Eschweiler - Indeland Windpark: Kran hievt 175 Tonnen auf 120 Meter Höhe

Indeland Windpark: Kran hievt 175 Tonnen auf 120 Meter Höhe

Von: Patrick Nowicki
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In luftiger Höhe: Die Gondel des Windrades wird vom Kran auf die Spitze des 120 Meter hohen Turms gehoben. Foto: Innogy SE
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Einblicke in den Bau eines Windrades: Arbeiter bereiten ein Rotorblatt für die Montage vor. Foto: Patrick Nowicki
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Im Inneren des Turmes stabilisieren fast 300 gespannte Stahlstäbe die Konstruktion. Foto: Patrick Nowicki
Bauleiter Windrad Eschweiler
Ralf Schürkamp, verantwortlich für Onshore-Anlagen bei der Innogy SE, zeigt vier solcher Stäbe. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Die Einzelteile liegen bereit, die Arbeiter warten auf das Kommando. Letztlich entscheidet jedoch der Kranführer. Er muss den Daumen heben, ob Wind und Wetter zulassen, dass der Rotor mit einem Gesamtdurchmesser von 114 Metern auf das Getriebe in der Gondel in etwa 120 Metern Höhe gehievt wird.

„Manchmal ist auch Geduld an der Baustelle gefragt“, sagt Ralf Schürkamp. Er ist in der Innogy SE für die Onshore-Anlagen in Deutschland zuständig. Am vergangenen Wochenende ging es jedoch schnell: Bei besten Wetterbedingungen wurde das erste Windrad des Indeland-Windparks Eschweiler-Nord installiert. Bis sich die Rotorblätter drehen, werden etwa vier Wochen vergehen. Im Inneren des Turms werden noch zahlreiche Kabel verlegt und es wird an der Inbetriebnahme gearbeitet.

Eine Baustelle wie in Eschweilers Norden ist generalstabsmäßig vorbereitet. Die Einzelteile überschreiten schließlich die üblichen Maße. Eines der Rotorblätter allein wiegt 16 Tonnen. Um den Installationsaufwand an der Baustelle so gering wie möglich zu halten, werden viele Teile vormontiert. Allerdings wächst damit der Transportaufwand. Schwertransporte müssen schließlich angemeldet werden. „Es ist schon vorgekommen, dass wir einen anderen Weg wählen oder die Fahrt verschieben mussten, weil sich zum Beispiel eine Baustelle auf der Autobahn befand“, schildert Schürkamp. In Eschweiler ist dies nicht der Fall. Bisher läuft alles nach Plan.

Die Innogy SE selbst ist mit vergleichsweise wenigen Vertretern vor Ort und greift auf Mitarbeiter der RWE Generation zurück. Hintergrund ist die Nähe der Baustelle zum Rheinischen Revier. Bauleiter für den Windpark Eschweiler-Nord ist Niko Spaete. Der Bauingenieur zählte auch zum Team, das die Verlegung der Autobahn 4 zwischen Kerpen und Düren für RWE plante und umsetzte. Aktuell arbeitet er häufig im Tagebau Garzweiler – und eben nördlich von Fronhoven. Da ist Abwechslung Alltag.

Spaete betreut das gesamte Bauprojekt mit seinen 13 Windrädern. Bis zu 60 Arbeiter sind an jedem Windkraft in der Spitze im Einsatz. An der Stadtgrenze zu Aldenhoven kann man derzeit die unterschiedlichen Bauphasen eines Windrads erkennen. An der Landesstraße 238 Richtung Jülich werden die Wege zu den einzelnen Baustellen planiert. Wer denkt, die Windräder seien fest mit einem extrem tief gründenden Fundament verbunden, der irrt gewaltig.

„Die Bauherren des Kölner Doms haben gedacht, dass man die Masse des Gebäudes mit der gleichen Masse in der Erde sichern muss – dies ist inzwischen überholt“, sagt Spaete. Wegen des weichen Untergrunds in Eschweilers Norden werden etwa 100 Bohrungen pro Windenergieanlage vorgenommen, die gefüllt werden. Spaete spricht von „Rüttelstopfsäulen“. Darauf wird ein Schotterpolster gelegt, ehe das eigentliche Betonfundament folgt. 600 Kubikmeter Stahlbeton bilden die Platte von vier Metern Tiefe und knapp 21 Metern Durchmesser.

Auf diesen Untergrund wird der Trafo mit einem Gewicht von zehn Tonnen und darüber der Turm aus Spannbeton gestellt. Sechs Meter Durchmesser weist er am Fuß des Windrads auf. Über eine Treppe und eine Eingangstür kann man ins Innere gelangen, wo sich die Schaltschränke und später auch der Aufzug bis zur Gondel an der Spitze der Windkraftanlage befinden.

