Eschweiler - Indestadt wird für zwei Tage zum Museum

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Indestadt wird für zwei Tage zum Museum

Von: Irmgard Röhseler und Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
Bonjour, liebe Gäste. Frankre
Bonjour, liebe Gäste. Frankreich war in diesem Jahr Partnerland der Art Open. Die französischen Gäste bekamen daher einen ganz besonders warmen Applaus. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Für Max Krieger war es ein bisschen so wie jedes Mal. Er hatte sich viele Notizen gemacht, was er alles zu den Gästen sagen möchte. Nur hatte er mal wieder das Los des späten Redners gezogen, und im Grunde war bereits alles gesagt.

Dem Organisator blieb somit „nur” noch die angenehme Aufgabe, die Kunstfans auf die Ausstellungen loszulassen. 32 Ort, 50 Ausstellungen, 90 Künstler - und das alles erstmals an zwei Tagen: Die sechste Auflage der Art Open war erneut ein voller Erfolg.

Den Kunstinteressierten wurde aber auch einiges geboten. Erstmals fand die Veranstaltung an zwei Tagen statt. Künstler und Besucher nahmen dieses Angebot sehr gut an. Fast alle Ausstellungen waren in der Innenstadt, und so hatte der Leerstand im City-Center ausnahmsweise mal etwas Gutes. Die Räume wurden kurzfristig zu Ateliers. In diesem Punkt hofft Bürgermeister Rudi Bertram, dass er den Künstlern in zwei Jahren bei der nächsten Art Open nicht mehr unter die Arme greifen kann.

Mit dem Fahrrad unterwegs

Im Mittelpunkt standen - wie könnte es auch anders sein - die Gäste aus Frankreich. Da war zum Beispiel Alain Guillaume, der mit dem Fahrrad durch das Land fährt, um seine Motive zu entdecken. Guillaume malt Landschaften seit den 80er Jahren ist seit 1995 Mitglied des Atelier des Arts von Wattrelos. Seine Werke zeichnet er zuerst, dann wählt er im Atelier die Öl- und seit kurzem die Aquarelltechnik.

Im Ratssaal, wo normalerweise die Köpfe rauchen und mitunter hektisches Treiben herrscht, waren nun viele schöne Kunstwerke zu Hause. Weitere Künstler, die im Rathaus ausstellten, waren Cathy Maarek, Chantal Guillaume, Claude Savage, Colette Cauet, Jean Duponchel, Joanna Richardson und Marie Moray.

Angelika Ivens, Leiterin des Deutsch-Französischen Kulturinstituts Aachen, freute sich natürlich sehr, dass die Wahl des Partnerlandes in diesem Jahr auf Frankreich gefallen war. Sie erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass Deutschland und Frankreich in diesem Jahr gewissermaßen ein Jubeljahr feiern, da vor 50 Jahren Charles de Gaulle und Konrad Adenauer vieles für die deutsch-französische Freundschaft in die Wege geleitet hatten. Wie man unter anderem an der Art Open sieht: Es hat nachhaltig gefruchtet.

Schirmherr und Bürgermeister Rudi Bertram freut sich, mit unter anderem solchen Aktionen die Partnerschaft zu Wattrelos zu festigen. „Die Stadt wird zu einem Museum”, sagte er bei der Eröffnung. Die Art Open sei ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens der Indestadt. Und er appellierte eindringlich an alle Gäste, sich Zeit für die Kunst zu nehmen. Gerade in der heutigen Zeit, in der es immer mehr Stress gebe. Ein weiterer Punkt, der dem Bürgermeister sehr am Herzen liegt und der die Art Open zu so einer wertvollen Veranstaltung macht, sei die Begegnung der Menschen. In diesem Zusammenhang dankte er auch Max Krieger, der die Art Open erneut organisierte.

Dr. Wolf Steinsieck, Honorarkonsul von Frankreich, begrüßte die Gäste in französischer Sprache und hatte die Lacher auf seiner Seite, als er zum Schluss seiner amüsanten Rede überraschend in die deutsche Sprache wechselte. Eine gelungene Ouvertüre.

Große Vielfalt

Rudi Bertram schaute sich einen Teil der Ausstellungen an. Alle zu sehen, war recht schwierig, bei der großen Vielfalt. Ein absoluter Hingucker war die Ausstellung Memory of Colors im Rathaus. Der französisch-kolumbianische Künstler Jaime Ocampo-Rangel. Im Jahr 1999, während eines Urlaubs in Kolumbien, begegnete Ocampo-Rangel dem Eingeborenenstamm der Kogui-Menschen. Er porträtierte diese ursprünglichen Naturmenschen, und in ihm wurde ein Wunschtraum geweckt, der sein Leben völlig verändern sollte. Mit seiner Ausstellung hat es sich Jaime Ocampo-Rangel zum Ziel gemacht, die Schönheit und Vielfalt verschiedener Kulturen auf der ganzen Welt fotografisch zu erfassen und zu bewahren.

Der Fotograf hat die letzten 13 Jahre unermüdlich an dem Projekt gearbeitet und reiste dafür in die entlegensten Ecken des Globus. Ocampo-Rangel porträtiert die Geschichten von unverfälschten und ursprünglichen Persönlichkeiten und bewahrt so ihr kulturelles Erbe. Jedem Bild ist eine Signalfarbe zugeordnet, die für eine bestimmte Kultur oder einen religiösen Glauben steht

Einmaliges Projekt

Ein einmaliges Projekt zeigten die Menschen aus dem Stadtteil Ost. Mit Hilfe der Künstlerin Gerda Zuleger-Mertens hatten sie 454 Porträtfotos zu einem großen Bild zusammengefügt und am Eingang der Bürgerbegegnungsstätte an der Moselstraße angebracht und beleuchtet. Der Stadtteil Eschweiler-Ost lebt durch die Vielfalt von Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturkreisen: Deutsche, Afrikaner, Türken, Kurden, Polen, Russen, Buddhisten, um nur einige zu nennen. Hier treffen logischerweise unterschiedliche Denkansätze, Religionen, Rituale und Kontraste aufeinander.

Aus diesen sehr unterschiedlichen Lebensbereichen entwickelte die bunte „Künstlergruppe” mit dem Gemeinschaftsprojekt „Ost-Art” eine Kommunikation, die das Bekannte und das Fremde auf unspektakuläre Art und Weise mitein­ander vermischte. Kinder, Jugendliche und Erwachsene fotografierten sich gegenseitig und übermalten sie zum Teil nach Lust und Laune. Frauen islamischen Glaubens, die nicht fotografiert werden dürfen, zeigten dabei Detailaufnahmen, beispielsweise kunstvoll mit Henna bemalte Arme und persönliche Schmuckstücke.

Aber nicht nur Bilder und Objekte konnte man bei der Art Open in der Bürgerbegegnungsstätte bewundern, sondern auch einen Videoclip mit dem Titel „Imagewandel in Eschweiler-Ost” von Tobias Zuleger. Den Abschluss dieses außergewöhnlichen Projekts bildete am Sonntagabend eine Straßen-Jazzparade à la New Orleans. Gemeinsam ging es mit der Renew Brass Band der Eschweiler Jazz- & Street-Academy ins Rathaus, in dem die Art Open offiziell ausklang.

Die Art Open endete am Sonntagabend sehr stimmungsvoll. Die Renew Brass Band zog von Eschweiler-Ost zum Rathaus, wo die Kunstveranstaltung offiziell beendet wurde.

Und schon jetzt freuen sich die Kunstfans auf das Jahr 2014, wenn es zum siebten Mal heißt: Willkommen zur Art Open.
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