt war, ganz für die Verlesung der mehrseitigen Anklageschrift vorgesehen. In dem Verfahren geht es um umfangreichen Zigaretten- und Tabakschmuggel in den Jahren 2008 bis 2011 aus dem nahen Luxemburg nach Eschweiler. Hier soll die heiße Ware an Unterverteiler weitergegeben und gewinnbringend an private Abnehmer verkauft worden sein.

Nach dem Krieg war das Grenzgebiet verschrien für seine Schmugglerbanden, vor denen weder ein Krümel Kaffee noch irgendwelche Tabakwaren sicher waren. Doch heute? Anscheinend gibt es sie noch, die ganz normalen Mitbürger, die ihr körpereigenes Adrenalinvorkommen an den EU-Grenzen testen und die Konterbande in Kofferräumen über die Grenzen bringen.

Was die doch schon älteren Mitbürger aus Eschweiler in den vier Jahren so rüber schafften, kann sich schon sehen lassen.

Da ist die heute 66-jährige Margarete D., die gemeinsame Sache mit dem 72-Jährigen Ludwig H. gemacht haben soll und insgesamt in dieser Zeit knapp acht Tonnen Tabakwaren aus dem Luxemburgischen nach Eschweiler gebracht haben soll. Dort wurde eine Lagerhalle als Umverteilungsstation für die preislich billigen Glimmstängel und den Tabak genutzt.

Dann kamen Unterverteiler ins Spiel, von denen Markus P. (49) und Jan B. (44) jetzt wegen sogenannter Steuerhehlerei angeklagt sind, sie sollen die günstige Ware dann unters Volk gebracht haben.

Ein Sonderfall scheint bei der fünften Angeklagten, Annelie K. (54) aus Eschweiler, vorzuliegen. Zum Erstaunen der Kammer verlas ihr Verteidiger eine Entscheidung des Finanz- wie des Landgerichts, nach der die Aachener Zollbehörde zu Unrecht versucht habe, die angeblich hinterzogenen Steuern bei Annelie K. zu pfänden.

Die Gerichte stellten fest, dass die Behörden das doch zu unterlassen hätten, weil hier eine Verwechslung vorläge. Was genau hinter diesem Fall eines möglichen Justizirrtums steckt, werden kommende Verhandlungstage ergeben.

Da es sich um eine Summe von unter einer Million Euro – man erinnere sich an den Fall Hoeneß – handele, könne man bei geständigen Einlassungen der Angeklagten mit Bewährungsstrafen rechnen, schickte Richter Matthias Quarch eine Botschaft an die Verteidiger. Der Prozess am Landgericht wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

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