An den Innenseiten des Turmes ziehen 18 schwarze Stränge nach oben. Dies sind die sogenannten Spannseile, die den Stahlbetonbau sichern. Jedes Bündel umfasst 16 fingerdicke Stahlstäbe, die mit dem Fundament verbunden werden. Diese Bauweise ist inzwischen üblich. „Viele Bauschritte sind standardisiert, was uns die Planung und Umsetzung erleichtert“, berichtet Ralf Schürkamp.

Am Montag schauten sich der Indeland-GmbH-Geschäftsführer Jens Bröker und Landrat Wolfgang Spelthahn auf den Baustellen um. Sie können berichten, dass die größte Hürde beim Bau von Windparks vor dem Baustart zu nehmen ist. Während das Repowering Halde Nierchen am Widerstand der Bürger scheiterte, konnte man sich nördlich von Fronhoven auf einen Kompromiss einigen. Als Zugeständnis an die Anwohner aus Fronhoven und Lohn wurde im Bebauungsplan eine Fläche für Windenergieanlagen herausgenommen.

Zurück zur Baustelle, wo man am Wochenende beobachten konnte, wie die letzten drei Stahlteile des Turms montiert wurden. Der Lastenkran und ein weiterer Hilfskran heben die drei Rohrelemente nacheinander auf den Stumpf. Das Prinzip gleicht einem Legobau, denn die Teile werden ineinander gesteckt und anschließend von innen fixiert. Auf diesen sogenannten Hybridturm wird dann das über 100 Tonnen schwere Maschinenhaus inklusive Getriebe und Generator gesetzt. In einem letzten Schritt wird der 75 Tonnen schwere Rotorstern mit den jeweils 57 Meter langen Blättern montiert. Etwa zehn Stunden dauert dieser Vorgang.

Anschließend gehen die Feinarbeiten weiter. In der Gondel befindet sich ein Motor, der die Nabe Richtung Wind dreht. Auch die einzelnen Rotorblätter können sich der Windstärke anpassen und bei zu starken Böen eindrehen. So bieten sie kaum noch Widerstand. Beim Anschluss ans Stromnetz hilft das Wissen der RWE-Mitarbeiter. Einige Windräder werden sogar ins Netz des Tagebaus Inden einspeist, um zusätzliche Stromtrassen in der Erde zu vermeiden. Dies hat noch einen weiteren Effekt: Auch nach dem Betrieb des Tagebaus können damit Anlagen mit Strom bedient werden, die Wasser in den Blausteinsee pumpen.

Bis September, so plant die Innogy SE, sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und sich alle 13 Windkraftanlagen drehen.

Auch die Stadt Eschweiler ist indirekt am Windpark beteiligt

Der Indeland-Windpark Eschweiler entsteht unter der Regie der neuen RWE-Tochter Innogy. In etwa vier Wochen soll sich das erste der 13 Windräder drehen, bis September sollen alle in Betrieb sein.

Mit einer installierten Leistung von 41,6 Megawatt ist er rechnerisch dazu in der Lage, etwa 26000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Theoretisch könnte er also den Strombedarfs Eschweilers mit etwa 25000 Haushalten decken. Allerdings sind darin nicht die gewerblichen Stromkunden berücksichtigt, die in der Regel deutlich mehr Strom benötigen.

Die Innogy holte sich für den Betrieb des WIndparks an der nördlichen Stadtgrenze Partner mit ins Boot. Beteiligte an der Betreibergesellschaft, der „Innogy Indeland Windpark Eschweiler GmbH & Co. KG“, sind neben der Innogy selbst mit 51 Prozent auch die regionalen Energieunternehmen EWV (29 Prozent) und Rurenergie (20). Die Stadt Eschweiler ist mit etwas mehr als 13,1 Prozent an EWV beteiligt. Die RWE AG sitzt dort mit 53,72 Prozent mit im Boot.

13 Windräder werden insgesamt an der Grenze zur gemeinde Aldenhoven errichtet. Dafür investieren die Unternehmen insgesamt 62 Millionen Euro. Derzeit rechnet man mit einer Betriebsdauer der Anlagen von etwa 20 Jahren.

Die Anlagen werden eine Gesamthöhe zwischen 180 und 200 Metern aufweisen. Der Rotor misst im Durchmesser 114 Meter, die Nabenhöhe liegt bei 143 Meter. Jede einzelne Windanlage soll in der Lage sein, bis zu 3,2 Megawatt Strom zu produzieren.

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