Indestädter begegnen Aufmarsch mit buntem Programm

Von: rpm
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Wie in Stolberg so hat sich au
Wie in Stolberg so hat sich auch in Eschweiler ein breites Bündnis von Bürgern, Verbänden, Vereinen und Institutionen gebildet, das Neonazis klarmachen will, dass für sie hier kein Platz ist. Für den 31. März wie auch im Vorfeld sind schon jetzt zahlreiche Aktionen geplant. Foto: Heike Eisenmenger

Eschweiler. Es wird kein Wochenende wie jedes andere, das Wochende um den 31. März. An diesem Tag nämlich steht im Ratssaal der Feststakt zur Begründung der Städtepartnerschaft Eschweilers mit dem türkischen Dalaman an. Und in der City feiern Kaufleute das Frühjahrsstadtfest - mit Besuchern aus der gesamten Region.

Besucher ganz besonderer Art haben ihr Kommen längst angekündigt: Rechtsradikale, die hier die Generalprobe für ihren jährlichen April-Aufmarsch in Stolberg abhalten wollen. Dort, so erinnert die Bürgerinitiative Eschweiler Bürgerinitiative „Gemeinsam gegen Neonazis”, „folgten im vergangenen Jahr über 400 gewaltbereite Nazis dem Aufruf und marschierten trotz Gegendemonstrationen und Blockaden durch die Kupferstadt. Für Samstag, den 31. März, haben dieselben neofaschistischen Gruppen nun in unserer Stadt eine Demonstration angemeldet. Das kann nur als Provokation verstanden werden in einer Stadt, die seit Jahren an ihren Ortseingängen bekundet: Eschweiler hat keinen Platz für Rassismus!”

Für Toleranz und Respekt

Und das soll wörtlich zu verstehen sein: Die Bürgerinitiative will möglichst viele Indestädter auf die Straßen bringen und braunen Gestalten keinen Platz lassen. Vielfalt statt Einfalt ist das Motto, unter dem Dutzende von Organisationen, Vereinen, Verbänden und Institutionen in einem bunten Reigen ebenso bunter Auftritte und Veranstaltungen demonstrieren wollen, dass ihre Lebensentwürfe sich mit tumb-brauner Ideologie nicht vertragen.

In Entwurf eines bereits von zahlreichen Geistlichen unterzeichneten Appells von „Christen in Eschweiler für Demokratie ? gegen rechtsradikale und neonazistische Tendenzen” heißt es u.a.: „Es geht nicht nur um eine Gegendemonstration, sondern darum, zu zeigen, wofür wir sind: für den Schutz der Würde jedes einzelnen Menschen, für Toleranz und Respekt gegenüber Lebensentwürfen, die anders sind als unsere eigenen, soweit sie die Würde eines jeden Menschen achten, für eine konstruktive und respektvolle Auseinandersetzung mit Menschen und Gruppierungen aus anderen Kulturen und Religionen - gegen verbale und Kkörperliche Gewalt, gegen Ausgrenzung von Menschen auf Grund von Religion, Herkunft, Hautfarbe oder sexueller Orientierung.”

Buntes Programm

Mehr als 80 Vertreter unterschiedlichster Gruppen - darunter Verwaltung, Kirche, Integrationsrat, Schulen, mobile Jugendarbeit, CAJ, SPD, FDP, Grüne, Linke, Junge Union und Jusos - waren am Donnerstagabend im Ratssaal zusammengekommen, um ihre Aktionen rund um den 31. März abzustimmen und zu bündeln. Sie haben sich einiges einfallen lassen: So soll am Talbahnhof von 10 bis 18 Uhr ein buntes Programm geboten werden, in dessen Rahmen Vereine, Verbände und sonstige Gruppen Gelegenheit haben, sich mit Infoständen zu präsentieren. Für eine Bühne ist ebenfalls gesorgt, auf der Redner - allen voran Bürgermeister Rudi Bertram ihre Meinung zum braunen Aufmarsch kundtun und Musikbands in die Saiten greifen und Folkloregruppen tanzen können. Dort soll auch ein gemeinsamer Auftritt möglichst aller der 20 Eschweiler Chöre stattfinden. Ebenso geplant: die Mitwirkung möglichst vieler Trompeterkorps. „Die Weisweiler” haben bereits zugesagt. Von hier aus soll gegen 11.30 Uhr ein Demonstrationszug durch Teile der Südstadt ziehen und nach Möglichkeit den geplanten Aufmarsch der Rechten stören. An der Spitze des Demonstrationszugs wird das Aachener Friedenskreuz getragen werden, das vom Domkapitel dazu eigens zur Verfügung gestellt wird.

Die Palette der Ideen ist breit: vom Fahrradcorso mit entsprechenden Wimpeln über Einkaufs-Stofftaschen mit dem Ortschild-Logo „Eschweiler hat keinen Platz für Rassismus” und Straßenmalaktionen (mit Kreidespray) bis hin zum Großtransparent am Hauptbahnhof, mit dem anreisende Nazios „begrüßt” werden. Dazu zählten auch Projektwoche in Eschweiler Schulen im Vorfeld, und dazu zählt auch ein vier Quadratmeter großes Plakat mit 3800 Porträts von Eschweiler Bürgern, die aussagen, dass die braunen Herren hier unerwünscht sind.

Der Jugendhilfeverein „Fallschirm” e.V. bot der Bürgerinitiative bereits finanzielle Hilfe an.

Voraussichtlich in der Waldschule wird am 16. März von 11 bis 16 Uhr ein „Versammlungs- und Aktionstraining” stattfinden, bei dem vor allem Menschen ohne Demonstrationserfahrung sich über rechtliche Aspekte informieren und sich auch in praktischen Übungen auf den 31. März vorbereiten können. Ein weiteres Treffen aller, die sich am Aktionstag 31. März beteiligen wollen, findet am 20. März, wiederum ab 18.30 Uhr, im Ratssaal statt.

Weitere Informationen bietet die Internetseite www.vielfaltstatteinfalt.org, auf der Bürger und Vereine in Kürze auch den Appell „Eschweiler hat keinen Platz für Nazis! Eschweiler ist bunt!” der Bürgerinitiative unterzeichnen können.
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